Schweiz nach 72 Jahren wieder im WM-Viertelfinale – Elfmeterkrimi gegen Kolumbien
Vancouver, 08. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Schweiz steht erstmals seit 1954 wieder in einem WM-Viertelfinale. Im Achtelfinale von Vancouver setzte sich die Nati gegen Kolumbien nach torlosen 120 Minuten mit 4:3 im Elfmeterschießen durch. Nun wartet Argentinien um Lionel Messi.
Die Schweizer Fußballnationalmannschaft hat beim WM-Achtelfinale in Vancouver Kolumbien nach torlosen 120 Minuten mit 4:3 im Elfmeterschießen besiegt und steht damit erstmals seit 1954 in einem Viertelfinale einer Weltmeisterschaft.
Ein historischer Abend in Vancouver
Es war ein Moment, auf den die Schweiz 72 Jahre gewartet hatte. Im ausverkauften Stadion von Vancouver, das nach Angaben der Organisatoren 52.497 Zuschauerinnen und Zuschauer fasste, entschied erst das Elfmeterschießen die hart umkämpfte Achtelfinalpartie gegen Kolumbien. Nach 120 Minuten ohne Tor stand es 0:0, ehe Ruben Vargas den entscheidenden Penalty zum 4:3-Sieg der Nati verwandelte. Schiedsrichter der Partie war Barton aus El Salvador.
Der bisherige Rekord-Viertelfinal-Einzug der Schweiz datierte aus dem Jahr 1954, als die Mannschaft im sogenannten «Hitzeschlacht von Lausanne» gegen Österreich antrat. Seither scheiterte das Schweizer Team bei großen Turnieren wiederholt im Elfmeterschießen, unter anderem bei den Europameisterschaften 2016, 2021 und 2024. Auch bei der WM 2006 in Deutschland war die Schweiz das einzige Team, das in einem Shootout scheiterte, ohne einen einzigen Penalty verwandelt zu haben. Mit dem Erfolg in Vancouver durchbrach die Auswahl von Trainer Murat Yakin diese Serie und erreichte zugleich das vierte WM-Viertelfinale ihrer Geschichte.
Gebrochener Bann: 72 Jahre Warten
Über weite Strecken des Spiels taten sich beide Mannschaften schwer, klare Torchancen herauszuspielen. International hatte das Duell am Dienstagabend in zahlreichen Reaktionen das Prädikat «lang(weilig)» erhalten. Die kolumbianische Mannschaft war mit vier Siegen in vier Spielen in die K.o.-Runde gegangen und hatte dabei nur ein einziges Gegentor kassiert. Doch gegen die defensiv kompakt stehende Schweiz fanden die Südamerikaner über die gesamte Spielzeit kein Mittel, das Runde ins Eckige zu bringen.
Trainer Nestor Lorenzo räumte nach der Partie entsprechend Fehler seiner Mannschaft ein. «Man bezahlt für seine Fehler», sagte der kolumbianische Coach und fügte hinzu: «Wir hätten ein Tor schießen sollen.» Zwei seiner Spieler vergaben im Shootout: Cucho Hernandez scheiterte an Schweizer Torhüter Gregor Kobel, Davinson Sanchez traf nur den Querbalken. Die kolumbianische Auswahl verpasste damit den ersehnten Viertelfinal-Klassiker gegen den Titelverteidiger aus Argentinien.
Kobel wird zum Elfmeterhelden
Auf Schweizer Seite wurde vor allem Kobel zum Helden des Abends. Der Schlussmann, der die Nachfolge von Yann Sommer angetreten hatte – Sommer hatte in seiner langen Karriere nie ein WM-Viertelfinale erreicht –, parierte im Shootout mehrere Schüsse und hatte darüber hinaus in der regulären Spielzeit «zwei, drei Big Saves», wie Yakin lobte. «Das haben wir gewusst, dass er beim Elfmeter ein sehr, sehr guter Torhüter ist», sagte der Nationaltrainer. «Etwas Schöneres kann man als Trainer nicht haben. Wir stehen hier in einem historischen Moment.»
Allerdings geriet der Triumph nicht ohne Wermutstropfen. Innenverteidiger Manuel Akanji, der die Schweiz auf dem Platz als einer der Erfahrenen führte, setzte seinen Elfmeter weit über das Tor. «Das war mein letzter Elfmeter», kündigte der Abwehrspieler an. Sein Elfmeter sei «katastrophal» gewesen, er habe «im letzten Moment die Entscheidung gewechselt», erklärte Akanji selbstkritisch.
Akanji vergibt – und kündigt an
Ein weiteres personelles Problem stellte die Verletzung von Johan Manzambi dar. Der Toptorschütze, der das Trikot mit der Nummer 9 trägt, konnte wegen einer Knieverletzung im Achtelfinale nicht mitwirken. In den Kommentarspalten unter SRF-Beiträgen forderte Nutzerin «tk.1886» deshalb augenzwinkernd: «Danke Gregi aber jetzt bitte einen Wunderheiler einfliegen lassen, wir haben es vor dem Turnier selbst nicht gewusst, aber wir sind offensiv so extrem abhängig vom Manzambi.»
