St. Pölten feiert 40 Jahre Landeshauptstadt: Festakt, Wirtschaftsbilanz und ein Gulasch-Vergleich
St. Pölten, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
St. Pölten hat am Freitag sein 40-jähriges Bestehen als niederösterreichische Landeshauptstadt mit einem Festakt begangen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landtagspräsident Karl Wilfing und Bürgermeister Matthias Stadler zogen eine positive Bilanz der vergangenen vier Jahrzehnte.
Mit einem Festakt in der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) haben Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landtagspräsident Karl Wilfing (ÖVP) und Bürgermeister Matthias Stadler am Freitag das 40-jährige Bestehen St. Pöltens als Landeshauptstadt Niederösterreichs gewürdigt.
Jubiläum mit historischem Rückblick
Der Festakt am Freitag in der University of Applied Sciences St. Pölten stand ganz im Zeichen eines Jubiläums: Vor genau 40 Jahren, im Juli 1986, hatte der Niederösterreichische Landtag den Beschluss gefasst, St. Pölten zur Landeshauptstadt zu erheben. Zuvor hatten sich die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher bei einer Volksbefragung im Jahr 1986 für eine eigene Landeshauptstadt entschieden – die Wahl fiel auf St. Pölten. Damit erhielt das damals 1.729.573 Einwohner zählende Bundesland endlich sein politisches Zentrum.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sprach von "einer Entscheidung mit Weitblick: für Eigenständigkeit, für eine eigene Landesidentität und für ein starkes Zentrum mitten in Niederösterreich". Aus einer "Stadt im Dornröschenschlaf" sei eine "moderne Landeshauptstadt" geworden, sagte sie. Mikl-Leitner würdigte zugleich ihren Vorgänger Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der Niederösterreich "Selbstbewusstsein, Strahlkraft und ein neues Gesicht" gegeben habe.
Würdigung der politischen Wegbereiter
Bürgermeister Matthias Stadler erinnerte daran, dass die Bevölkerung sich damals bewusst für ein starkes Herz entschieden habe. "Wir haben lange mit dem Geruch gekämpft, aber strahlen jetzt in neuem Glanz", sagte Stadler. Seither habe sich die Stadt von einem Industriestandort zu einem bedeutenden Verwaltungs-, Bildungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum entwickelt. St. Pölten vereine "das Beste aus allen Welten": "Es ist bunt und laut, wenn man es will, aber bietet dabei so viel Natur und ist so lebens- und liebenswert."
Landtagspräsident Karl Wilfing (ÖVP) zog ebenfalls eine positive Bilanz: Aus einem Bundesland "im Schatten Wiens" sei eine selbstbewusste und in Europa anerkannte Region geworden. "Mit dem Beschluss zur Errichtung einer eigenen Landeshauptstadt haben wir Verantwortung übernommen. Denn der Auftrag bedeutete auch, dass wir in eigener Verantwortung die Entwicklung unseres Landes regeln sollen", betonte Wilfing. "Heute ist Niederösterreich eine Premiumregion im Herzen Europas."
Vom Gulasch ohne Saft zum Erfolgsrezept
Im Mittelpunkt der Reden stand auch ein Bonmot, das die Veranstaltung über vier Jahrzehnte hinweg begleitet: der Ausspruch des früheren Landeshauptmanns Siegfried Ludwig (ÖVP), wonach "ein Land ohne Hauptstadt wie ein Gulasch ohne Saft" sei. Landeshauptfrau Mikl-Leitner erklärte, aus dem einstigen "Gulasch ohne Saft" sei längst "ein echtes Erfolgsrezept" geworden. Auch in Landtagspräsident Wilfings kurzer Rede fand das Gulasch einen Platz: "Die emotionale Übersetzung war damals wie ein Gulasch ohne Saft."
