UniCredit baut Commerzbank-Anteil auf mehr als 44 Prozent aus – Bundesregierung kritisiert Vorgehen als inakzeptabel
Frankfurt am Main, 08. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Ende ihres Übernahmeangebots hält die italienische UniCredit mehr als 44 Prozent der Commerzbank-Aktien. Die Bundesregierung bezeichnete das Vorgehen der Mailänder Großbank als inakzeptabel, während Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zu konstruktivem Dialog aufrief.
Die italienische Großbank UniCredit hat nach dem Ablauf ihres Übernahmeangebots ihren Anteil an der Commerzbank auf mehr als 44 Prozent ausgebaut, während die Bundesregierung das Vorgehen scharf kritisierte und die Commerzbank zugleich zu Gesprächen bereit ist.
Ausbau des Engagements seit September 2024
Nach dem Ende ihres Übernahmeangebots am 3. Juli hält die italienische UniCredit nach eigenen Angaben mehr als 44 Prozent der Anteile an der Commerzbank. Die Offerte sei für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen worden, teilte die Mailänder Großbank am Mittwoch mit. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die UniCredit bereits vor dem Angebot hielt, steigt ihr direkter Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent.
Aktienstruktur und mögliche Stimmrechte
Über Kaufoptionen hat die UniCredit zudem Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien, wodurch sich ihr Gesamtanteil auf 47,59 Prozent erhöhen könnte. Bei der Hauptversammlung könnte die UniCredit nach eigenen Angaben sogar 49,65 Prozent der Stimmrechte ausüben, da die eigenen Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind. Die UniCredit sprach von einem "weiteren Schritt bei der Umsetzung der strategischen Investition in die Commerzbank".
Die UniCredit ist bereits seit September 2024 bei der Commerzbank engagiert und hatte ihren Einfluss nach und nach ausgebaut. Anfang Mai legte die Mailänder Bank ein Übernahmeangebot vor, das mit 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie strukturiert war. Durch diese Konstruktion vermied UniCredit-Chef Andrea Orcel ein Pflichtangebot, das beim Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent gesetzlich vorgeschrieben und teurer gewesen wäre.
Vorwürfe der Commerzbank
Die Commerzbank wies darauf hin, dass die angedienten Aktien überwiegend von mit der UniCredit verbundenen Banken und Parteien stammten. "Die angedienten Aktien stammen überwiegend von mit der Unicredit verbundenen Banken und Parteien", teilte die Bank mit. Zudem sei weiterhin nicht transparent, "in welchem Umfang geliehene Aktien angedient und welche Absicherungsvereinbarungen in diesem Kontext getroffen wurden".
Die Commerzbank hat nach eigenen Angaben bei der Finanzaufsicht Beschwerde eingelegt; der Betriebsrat erstattete wegen des Verdachts der Marktmanipulation Strafanzeige. Die Bank warf der UniCredit vor, ihre Aktienposition "künstlich aufzublähen" – was die Italiener zurückwiesen. Nach Angaben der Commerzbank summieren sich die von professionellen und privaten Investoren angedienten Aktien auf weniger als zwei Prozent.
Haltung der Bundesregierung und der Länder
Die Bundesregierung bezeichnete das Vorgehen der UniCredit als "inakzeptabel". "Das aggressive und feindliche Vorgehen der Unicredit bleibt aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Der Bund werde seinen Aktienanteil von rund 12 Prozent nicht verkaufen, betonte die Regierung. Die Bundesregierung könne eine Übernahme zwar nicht verhindern, habe aber das Recht, zwei Kandidaten für den Commerzbank-Aufsichtsrat zu nominieren.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) appellierte an beide Seiten, sich an einen Tisch zu setzen. Auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp signalisierte Gesprächsbereitschaft: "Jetzt geht es darum, einen gemeinsamen Weg zu suchen und einen konstruktiven Dialog auf höchster Management-Ebene zu führen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Dabei sei ein "fairer und respektvoller Umgang miteinander unerlässlich".
Die Commerzbank betonte, nur mit einer einvernehmlichen Lösung ließen sich Synergien in angemessenem Umfang heben. "Nur mit einer einvernehmlichen Lösung unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter sowie der Bundesregierung als zweitgrößtem Aktionär ist es aus Sicht der Commerzbank realistisch, Synergien aus einem Zusammenschluss in einem angemessenen Umfang und Zeitrahmen zu erreichen", erklärte das Institut.
