US-Angriffe auf iranische Küsteninfrastruktur: Revolutionsgarden drohen mit weiteren Vergeltungsschlägen
Washington/Teheran, 17 Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben in der Nacht zum Freitag erneut Ziele im Iran bombardiert, darunter Brücken, einen Flughafen und einen Überwachungsturm der Revolutionsgarden an der Straße von Hormus. Die iranische Luftwaffe kündigte an, aus dem ganzen Land anzugreifen, bis Ruhe an der eigenen Küste einkehre.
Washington/Teheran, 17 Juli 2026
Die US-Streitkräfte haben in der sechsten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran bombardiert, darunter Brücken, einen Flughafen und einen Überwachungsturm der Revolutionsgarden an der Straße von Hormus, während der Kommandeur der iranischen Luftwaffe Vergeltung bis zur Wiederherstellung der Ruhe an der iranischen Küste ankündigte.
Angriffe auf Brücken, Flughafen und Überwachungsturm
Die US-Luftwaffe flog in der Nacht zum Freitag (MESZ) eine neue Welle von Angriffen auf Ziele im Iran. Wie das zuständige Regionalkommando CENTCOM auf der Plattform X mitteilte, handelte es sich um die sechste aufeinanderfolgende Nacht von Angriffen. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump im Fox News angekündigt, dass in der kommenden Woche alle Kraftwerke und Brücken zerstört würden, falls der Iran nicht an den Verhandlungstisch komme.
Nach iranischen Angaben wurden bei den Angriffen Brücken, ein Flughafen und Infrastruktur der Seefahrt getroffen. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berief sich auf offizielle Quellen und meldete, dass die Brücken Kahurestan und Gariveh auf Verkehrsadern in der Provinz Hormozgan getroffen worden seien. Die Kahurestan-Brücke verbindet nach Angaben der New York Times die Hafenstadt Bandar Abbas mit der weiter nordwestlich gelegenen Stadt Shiraz und gilt als wichtige Route zwischen der Küste am Persischen Golf und dem südiranischen Hinterland. Die Straße zwischen Bandar Abbas und den Städten Khamir und Lar sei vollständig gesperrt worden, ebenso eine zweite Verbindung in der Region.
Der angegriffene Flughafen liegt weiter im Landesinneren in der Stadt Iranshahr in der Provinz Sistan-Baluchestan. Bandar Abbas beherbergt nach einem Bericht des Wall Street Journal einen Marinestützpunkt der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und sei entscheidend für die Fähigkeit des Iran, in der Straße von Hormus Macht auszuüben. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf einen US-Beamten, die Angriffe auf Brücken sollten Nachschubwege zu diesem Marinestützpunkt unterbrechen.
Die Tasnim-Nachrichtenagentur meldete zudem, dass bei einem Angriff auf einen Telekommunikationsturm in der Küstenstadt Bandar Abbas ein Mensch getötet worden sei. Insgesamt sind nach iranischen Angaben im Juli bisher 38 Menschen im Zuge der US-Angriffe getötet worden. Das iranische Gesundheitsministerium meldete über 400 Verletzte seit dem 22. Juni. Press TV sprach von sieben Getöteten bei Angriffen.
Drohung aus Teheran: Angriffe bis zur Ruhe an der Küste
Das US-Militär erklärte, es habe am Donnerstag einen Turm zerstört, der Teil eines maritimen Überwachungsnetzwerks entlang der iranischen Küste am Golf von Oman gewesen sei. Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hätten den Turm jahrzehntelang genutzt, um Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu verfolgen und ins Visier zu nehmen. Das US-Militär erklärte weiter, die Zerstörung des Turms schwäche unmittelbar die Fähigkeit der IRGC, Angriffe auf unschuldige zivile Besatzungsmitglieder zu koordinieren. Außerdem schütze der am Donnerstag erfolgte Angriff die Freiheit der Schifffahrt für alle Schiffe, mit Ausnahme jener, die versuchten, die US-Seeblockade gegen iranische Häfen zu durchbrechen.
