Prinz Harry unterliegt mit Klage gegen Verlag der Daily Mail
London, 07 Juli 2026
File:Prince Harry arrives at the UK-Africa Investment Summit in London 20 January 2020 (49413820711).jpg: DFID - UK Department for International Development
derivative work: Minerva97 / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Prinz Harry und sechs weitere prominente Kläger sind mit ihrer Schadenersatzklage gegen den Verlag Associated Newspapers Limited gescheitert. Der Londoner High Court entschied, dass die Vorwürfe der illegalen Informationsbeschaffung nicht ausreichend bewiesen werden konnten.
London, 07 Juli 2026
Prinz Harry, sechs weitere Prominente und der britische Popstar Elton John sind am Dienstag mit einer Schadenersatzklage gegen den Verlag Associated Newspapers Limited, Herausgeber der Boulevardzeitung Daily Mail, vor dem Londoner High Court gescheitert.
In einem 436 Seiten umfassenden schriftlichen Urteil erklärte der Richter, die Kläger hätten die Vorwürfe der unrechtmäßigen Informationsbeschaffung nicht ausreichend beweisen können. Damit wies das Gericht die Klage in vollem Umfang ab. Associated Newspapers sprach nach der Entscheidung von einem "überwältigenden Sieg für die 'Daily Mail' und ihre Journalisten sowie für die Pressefreiheit im Allgemeinen".
Neben dem 41-jährigen Prinzen Harry hatten unter anderem der britische Popstar Elton John, sein Ehemann David Furnish sowie die Aktivistin Doreen Lawrence gegen den Verlag geklagt. Sie warfen dem Haus Associated Newspapers Limited vor, über Jahre hinweg Telefonate abgehört, Sprachnachrichten abgefangen und intime Dokumente wie Krankenakten über private Ermittler beschafft zu haben, um Schlagzeilen zu produzieren. Elton John, der im Februar als Zeuge aussag, hatte die Praktiken des Verlags als "abscheulich und jenseits jeglicher Standards menschlichen Anstandes" bezeichnet.
Associated Newspapers Limited hatte die Vorwürfe von Beginn an entschieden zurückgewiesen. Nach Ansicht des Gerichts reichten die vorgelegten Beweise jedoch nicht aus, um die Behauptungen über illegale Recherche zu erhärten. Die Kläger hatten unter anderem behauptet, Reporter der Daily Mail hätten systematisch Telefone angezapft, Voicemails mitgeschnitten und private Unterlagen eingesehen.
Das Urteil fiel am Dienstag pünktlich zu Harrys aktuellem Aufenthalt in Großbritannien. Der Prinz war am Montag für einen mehrtägigen Besuch in London eingetroffen, während dessen er an Wohltätigkeitsveranstaltungen teilnahm und an der Vorbereitung der Invictus Games 2027 in Birmingham arbeitete. Der elfwöchige Prozess am Londoner High Court hatte im Januar begonnen und war Ende März zu Ende gegangen.
Harry persönlich war im Jänner 2026 nach London gereist, um vor Gericht auszusagen. Am Ende seiner Aussage wurde er den Berichten zufolge emotional. Auch seine schriftliche Zeugenaussage wurde Teil des Verfahrens. Darin hatte er betont, dass die boshafte und teils rassistische Berichterstattung über seine Ehefrau Meghan der Auslöser für das juristische Vorgehen gewesen sei. Vor Gericht sagte er aus, die Boulevardpresse habe "das Leben meiner Frau vollkommen zur Hölle gemacht, Euer Ehren".
Nach dem Urteil trat Harry gemeinsam mit der Mitklägerin Doreen Lawrence vor die Öffentlichkeit und sprach von einer "offensichtlichen Vertuschung". Zugleich erklärten er und die Mitkläger, sie hätten Gerechtigkeit gesucht, diese aber nicht erhalten. Harry äußerte sich zudem verärgert über ein offenbar ausgelaufenes Angebot des Palastes, während seines aktuellen Aufenthalts in Großbritannien im Buckingham Palace wohnen zu dürfen. Der Palast erklärte, das Angebot sei abgelaufen.