Wirtschaftliche Bilanz in Zahlen
Die nüchternen Zahlen unterstreichen diese Bilanz. Das Bruttoregionalprodukt Niederösterreichs kletterte in den vergangenen 40 Jahren von 14,8 auf 73,2 Milliarden Euro – eine Verfünffachung. Die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen stieg im selben Zeitraum von 23.800 auf 92.600 Euro. Das Exportvolumen wuchs von 8,7 Milliarden Euro auf heute 30,3 Milliarden Euro. Seit 1986 verdreifachte sich beinahe die Zahl der Betriebsstandorte auf 130.000, ebenso wie jene der Unternehmensgründungen, die heute bei über 8.500 pro Jahr liegt.
Mikl-Leitner unterstrich den Wandel des Bundeslandes: Niederösterreich habe sich "von einem reinen Agrarland zum Agrarland Nummer eins, zum Wirtschaftsland, Tourismusland, Kulturland und Forschungsland entwickelt". St. Pölten sei heute nicht nur die geografische Mitte, sondern auch ein Symbol für das neue Selbstbewusstsein der Heimat. "Pölten ist heute nicht nur die geografische Mitte – sondern auch ein Symbol für das neue Selbstbewusstsein unserer Heimat."
Bürgermeister Stadler verwies auf die Verantwortung, die mit der Landeshauptstadt verbunden sei: "Verantwortung für die Menschen, Verantwortung für die Regionen, und Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder." Insgesamt füllten 66.000 Menschen die Stadt mit Leben und genössen die Vorteile einer Landeshauptstadt, die zugleich Natur und urbanes Leben vereine.
Musikalischer Rahmen und öffentliche Feiern
Der Festakt wurde vom Chor der University of Applied Sciences St. Pölten musikalisch umrahmt. Beim gemeinsamen Lied "Oh Heimat, dich zu lieben, getreu in Glück und Not" erklang es am Freitag aus dem Festsaal der Hochschule. Die Veranstaltung markierte den Auftakt zu einer Reihe öffentlicher Feierlichkeiten, die das Jubiläum über das Wochenende begleiten.
Mit dem Straßenkunstfestival "Bravissimo", einem Open-Air-Abend des Cinema Paradiso, einem Konzert sowie einer Dokumentation des ORF-Landesstudios Niederösterreich wird das Jubiläum auch öffentlich gefeiert. Damit soll das 40-jährige Bestehen nicht nur im politischen Rahmen, sondern auch bei der Bevölkerung sichtbar werden.
Als kleine Reminiszenz an den Gulasch-Vergleich steht am Tag des Festakts in der Landhausküche im Regierungsviertel "Gulasch mit Saft" auf dem Speiseplan. Damit findet das Bonmot, das Siegfried Ludwig vor vier Jahrzehnten prägte, seinen kulinarischen Widerhall.
Ausblick auf die kommenden Jahre
Die Rednerinnen und Redner zeigten sich am Ende des Festakts überzeugt, dass die Entscheidung von 1986 bis heute trägt. St. Pölten habe sich als Landeshauptstadt bewährt und sei zum "Herzen" Niederösterreichs geworden – ein Zentrum, das Eigenständigkeit, Identität und wirtschaftliche Stärke miteinander verbinde.
Mit Blick auf die kommenden Jahre verwiesen die Festredner auf die Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen. Die Landeshauptstadt solle weiter wachsen, ihre Funktion als Verwaltungs-, Bildungs- und Kulturzentrum ausbauen und den Spagat zwischen urbanem Leben und Natur bewahren.
Der Festakt in der USTP bildete den Auftakt zu einem Jubiläumsjahr, das St. Pölten als Landeshauptstadt feiert – vier Jahrzehnte nach einem Beschluss, der die politische Landkarte Niederösterreichs nachhaltig verändert hat.
Fragen & Antworten
Wie hat sich die Wirtschaft Niederösterreichs seit 1986 entwickelt?
Das Bruttoregionalprodukt stieg von 14,8 auf 73,2 Milliarden Euro, die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen von 23.800 auf 92.600 Euro und das Exportvolumen von 8,7 auf 30,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Betriebsstandorte wuchs auf 130.000, die Unternehmensgründungen liegen heute bei über 8.500 pro Jahr.
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