Der Kommandeur der Luftwaffe der Iranischen Revolutionsgarden erklärte in einer von der Tasnim-Nachrichtenagentur verbreiteten Erklärung, man werde weiter aus dem ganzen Iran angreifen, bis Ruhe an der eigenen Küste einkehre. Der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf bekräftigte in einer teilweise im Fernsehen übertragenen Erklärung, dass der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus beanspruche, die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln wichtig sei.
Die USA hatten in dieser Woche zudem eine Seeblockade gegen iranische Häfen wieder verhängt. Seit der Wiederaufnahme der Blockade zu Beginn der Woche habe die US-Seite drei Schiffe umgeleitet und ein weiteres Schiff, das den Anweisungen nicht folgte, stillgelegt, hieß es. Das US-Militär veröffentlichte Fotos, die zeigen, wie US-Marines ein Handelsschiff enterten und durchsuchten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf X, der Iran kontrolliere die Straße von Hormus nicht.
Vergeltungsschläge gegen Golfstaaten
Der Iran reagierte mit Angriffen auf Ziele in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait, Bahrain und Katar. Im Kuwait wurden nach Angaben der kuwaitischen Armee Luftabwehreinheiten wegen Raketen- und Drohnenangriffen eingesetzt. Press TV berichtete, dass US-Radaranlagen und Raketenabschussrampen im Kuwait in Brand geraten seien. Das Innenministerium Bahrains hatte zuvor eine Sirenenwarnung auf X gemeldet. Die iranische Armee gab über Press TV bekannt, sie habe bei Vergeltungsschlägen einen Hubschrauberlandeplatz und ein US-Militäraufklärungsflugzeug in Bahrain angegriffen. Das Innenministerium Katars meldete, dass ein Kind durch herabfallende Trümmer bei Luftabwehreinsätzen verletzt worden sei.
Der Iran sprach zudem von Angriffen auf Ziele in Syrien, dem Irak und Jordanien. Der Golfstaat Kuwait meldete Schäden an einem Kraftwerk. Nach Angaben kurdischer Reben töteten iranische Angriffe neun Menschen im Nordirak. Der Iran rief seine Bevölkerung zu Stromsparmaßnahmen auf. Der Iran griff erstmals syrisches Territorium an.
In der Woche des Artikels war der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach iranischen Angriffen auf Tanker sowie Drohnen- und Raketenangriffen auf Militärstützpunkte in Bahrain, Kuwait und Jordanien nahezu zum Erliegen gekommen. Schiffe mussten zuletzt eine nördliche Route durch iranische Gewässer nehmen, während die US-Marine Schiffe auf einer südlichen Route entlang der Küste Omans eskortiert. Zu Beginn des Konflikts hatte der Iran Berichten zufolge 1,7 Millionen Euro pro Schiff für die Nutzung des Wasserwegs verlangt.
Straße von Hormus: Lebensader des globalen Energiehandels
Die griechische maritime Risikomanagementfirma MARISKS erklärte, die begrenzten Fortschritte, die nach dem Waffenstillstand im Juni erzielt wurden, seien nun faktisch zunichtegemacht worden. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Eskalation bleibe sehr hoch. Irans Botschaft sei ebenso klar: Entweder exportieren alle regionalen Produzenten Energie, oder keiner. Die direkte Drohung des Iran gegen die alternative Ölexportinfrastruktur der Golfregion sei vielleicht die bedeutendste Entwicklung in der aktuellen Lage.
