Wal Timmy: Obduktion auf Anholt beginnt – Ursachensuche | finanz360
Schweres Gerät soll „Timmy“ an Land ziehen: Vorbereitungen für Wal-Obduktion am Strand laufen an
Anholt, 30. Mai 2026
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Kurzfassung
Auf der dänischen Insel Anholt haben die Vorbereitungen für die Bergung und Obduktion des toten Buckelwals „Timmy“ begonnen. Experten wollen vor allem die Todesursache klären, während die Behörden vor Gesundheitsrisiken warnen.
Mehr als zwei Wochen nach seinem Tod hat am Samstagmorgen auf der dänischen Ostseeinsel Anholt die Bergung des Walkadavers begonnen, der unter dem Namen „Timmy“ wochenlang für Schlagzeilen gesorgt hatte.
Die gescheiterte Rettung
Ein Fahrzeug zog den Kadaver mit einem Seil aus dem flachen Wasser weiter an den Strand, wie Naturschutzbehörde mitteilte. Die Untersuchung des Tieres soll in den kommenden Tagen direkt vor Ort stattfinden.
Der Kadaver des Buckelwals war zuvor mehr als zwei Wochen vor der Insel Anholt getrieben. Eine frühere Aktion dänischer Behörden, den durch Verwesungsgase aufgeblähten Wal in tieferes Wasser zu schleppen, um ihn in einen Hafen zu bringen, war gescheitert.
Der Wal hatte wiederholt Flachwasserbereiche entlang der deutschen Ostseeküste aufgesucht und war erst weitergezogen, nachdem sich Menschen näherten. Schließlich wurde er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern liegend entdeckt.
Gegen die Empfehlung deutscher Experten und Institutionen duldete Umweltministerium eine private Initiative, die das Tier transportierte und in der Nordsee aussetzte. Wenige Tage nach der Freilassung wurde der Kadaver des Wals gefunden und später als „Timmy“ identifiziert.
Warnungen vor Gesundheitsgefahren
Umweltbehörde warnte Anwohner und Badende eindringlich davor, sich dem verwesenden Wal zu nähern. Es bestehe akute Explosionsgefahr durch die Verwesungsgase sowie ein hohes Risiko der Krankheitsübertragung.
Der Strand soll abgesperrt werden, sobald die Arbeiten an dem Tier beginnen. Die Behörden betonten, dass so wenige Menschen wie möglich an solchen Aktionen beteiligt sein sollten.
Der renommierte Walforscher Peter Teglberg Madsen von der Universität Aarhus, der seit 25 Jahren Wal-Obduktionen in Dänemark begleitet, äußerte scharfe Kritik an der privaten Rettungsaktion. „Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen“, sagte er.
Kritik an der privaten Initiative
Madsen bezeichnete die Aktion als „reine Tierquälerei“. Das Tier, das nie in Gefangenschaft gelebt habe, sei tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer transportiert worden. „Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden – das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein“, erklärte der Forscher.
Umweltbehörde kündigte an, die Untersuchung des Kadavers werde in zwei Phasen ablaufen: die Bergung an Land an diesem Wochenende und die Obduktion mit wissenschaftlichen Untersuchungen gegen Ende der kommenden Woche.
Am Freitagabend wurde die reguläre Personenfähre im Hafen von Anholt erwartet, die einen Bagger und einen geländegängigen Unimog für die Walbergung an Bord hatte. Bereits am Donnerstag waren zwei Männer am Strand erschienen, um den Kadaver mit Watthosen, Teleskopstangen und einem wäscheleinenähnlichen Band zu vermessen.
Die beiden Männer wurden dem „Team Hope“ zugerechnet und sollen ehemalige Mitglieder der privaten Rettungsinitiative sein. Karin Walter-Mommert, die Geldgeberin der privaten Initiative, erklärte jedoch gegenüber News5, die Männer hätten nicht im Auftrag der Initiative gehandelt und seien privat auf Anholt gewesen.
Die Suche nach der Todesursache
Kirsten Tönnies, die Mitglied der privaten Rettungsinitiative war und maßgeblich an der Rettungsaktion beteiligt gewesen sein soll, kritisierte die späte Obduktion scharf. „Die Autopsie da oben in Dänemark: völliges Versagen – schon wieder“, schrieb sie auf Instagram.
Tönnies gab an, sie habe bereits mehrere Gewebeproben des Wals „von Poel zum Abgleich mit Dänemark“ an ein Labor geschickt. „In vier Wochen wissen wir definitiv: Ist es dasselbe Tier“, sagte sie. Die Umweltministerien in Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern hatten jedoch bereits vor Wochen bestätigt, dass es sich bei dem gestrandeten Wal und dem Kadaver um dasselbe Tier handelt.
Bei der Obduktion werden Tierärzte, Behördenvertreter und Experten gezielt nach Überresten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tieres suchen. Peter Teglberg Madsen betonte, dass bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt hätten.
Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen, so Madsen. Das Hauptziel der Untersuchung sei es, die Todesursache zu klären, „denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht“.
Reaktionen auf der Insel
Madsen plädierte dafür, den Fokus zu ändern. „Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen“, sagte er. „Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten.“
Auf der nur rund 130 Einwohner zählenden Insel Anholt sorgt der Kadaver unterdessen für gemischte Gefühle. Der Walkadaver liegt ausgerechnet am beliebtesten und zugänglichsten Strand der Insel.
Der Anwohner Matthias Vanman äußerte sich besorgt: „Wenn er liegenbleibt und noch stärker stinkt, wird das zum Problem für unsere Sommergäste und den Campingplatz.“ Hanne Skov, die seit über 30 Jahren ihre Sommer auf dem Campingplatz nahe dem Strand verbringt, ergänzte: „Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt.“
Eine dänische Anwohnerin namens Susanna zeigte sich verwundert über das große Interesse aus Deutschland. „Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen“, sagte sie der dpa.
Wegen der langen Liegezeit in der Sonne wird der Kadaver bei der Obduktion stark stinken, warnte Madsen. „Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken“, sagte er. Zudem bestehe Ansteckungsgefahr, weshalb an solchen Aktionen möglichst wenige Menschen beteiligt sein sollten.
Fragen & Antworten
Warum wird der tote Wal „Timmy“ jetzt auf Anholt obduziert?
Die dänischen Behörden wollen die Todesursache des Tieres klären, das nach einer umstrittenen privaten Rettungsaktion verendet war. Die Obduktion findet direkt auf der Insel statt, weil frühere Versuche, den Kadaver in einen Hafen zu schleppen, gescheitert sind.
Welche Rolle spielte Rettungsinitiative um Karin Walter-Mommert?
Die Initiative transportierte den geschwächten Wal gegen den Rat von Experten in einer Metallkiste über die Ostsee und setzte ihn in der Nordsee aus. Wenige Tage später wurde das Tier tot aufgefunden, was von Forschern als Tierquälerei kritisiert wurde.
Welche Gefahren gehen von dem Walkadaver für die Menschen auf Anholt aus?
Umweltbehörde warnt vor akuter Explosionsgefahr durch Verwesungsgase und einem hohen Risiko der Krankheitsübertragung. Der Strand wird während der Bergungsarbeiten abgesperrt, und Anwohner sowie Touristen sollen den Kadaver nicht aufsuchen.