Trump 80: UFC-Käfigkampf vor dem Weißen Haus – Proteste und Kritik
Washington, 14. Juni 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat an seinem 80. Geburtstag einen UFC-Kampfabend auf dem Südrasen des Weißen Hauses veranstaltet – unter einer riesigen Kuppel namens „The Claw" und vor tausenden Zuschauern. Gleichzeitig rief die Protestbewegung „No Kings" zu landesweiten „Watch Parties" und einem Gegenkonzert in New York auf.
An seinem 80. Geburtstag hat US-Präsident Donald Trump einen UFC-Kampfabend direkt auf dem Südrasen des Weißen Hauses veranstaltet, während die Protestbewegung „No Kings" zu einem Gegenkonzert in New York und zu „Watch Parties" im ganzen Land mobilisierte.
Ort und Anlass: Oktagon, Kuppel und runder Geburtstag
Die Veranstaltung am Sonntagabend (Ortszeit) verband mehrere Anlässe miteinander: Trumps runden Geburtstag, den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten am 4. Juli sowie nach Angaben der Organisatoren auch die Feierlichkeiten zur Gründung der US-Armee, deren 250-jähriges Bestehen im Vorjahr mit einer großen Militärparade begangen worden war. Auf dem Südrasen wurde ein Käfig im typischen UFC-Oktagon aufgebaut, umgeben von Tribünen für mehr als 4.000 Zuschauer.
Überspannt wurde die Anlage von einer riesigen Kuppel, die unter dem Namen „The Claw" – auf Deutsch „die Kralle" – das Weiße Haus selbst optisch kleiner wirken ließ. Im nahe gelegenen Ellipse-Park begann am Samstag ein Fan-Fest, zu dem am Sonntag mehr als 120.000 Besucher erwartet wurden. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen wurden Straßen rund um das Weiße Haus großflächig gesperrt.
UFC und MMA: Ein Sport mit blutiger Geschichte
Bei der UFC (Ultimate Fighting Championship) handelt es sich um eine Profiliga für Mixed Martial Arts (MMA), die Techniken aus Boxen, Ringen, Kickboxen, Karaté und Jiu-Jitsu kombiniert. Anders als beim Profi-Wrestling sind die Kämpfe nicht inszeniert; es komme regelmäßig zu Blutungen, Knochenbrüchen und Ausknockungen, wie es in Berichten heißt. Gegenseitige Provokationen und Demütigungen der Kämpfer im Ring und auf Pressekonferenzen gehörten zum Geschäft.
Trump ist als UFC-Fan und als Freund von UFC-Präsident Dana White bekannt, der ihn bereits im ersten Wahlkampf öffentlich unterstützt hatte. White wiederum habe Trump laut Berichten an zahlreiche Influencer und Podcaster vermittelt, darunter 20-Jährige, die ihn interviewten. Auch der Podcaster Joe Rogan, der UFC-Kämpfe kommentiert, interviewte Trump im Wahlkampf – das Gespräch erreichte Millionen von Menschen. Rogan sagte für die Live-Kommentierung des Events den Satz „So America". In den vergangenen Monaten hatte Rogan Trump zunehmend kritisiert und dessen Wähler als „Trottel" bezeichnet, ehe er ihn laut Whites Darstellung doch als Präsidentschaftskandidaten unterstützte.
Trumps Verbindung zur UFC: Aktien, Prominente, Propaganda
Ende März war Trump laut veröffentlichten Präsidialtransaktionen in den Besitz von Aktien der UFC-Muttergesellschaft TKO im Wert von bis zu 50.000 US-Dollar gelangt. Der US-Sender Paramount+ übertrug den Kampf exklusiv; im Hintergrund steht die Familie des Software-Milliardärs Larry Ellison, der als Unterstützer Trumps gilt. Kritiker werfen der Veranstaltung vor, dem Streamingdienst neue Abonnenten zu bescheren. Für den Event soll die UFC laut Berichten rund 60 Millionen US-Dollar ausgegeben haben.
White baut die Organisation nach eigenen Angaben seit rund 25 Jahren auf; damals sei die UFC-Marke Berichten zufolge etwa zwei Millionen Dollar wert gewesen. Die Verbindung zwischen Trump und der Liga reicht zurück bis in die Anfänge, als UFC-Kämpfer in einem von Trumps Kasinos gegeneinander antraten. Laut Soziologe Kyle Green, der an der State University in Brockport Sportkultur erforscht, hat „Dana White Politik immer als transaktional verstanden". Green, der sich selbst als langjähriger UFC-Fan bezeichnet, sagte über das Spektakel: „Dieses Event ist nur die Kirsche auf der Sahnetorte."
Auch prominente Republikaner hatten sich in der Vergangenheit kritisch geäußert: Der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain hatte die UFC einst als „Hahnenkampf" verurteilt. Green betonte, dass die UFC „eine Feier der Männlichkeit" sei, und verwies auf das Publikum, das innerhalb des amerikanischen Sports am stärksten dem politisch rechten Lager zuneige und ein Interesse an Verschwörungstheorien zeige – wobei nicht alle UFC-Fans Republikaner seien. Zur UFC-Klientel sagte er: „Ein Teil der Geschichte der Männer war oft, dass sie ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen wollten".