Vor den Angriffen Israels und der USA auf den Iran am 28. Februar war die Straße von Hormus ein mautfreier internationaler Wasserweg. Eine vorläufige Waffenstillstandsvereinbarung zwischen den USA und dem Iran war am 17. Juni unterzeichnet worden, die zunächst eine gewisse Entlastung für die Schifffahrt brachte, aber nicht mehr in Kraft ist. Fast einen Monat vor den Angriffen hatten die beiden Seiten eine Absichtserklärung zur Beendigung des im Februar begonnenen Nahost-Krieges unterzeichnet.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Energiehandelsrouten der Welt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden vor dem Konflikt etwa 20 Prozent des global gehandelten Flüssigerdgases (LNG) durch die Meerenge transportiert. Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) entsprach dies in den vergangenen Jahren einem Durchschnitt von etwa 20 Millionen Barrel pro Tag. Etwa 20 Prozent des globalen Rohöls wurden durch die Meerenge vom Persischen Golf zum Arabischen Meer und darüber hinaus transportiert, wobei der Großteil nach Asien ging. Im ersten Quartal fiel der Durchsatz durch die Straße von Hormus auf etwa 14,6 Millionen Barrel pro Tag und ist seit der Eskalation des Konflikts stark zurückgegangen.
Iran, Irak, Kuwait, Katar und Bahrain sind bei ihren Ölexporten weiterhin überwiegend auf die Straße von Hormus angewiesen. Zusätzliche Pipelines im Irak, in Jordanien, Kuwait und der Türkei sind entweder in Betrieb oder im Bau, ihre Kapazitäten sind jedoch begrenzt und können eine größere Störung in der Straße von Hormus nicht ausgleichen. Nach Angaben der IEA können diese alternativen Pipelines maximal 8,8 Millionen Barrel Öl pro Tag umleiten. Saudi-Arabien verfügt über die East-West-Pipeline (Petroline) und die Vereinigten Arabischen Emirate über die Abu Dhabi Crude Oil Pipeline, die beide die Meerenge umgehen. Saudi-Arabien konnte zuletzt die Blockaden in der Straße von Hormus umgehen, indem Öl über Pipelines und Häfen am Roten Meer umgesetzt wurde. Die VAE planen, ihre bestehende Infrastruktur auszubauen und einen neuen Hafen mit Containerterminal an ihrer Ostküste zu bauen.
Huthi-Drohungen und Jemen-Konflikt
Analysten warnen, dass weitere Angriffe auf den Iran Vergeltungsmaßnahmen gegen die Öl- und Gasinfrastruktur am Golf, einschließlich Raffinerien, Häfen und Pipelines, auslösen könnten. Guntram Wolff, Senior Fellow beim Think Tank Bruegel und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Brüssel, erklärte, monatelange Luftangriffe haben die Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormus zu kontrollieren, nicht beseitigt.
Die Huthi-Miliz im Jemen gilt als einer der wichtigsten nicht staatlichen Verbündeten des Irans. Am Donnerstag hatte der Huthi-Anführer Abdel Malik al-Huthi dem benachbarten Saudi-Arabien mit Angriffen auf Ölanlagen, Flughäfen und andere sensible Ziele gedroht. Sämtliche Ölanlagen Saudi-Arabiens und kritische Einrichtungen im Land seien Ziele für unsere Raketen und Drohnen, sagte al-Huthi in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Am Montag war es zwischen den Huthi und der international anerkannten Regierung im Jemen, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, zu einer der schwersten Konfrontationen seit Jahren gekommen. Zwischen beiden Seiten gilt seit 2022 eine informelle Waffenruhe. Der Jemen-Krieg dauert seit 2014 an.
Die Angriffe auf den Flughafen von Sanaa im Nordjemen und auf Ziele in Saudi-Arabien ließen neue Sorgen wachsen. UN-Generalsekretär António Guterres äußerte über einen Sprecher Besorgnis über Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran und der gesamten Region. Solche Angriffe seien inakzeptabel. Der iranische UN-Botschafter erklärte, US-Angriffe auf zivile Infrastruktur stellten Kriegsverbrechen dar.
