Die österreichischen Justizanstalten sind mit Stichtag 1. Juni 2026 zu 108,34 Prozent ausgelastet, wie aus Zahlen des Justizministeriums hervorgeht, die Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) bewerten lässt.

Insgesamt 9.124 Menschen saßen zu Beginn des Monats in österreichischen Haftanstalten ein, während die ausgewiesene Belagsfähigkeit nur 8.422 Plätze umfasste. Damit lag die Auslastung bei 108,34 Prozent, nachdem sie bereits am 1. Februar 2026 mit 108,15 Prozent ähnlich hoch gewesen war – bei damals 9.012 Insassen und 8.333 ausgewiesenen Plätzen. Die offizielle Kapazität wurde innerhalb von vier Monaten um 89 Plätze nach oben korrigiert, ohne dass baulich etwas hinzukam.

Kapazität wächst nur auf dem Papier

Volksanwältin Gabriela Schwarz, die für die Aufsicht über den Strafvollzug zuständig ist, sieht in dieser Anpassung ein deutliches Warnsignal. Sie erklärte wörtlich: "Dass die Belagsfähigkeit in den vergangenen vier Monaten erhöht wurde, kann nur bedeuten, dass etwa in Zwei-Personen-Hafträumen nun drei oder sogar vier Personen angehalten werden. Wenn Häftlinge oft 23 Stunden auf engem Raum eingesperrt sind, kann sich jeder ausrechnen, dass das nicht förderlich ist." Mit einer weiteren Stellungnahme verschärfte sie ihre Kritik: "Während die Zahl der Insassen steigt – und wundersamer Weise auch die Belagsfähigkeit –, bleibt der Personalstand gleich niedrig. Das geht sich auf Dauer nicht aus."