Es ist nicht das erste Verfahren dieser Art für Harry. Bereits zuvor hatte der Prinz, der 2020 aus dem inneren Kreis der Royals ausschied und mit seiner Frau Herzogin Meghan und den beiden gemeinsamen Kindern in den USA lebt, in Großbritannien gegen Boulevardmedien prozessiert. In einem früheren Verfahren gegen Associated Newspapers Limited hatte er noch einen Teilerfolg errungen.
Hintergrund zum Verfahren
Seit dem Rückzug von den royalen Pflichten im Jahr 2020 haben Harry, Meghan und ihre Kinder in Großbritannien keinen Anspruch mehr auf automatischen Polizeischutz. Das zugrunde liegende Verfahren drehte sich auch um die Frage, in welchem Umfang Harry und seine Familie Anspruch auf polizeilichen Schutz im Vereinigten Königreich haben, wenn sie sich dort aufhalten. Der Vergleich zum aktuellen Hausarrangement und zur Sicherheitslage wurde in dem 436-seitigen Urteil ebenfalls thematisiert.
Hintergrund zum Verfahren
Die Klage richtete sich gegen einen der reichweitenstärksten Boulevardverlage Großbritanniens. Associated Newspapers Limited publiziert neben der Daily Mail auch die Sonntagsausgabe The Mail on Sunday. Im Zentrum der Vorwürfe stand die Behauptung, Reporter hätten über Jahre hinweg illegale Recherchepraktiken eingesetzt, um an private Informationen von Prominenten zu gelangen. Diese Informationen seien anschließend in Schlagzeilen verwertet worden.
Reaktionen auf das Urteil
Der Richter verwies in seinem schriftlichen Urteil darauf, dass die Kläger ihre Behauptungen nicht mit ausreichender Substanz hätten belegen können. Auch die Aussagen der prominenten Zeugen, darunter Elton Johns emotionaler Auftritt im Februar, änderten an dieser Einschätzung des Gerichts nichts. Elton John hatte im Zeugenstand laut der Verfahrensdokumentation ausgesagt, der Verlag habe "abscheulich und jenseits jeglicher Standards menschlichen Anstandes" gehandelt.
Reaktionen auf das Urteil
Nach Bekanntwerden der Entscheidung erschien Prinz Harry am Rande eines Termins am Chatham House in London, äußerte sich zunächst aber nicht direkt zum Urteil. Wenig später trat er dann doch vor die Presse und sprach – gemeinsam mit Doreen Lawrence – von einer "offensichtlichen Vertuschung", die sie nicht überrascht habe. Er habe sich entschieden, trotzdem aufzustehen und Stellung zu beziehen: "Indem ich hier aufstehe und Stellung gegen sie beziehe, hat man mich weiter verfolgt", sagte er. Zugleich betonte er, dass die Medienaufmerksamkeit für ihn eine enorme Belastung darstelle und erklärte: "Es ist fundamental falsch, uns alle das noch einmal durchmachen zu lassen. Es ist eine schreckliche Erfahrung."
Der Verlag Associated Newspapers Limited zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. In einer Stellungnahme sprach das Unternehmen von einem "überwältigenden Sieg" für die "Daily Mail", ihre Journalisten und die Pressefreiheit. Beobachter werteten das Urteil als deutliches Signal, dass hochrangige Kläger den Kampf gegen britische Boulevardverlage nicht automatisch gewinnen, selbst wenn prominente Namen in den Akten stehen.
Fragen & Antworten
Wer hat alles gegen Associated Newspapers Limited geklagt?
Neben Prinz Harry klagten unter anderem der Popstar Elton John, sein Ehemann David Furnish und die Aktivistin Doreen Lawrence gegen den Verlag, der die Daily Mail und The Mail on Sunday herausgibt.
Welche Vorwürfe wurden vor Gericht verhandelt?
Die Kläger warfen dem Verlag vor, über Jahre hinweg Telefonate abgehört, Sprachnachrichten abgefangen und private Dokumente wie Krankenakten über private Ermittler beschafft zu haben.
Wie begründete das Gericht die Abweisung der Klage?
Der Richter erklärte in einem 436-seitigen Urteil, die Kläger hätten die Vorwürfe der unrechtmäßigen Informationsbeschaffung nicht ausreichend beweisen können, weshalb die Klage abgewiesen wurde.
Prinz Harry verliert Klage gegen Daily-Mail-Verlag | finanz360