Pakistan zwischen Vermittlung und Bündnispflicht
Pakistan, das eine Vermittlerrolle in dem Konflikt einnimmt, zeigt sich zögerlich. Die Atommacht Pakistan unterhält seit dem vergangenen Jahr mit Saudi-Arabien ein Militärbündnis, das bei Angriffen auf eines der Länder zu Unterstützung des anderen Landes führen soll. Pakistanische Soldaten sind in Saudi-Arabien stationiert. Ein pakistanischer Diplomat sagte der Deutschen Presse-Agentur, es werde nicht leicht sein, die Vermittlung fortzuführen, wenn der Konflikt sich auf Saudi-Arabien ausweite. Pakistan könne in dem Fall gezwungen sein in den Konflikt einzusteigen. In einer Pressekonferenz am Donnerstag hatte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums alle Konfliktbeteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen. Führende Politiker seien zunehmend frustriert über den Prozess, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen im Land. Aktive Vermittlungsbemühungen seitens Pakistans in dem Konflikt ruhten derzeit, hieß es weiter.
Am Freitag soll es Berichten der britischen Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) zufolge zu einem Angriff auf ein Handelsschiff vor der Küste des Jemen gekommen sein. Unautorisierte Personen sollen an Bord gegangen sein, während das Schiff den Golf von Aden in östlicher Richtung durchquerte. Die jemenitische Küstenwache teilte später allerdings mit, dass es sich um einen Angriff somalischer Piraten gehandelt habe. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen sind in der Lage, Angriffe an der Bab al-Mandab-Straße durchzuführen, die Tanker auf dem Weg nach Yanbu durchqueren müssten, um das Arabische Meer und asiatische Märkte zu erreichen.
Die USA hoben zudem eine Sanktionsausnahme auf, die es dem Iran zuvor ermöglicht hatte, sein Öl offen zu verkaufen und dringend benötigte Einnahmen zu erzielen. Der Iran kritisierte die US-Regierung wegen angeblichen israelischen Einflusses. Der Iran-Krieg belastet viele Chemieunternehmen in Deutschland durch hohe Energiepreise und unsichere Lieferketten, während einige von steigender Nachfrage und Vorratskäufen profitieren.
Das Weiße Haus zeigte sich indes gesprächsbereit. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte am Donnerstag in Washington, der Iran stehe nach wie vor in engem Austausch mit den Vereinigten Staaten von Amerika und sei an einem Abkommen interessiert. US-Präsident Donald Trump behauptete in einer nationalen Ansprache, im Iran erziele man große Erfolge, und Sie werden die Früchte dieser Arbeit schon sehr, sehr bald sehen. Karoline Leavitt erklärte zudem, US-Präsident Donald Trump werde nicht untätig zusehen, während der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreife.
Fragen & Antworten
Welche Ziele haben die USA bei den jüngsten Angriffen im Iran getroffen?
Nach iranischen Angaben wurden Brücken, ein Flughafen in Iranshahr und ein Überwachungsturm der Revolutionsgarden an der Küste am Golf von Oman getroffen. Das US-Militär erklärte, der zerstörte Turm sei Teil eines maritimen Überwachungsnetzwerks entlang der iranischen Küste gewesen.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig für den Weltenergiehandel?
Vor dem Konflikt wurden etwa 20 Prozent des global gehandelten Rohöls und rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Flüssigerdgases durch die Meerenge transportiert, der Großteil davon nach Asien. Iran, Irak, Kuwait, Katar und Bahrain sind bei ihren Ölexporten überwiegend auf diese Route angewiesen.
Welche Rolle spielt Pakistan in dem Konflikt?
Pakistan vermittelt zwischen den Konfliktparteien, hat aber im vergangenen Jahr ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien geschlossen, das bei einem Angriff auf eines der Länder Unterstützung des anderen vorsieht. Aktive Vermittlungsbemühungen ruhen derzeit, da führende Politiker zunehmend frustriert sind und pakistanische Soldaten in Saudi-Arabien stationiert sind.