Orcels Pläne für Synergien und Stellenabbau
UniCredit-Chef Andrea Orcel, der in den 1980er-Jahren seine Diplomarbeit über das Thema "Feindliche Übernahmen" schrieb, sieht in einem Zusammenschluss Potenzial für Milliardeneinsparungen. Dazu gehöre der Abbau von 7.000 Stellen bei der Commerzbank und die Ausdünnung des Auslandsnetzes. Mit einer Übernahme der 1870 gegründeten Commerzbank will Orcel eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den US-Häusern.
Die amerikanische Zeitschrift Fortune bezeichnet Orcel als "am meisten polarisierenden Banker Europas", das deutsche Magazin Capital nennt ihn den "Hai der Finanzwelt". Die Neue Zürcher Zeitung vergleicht den stets mit roter Krawatte auftretenden Italiener mit dem Fußballstar Cristiano Ronaldo. Orcel selbst sagte über sich bei Bloomberg TV: "Wenn ich etwas sehe, über das andere Leute sagen, das sei unmöglich, zu viel Herausforderung, das sei kaputt – dann sehe ich Möglichkeiten, Chancen, Potenzial".
Die Bilanz des Mailänder Geldhauses hat sich seit Orcels Amtsantritt 2021 verbessert; nach Angaben aus dem vergangenen Jahr verdiente er bei der UniCredit über 16 Millionen Euro. Kritiker werfen dem 63-Jährigen vor, Entschlossenheit auch mit Tricksereien zu kombinieren. "Ja, Talent spielt eine Rolle", meinte Orcel, "entscheidend ist Entschlossenheit".
Ausstehende Hürden und Ausblick
Analysten der BNP Paribas rechnen damit, dass die UniCredit in den kommenden Monaten mit der Bundesregierung über einen Kompromiss verhandeln wird. Bis zum Abschluss der Transaktion sind zudem regulatorische Genehmigungen nötig, insbesondere von der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank und den Wettbewerbsbehörden der EU-Kommission. Die UniCredit sei weiter bestrebt, "konstruktiv" mit allen relevanten Stakeholdern zusammenzuarbeiten und zugleich die nötigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Prozesse voranzutreiben.
Orcel hatte bereits zuvor mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 gedroht, sollte er genug Aktionäre hinter sich bringen. Beim Aktionärstreffen im Frühjahr 2027 werden acht von zehn Aufsichtsräten neu gewählt. Die UniCredit ist bereits über ihre deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB) in Deutschland aktiv.
Mit dem höheren Anteil der UniCredit wird eine Übernahme der 156 Jahre alten Commerzbank wahrscheinlicher. Orcel sieht in einem Zusammenschluss die Chance, den europäischen Bankensektor zu konsolidieren: "Man redet immer von einem Europa, das mit den Vereinigten Staaten, China und den anderen Wirtschaftsblöcken mithalten kann", sagte er vergangenes Jahr vor Bank-Gewerkschaftern in Mailand. In Europa aber hätten wir bislang nur "Zwergbanken". Denn, so Orcel, "die Bank ist das finanzielle Benzin für Wirtschaft und Industrie".
Fragen & Antworten
Wie hoch ist der Anteil der UniCredit an der Commerzbank nach dem Übernahmeangebot?
Nach dem Ende ihres Übernahmeangebots am 3. Juli hält die UniCredit nach eigenen Angaben mehr als 44 Prozent der Commerzbank-Aktien; über Kaufoptionen könnte sie ihren Anteil auf 47,59 Prozent ausbauen und bis zu 49,65 Prozent der Stimmrechte ausüben.
Warum kritisiert die Bundesregierung das Vorgehen der UniCredit?
Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bezeichnete das Vorgehen der Italiener als "aggressiv und feindlich" und daher als inakzeptabel; gleichzeitig hält der Bund seinen Anteil von rund 12 Prozent und kann zwei Aufsichtsratskandidaten nominieren.
Welche Pläne verfolgt UniCredit-Chef Andrea Orcel mit einer Übernahme?
Orcel sieht in einem Zusammenschluss Milliarden an Einsparungen, darunter den Abbau von 7.000 Stellen bei der Commerzbank und die Ausdünnung des Auslandsnetzes, und will eine europäische Großbank als Gegengewicht zu US-Häusern schmieden.
UniCredit Commerzbank: Anteil über 44 Prozent, Bund | finanz360