Die Berliner Vertrauensstelle Themis hat im ersten Quartal 2026 einen Anstieg körperlicher sexueller Übergriffe in der Kultur- und Medienbranche registriert und fordert eine Abkehr von der Kultur des Schweigens.

Die Vertrauensstelle Themis, die in Deutschland seit Mai 2018 als Anlaufstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kultur- und Medienbranche dient, hat ihre aktuellen Beratungszahlen vorgelegt. Demnach wandten sich in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 20 Menschen wegen körperlicher Übergriffe an die Einrichtung. Weitere 22 Erstkontakte betrafen verbale, non-verbale oder digitale Belästigung. Insgesamt führte das siebenköpfige Team um die geschäftsführende Vorständin Maren Lansink in diesem Zeitraum 184 Beratungsgespräche, darunter 105 Erstberatungen.

Auffällig ist laut Themis die Verschiebung im Verhältnis körperlicher zu nicht körperlicher Übergriffe. 2025 standen 68 Fälle körperlicher Belästigung oder Vergewaltigung 37 Fällen verbaler Belästigung gegenüber. Im Jahr zuvor waren es noch 68 Fälle verbaler und 61 Fälle körperlicher Belästigung oder Vergewaltigung gewesen. Damit hat sich die Relation zugunsten der körperlichen Vorfälle umgekehrt. Unter den Betroffenen waren 70 Prozent Frauen, in über 80 Prozent der Fälle handelte es sich bei den Tätern um Männer.