Eine schwere Gewitterfront mit Orkanböen, Starkregen und Hagel hat am Donnerstagabend in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen für Hunderte Feuerwehreinsätze, überflutete Keller und massive Behinderungen im Straßen- und Bahnverkehr gesorgt.
Münster besonders betroffen
Besonders betroffen war die Stadt Münster, wo die Feuerwehr am Abend Hunderte von Notrufen abarbeitete. Ein Sprecher der Feuerwehr beschrieb die Lage gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit den Worten: "Wir haben Vollarm hier." Zahlreiche Keller liefen voll, und umgestürzte Bäume blockierten viele Straßen.
Auch im Kreis Warendorf kam es zu erheblichen Einschränkungen. In der Stadt Warendorf selbst rückte die Feuerwehr zu rund 20 Einsätzen aus. Ein Blitz schlug in ein landwirtschaftliches Anwesen ein. Die Leitstelle des Kreises war zeitweise mit Notrufen überlastet, und ein Feuerwehrsprecher rechnete mit weiteren Einsätzen im Verlauf des Abends.
Die Unwetterfront zog weiter über das Bundesland und erreichte auch Dortmund. Dort musste ein Klimacamp wegen des schweren Gewitters geräumt werden. Nach Angaben der Dortmunder Polizei organisierten die Feuerwehr und die Stadt Hamm einen Bustransfer, um die Aktivisten in einer Turnhalle in Sicherheit zu bringen.
Bahn- und Autobahnverkehr massiv gestört
Der Sturm hatte auch erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass umgestürzte Bäume auf den Gleisen zu Streckensperrungen und Unterbrechungen auf verschiedenen Routen in Nordrhein-Westfalen führten. Fernzüge wurden aus Sicherheitsgründen in Bahnhöfen zurückgehalten, bis die Gewitterfront durchgezogen war.
Betroffen waren wichtige Fernverkehrsverbindungen, darunter die Strecken Münster–Osnabrück–Bremen, von Osnabrück in die Niederlande sowie vom Ruhrgebiet nach Hannover. Im Regionalverkehr wurde unter anderem die Linie RE 6 (RRX) zwischen Hamm und Minden in Ostwestfalen eingestellt, wie Zuginfo.NRW meldete.
Auch auf den Autobahnen kam es zu gefährlichen Situationen. Die Kooperative Großleitstelle Oldenburg meldete umgestürzte Bäume auf der A1 und der A30 bei Osnabrück. In den Landkreisen Vechta, Cloppenburg und im Münsterland warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Aquaplaning und Starkregen und rief Autofahrer zu besonderer Vorsicht auf.
Der DWD hatte bereits im Vorfeld eine amtliche Unwetterwarnung der Stufe 3 von 4 für Teile des südwestlichen Niedersachsens und das nördliche Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Die Meteorologen warnten vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen.
Meteorologische Ursachen und Ausblick
Tim Steger vom ARD-Wetterkompetenzzentrum erklärte die Ursache der Unwetter. "Die Ursache ist eine Kaltfront, die nun auf Niedersachsen trifft. Da kann es heftige Entwicklungen geben in der warmen, feuchten Luftmasse zuvor", so der Meteorologe. Er bezeichnete die Wetterlage für Ende Mai als "eher ungewöhnlich".
Der DWD prognostizierte für die betroffenen Gebiete Starkregen von bis zu 25 Litern pro Quadratmeter, örtlich sogar bis zu 30 Liter. Dazu wurden schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 85 Kilometern pro Stunde erwartet, lokal waren sogar orkanartige Böen von bis zu 110 Kilometern pro Stunde möglich.
Für den weiteren Verlauf der Nacht sagte Steger voraus, dass sich die Gewitterlinie in Richtung Südosten bewegen und in die Mitte Deutschlands abziehen werde. Im Laufe der Nacht sollten die Gewitter dann in Richtung Osten abziehen und sich abschwächen. Das Wetter in Niedersachsen werde sich danach beruhigen.
Die Unwetterwarnungen galten am Abend auch für Hamburg und das südliche Schleswig-Holstein. Dort wurden ebenfalls schwere Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel erwartet, allerdings wurde das Potenzial für lokales Unwetter im Vergleich zu den südlicheren Gebieten als etwas geringer eingeschätzt. Dennoch waren orkanartige Böen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde und 30 Liter Regen pro Quadratmeter möglich.
Für das bevorstehende Wochenende gab es eine vorsichtige Entwarnung. Tim Steger sprach von einem Wechsel aus Sonnenschein und Wolken am Samstag und Sonntag, wobei einzelne Schauer nicht ganz ausgeschlossen seien. Die Temperaturen, die am Unwettertag noch um die 30 Grad Celsius erreicht hatten, sollten auf ein Niveau von maximal 24 Grad absinken.