Kapitän Granit Xhaka, der schon 2014 im Schweizer Kader gestanden und damals die knappe 0:1-Niederlage gegen Argentinien im Achtelfinale mit Messis Vorarbeit zum Siegtor miterlebt hatte, stand auch diesmal in der Startelf und sah die Gelbe Karte. Neben ihm wurden die Schweizer Zakaria und Muheim verwarnt, auf kolumbianischer Seite Suarez und Davinson Sanchez.
Viertelfinale gegen Argentinien und Messi
Das bevorstehende Viertelfinale am Sonntag führt die Schweiz nun ausgerechnet gegen Argentinien, den amtierenden Weltmeister und den Angstgegner von 2014. Damals hatte Lionel Messi das entscheidende Tor vorbereitet und die Schweiz aus dem Turnier befördert. Nutzer «lucschaffner» formulierte die Stimmung in den sozialen Medien mit dem Satz: «Messi wir kommen.» Die Schweizer Fahnder nach dem historischen Erfolg blicken damit auf die größtmögliche Herausforderung im Wettbewerb.
Auf den Online-Kanälen des SRF brach nach dem Schlusspfiff eine Welle der Begeisterung aus. Die Schweizer Rock-Pop-Band Hecht feierte den Sieg mit Herz- und Feuer-Emojis. Nutzerin «miriam.schmid79» schrieb: «Soooooooooooo STOLZ auf unsere Nati!!!!» Nutzer «peter.bolliger» brachte das Erlebte auf ein Wort: «Traum». Andere Kommentare fielen nüchterner aus: Nutzer «dedaene» schrieb: «ENDLICH! Wir haben das verdient, danke Jungs.» Nutzer «deka069» bedankte sich ausführlich: «Ein riesiges DANKE an Murat Yakin, der die Mannschaft perfekt eingestellt hat, und an jeden einzelnen Spieler auf dem Platz, der heute sein Herz gelassen hat.» Nutzerin «rueggclsudia87» verriet: «Gut bin ich eingeschlafen, das wäre nichts für meine Nerven.»
Ekstase im Netz: Reaktionen bei SRF
Mit dem Weiterkommen verhinderte die Schweiz zugleich ein rein südamerikanisches Viertelfinale zwischen Argentinien und Kolumbien. Stattdessen kommt es am Sonntag zum Duell mit dem Titelverteidiger, das in der Schweiz als sportliche, aber auch historisch besondere Begegnung eingeordnet wird. Internationale Beobachter bezeichneten den Einzug der Nati in die Runde der letzten Acht als eine Überraschung.
Das Elfmeterschießen gilt seit langem als Schweizer Achillesferse. Schon bei der EM 2020 hatte die Schweiz den späteren Weltmeister Frankreich im Shootout bezwungen, ehe sie selbst in einer späteren Runde wiederum an einem Elfmeterdrama scheiterte. Auch bei dieser WM schien das Schicksal zunächst seinen Lauf zu nehmen, als Akanji seinen Versuch vergab. Dass die Partie dennoch zugunsten der Schweiz endete, wertete Trainer Yakin als Beleg für die mannschaftliche Geschlossenheit und die starke Vorbereitung durch sein Trainerteam.
Sportlich richtet sich der Blick nun schnell nach vorne. Mit Argentinien wartet am Sonntag ein Gegner von anderem Kaliber. Die «Albiceleste» reist als Titelverteidiger und mit einem formsicheren Lionel Messi an. Die Schweiz wird voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag die Reise zum Spielort antreten, die taktische Vorbereitung läuft unter Hochdruck. Yakin hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel betont, dass der historische Moment «etwas Schöneres» sei, «das man als Trainer haben kann», gleichzeitig aber den Fokus auf die kommende Aufgabe gerichtet.
Für Kobel, Xhaka und Co. ist die Partie gegen Argentinien die erste Gelegenheit, sich auf allerhöchstem WM-Niveau mit dem amtierenden Champion zu messen – und für die Schweiz die Chance, den Lauf von Vancouver in den größtmöglichen Rahmen zu übertragen. Nach 72 Jahren Wartezeit endet die Viertelfinal-Durststrecke am Sonntag entweder mit einer weiteren Sensation – oder mit dem Ende des Schweizer WM-Sommermärchens.
Fragen & Antworten
Warum ist der Einzug ins Viertelfinale für die Schweiz so besonders?
Die Schweiz stand zuletzt vor 72 Jahren in einem WM-Viertelfinale, als sie 1954 in der sogenannten «Hitzeschlacht von Lausanne» gegen Österreich antrat. In Vancouver durchbrach die Nati diese Durststrecke mit einem 4:3 im Elfmeterschießen gegen Kolumbien.
Wer hat den entscheidenden Elfmeter für die Schweiz verwandelt?
Ruben Vargas erzielte den letzten und damit entscheidenden Penalty zum 4:3-Endstand im Shootout. Zudem parierte Torhüter Gregor Kobel unter anderem den Schuss des eingewechselten Cucho Hernandez.
Gegen wen spielt die Schweiz im Viertelfinale und wann?
Die Schweiz trifft am Sonntag im Viertelfinale auf den amtierenden Weltmeister Argentinien um Superstar Lionel Messi. Die Partie ist das erste Duell mit dem Titelverteidiger seit dem 0:1 im Achtelfinale 2014.
Schweiz im WM-Viertelfinale 2026: 4:3 gegen Kolumbien | finanz360