Gegenwind: Klage abgewiesen, Protest formiert sich
Gleichzeitig haben Themen wie die Epstein-Akten und der Krieg mit Iran nach Greens Worten Teile der UFC-Basis zunehmend unzufrieden mit der Regierung werden lassen. Einer Umfrage der Yale University zufolge zeigten sich rund 70 Prozent der Befragten unter 30 Jahren unzufrieden mit Trumps Präsidentschaft. Beim dritten Spiel der NBA-Finals in New York wurde Trump während der Nationalhymne auf der Großleinwand ausgebuht.
Im Vorfeld des Events hatten Kritiker versucht, die Veranstaltung mit einer Klage zu stoppen. Sie warfen Trump vor, dem UFC-Boss und seinem Unternehmen Zugang zum Weißen Haus für eine private, gewinnorientierte Sportveranstaltung mit Werbe- und Branding-Möglichkeiten zu gewähren. Ein Gericht wies die Klage jedoch ab, unter anderem mit der Begründung, die Einwände seien zu spät eingereicht worden.
Gegen das Spektakel mobilisierte die Protestbewegung „No Kings". Sie organisierte am Wochenende landesweit „Watch Parties" – Versammlungen in Privathäusern, Gemeindezentren oder Geschäften –, bei denen ein Gegenkonzert in New York übertragen werden sollte. Auf der Bühne standen nach Angaben des „Committee for the First Amendment" unter anderem die Schauspielerinnen Jane Fonda, Bette Midler und Julia Roberts sowie die Musiker Rufus Wainwright und Patti Smith. In einer Mitteilung der Organisatoren hieß es, die Menschen sollten das Konzert verfolgen, „während der Präsident versucht, das Land mit seinem UFC-Käfigkampf-Spektakel abzulenken". Bereits ein Jahr zuvor, auf Trumps 79. Geburtstag, hatten sich dem Aufruf von „No Kings" Millionen Menschen angeschlossen.
Reaktionen in Washington: Euphorie, Irritation, Polizeieinsatz
Unterdessen äußerten sich Fans in Washington selbst teils irritiert über die Wahl der Location. Ein 18-jähriger Fan namens Jordan aus dem benachbarten Bundesstaat Virginia, der am Freitag in einem UFC-Shirt durch die Hauptstadt lief, sagte, der Ort der Kämpfe sei „etwas seltsam". Er fügte hinzu: „Aber mal abgesehen vom Politischen: Ich genieße alle Kämpfe, die stattfinden, und freue mich schon riesig darauf." Die Sicherheitslage rund um die Veranstaltung sorgte indes für zusätzliche Spannung: Auf dem Rasen der National Mall vor dem Kapitol wurde nach Polizeiangaben eine Losung mit den Ziffern „8647" entdeckt, woraufhin die Polizei Ermittlungen aufnahm.
MMA war in Deutschland zu Beginn des Jahrtausends als Sportart verpönt und zeitweise mit einem TV-Verbot belegt. In den USA hat sich die Sportart seit den frühen 2000er-Jahren zunehmend im Mainstream etabliert und ist besonders bei Männern populär. Mit dem Auftritt vor dem Weißen Haus, der Verknüpfung mit dem Unabhängigkeitstag und Trumps Geburtstag erreichte die Verbindung von Sport, Politik und Symbolpolitik nun einen vorläufigen Höhepunkt.
Der Kampf wurde exklusiv auf dem kostenpflichtigen Streamingdienst Paramount+ übertragen. Kritiker sehen in der Veranstaltung ein weiteres Beispiel dafür, wie staatliche Symbolik, private Geschäftsinteressen und persönliche Vorlieben des Präsidenten ineinandergreifen. Für Trump, der das Event live vor Ort verfolgte, war der Abend zugleich Geburtstagsfeier, patriotische Inszenierung und Zurschaustellung einer langjährigen Freundschaft zu Dana White.
Fragen & Antworten
Warum fand der UFC-Kampf direkt vor dem Weißen Haus statt?
Die Veranstalter verbanden nach eigenen Angaben den 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit am 4. Juli mit Trumps 80. Geburtstag und mit der Feier zur Gründung der US-Armee. Auf dem Südrasen wurde ein Oktagon mit Tribünen für mehr als 4.000 Zuschauer unter einer Kuppel namens „The Claw" errichtet.
Welche Rolle spielt Dana White bei dem Event?
White ist Präsident der UFC, organisierte den Kampfabend und ist ein enger Verbündeter Trumps. Er hatte Trump bereits im ersten Wahlkampf unterstützt und ihm laut Berichten zahlreiche Influencer und Podcaster vorgestellt.
Wie reagieren Kritiker und die „No Kings"-Bewegung?
Kritiker versuchten vergeblich, das Event mit einer Klage zu stoppen; das Gericht wies die Klage ab. Die „No Kings"-Bewegung rief parallel zu „Watch Parties" in Privathäusern, Gemeindezentren und Geschäften auf, bei denen ein Gegenkonzert in New York mit Jane Fonda, Bette Midler, Julia Roberts, Rufus Wainwright und Patti Smith übertragen wurde.
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