Potsdam räumt Innenstadt für Bombenentschärfung: 6.500 Menschen müssen Häuser verlassen
Potsdam, 14 Juni 2026
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Kurzfassung
Wegen der Entschärfung einer 250-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Potsdamer Hauptbahnhof mussten rund 6.500 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Der Hauptbahnhof und mehrere Verkehrslinien wurden gesperrt, Sprengmeister Mike Schwitzke rechnet mit 30 Minuten bis einer Stunde für den Eingriff.
Potsdam, 14 Juni 2026
Wegen der Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Potsdamer Hauptbahnhof haben am Dienstag rund 6.500 Menschen ihre Wohnungen bis 8.30 Uhr verlassen müssen; der Bahnhof, mehrere Tram- und S-Bahn-Linien sowie Teile der Innenstadt wurden gesperrt.
Im Januar 2019 wurde eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Damals waren rund 5.900 Menschen betroffen. Nun steht die Entschärfung an, die den Potsdamer Verkehrsknotenpunkt erneut in eine Großevakuierung zwingt. Betroffen sind diesmal nach Angaben der Stadt etwa 6.500 Menschen, die ihre Wohnungen und Arbeitsstätten bis spätestens 8.30 Uhr verlassen mussten.
Um den Fundort wird ein Sperrkreis von rund 700 Metern Radius um die Bombe eingerichtet. "Nach Begutachtung des Fundes sowie des Fundortes durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wurde gemeinsam mit der Einsatzleitung der konkrete Tag der Entschärfung festgelegt", erklärte ein Stadtsprecher.
Sperrkreis mit 700 Metern Radius
Sprengmeister Mike Schwitzke schilderte das Vorgehen: "Geplant sei, die Zündkette zu unterbrechen, sagte Sprengmeister Schwitzke. Das Ziel sei es, den Zünder mit der Hand herauszudrehen und die Bombe dann abzutransportieren." Er rechne damit, dass die Entschärfung 30 Minuten bis eine Stunde dauern werde. Für ihn sei ein solcher Eingriff "Tagesgeschäft", wie er sagte, etwas, das er bereits zigmal durchgeführt habe.
Der Hauptbahnhof – Verkehrsknotenpunkt für Tausende Pendler – bleibt zeitweise geschlossen. Die letzte S-Bahn aus Berlin kommt um 8.12 Uhr am Hauptbahnhof Potsdam an, der letzte RE 1 hält dort um 8.05 Uhr. Auch die Tram-Linien 91, 92, 93 und 96 fahren nicht. "Sobald der Sperrkreis wieder aufgehoben wird, laufen auch die Verkehre wieder an", kündigte ein Sprecher der Deutschen Bahn an.
Verkehr wird weiträumig umgeleitet
Die S-Bahnen Richtung Berlin starten und enden ab 8.30 Uhr am S-Bahnhof Babelsberg. Autofahrer aus Richtung Süden werden über Saarmund und Bergholz-Rehbrücke nach Potsdam geleitet. Busse starten und enden am Platz der Einheit, am Rathaus Babelsberg und Zentrum Ost – auch sie dürfen nicht in den Sperrkreis fahren. "Wir empfehlen eine weiträumige Umfahrung des gesamten Gebietes sowie mehr Zeit einzuplanen", hieß es von der Stadtverwaltung.
Die Unterbrechung der Strecke zum Hauptbahnhof werde bis etwa 16.00 Uhr andauern. Nach Angaben der Betreiber der Bahnhofspassagen sind ab 8.30 Uhr die Geschäfte am Hauptbahnhof geschlossen. "Nach Ende der Sperrung werde der Betrieb zeitnah anlaufen", sagte ein Mitarbeiter des Centermanagements. Manche Bäckereien haben bereits vor der Evakuierung geöffnet und schließen dann.
Landtag, Ministerien und Bahnhofspassagen betroffen
Auch der Landtag, die Staatskanzlei und mehrere Ministerien sind betroffen. Die Verwaltung des Landtags geht von rund 250 bis 300 Personen aus, die an einem Dienstag vor den Plenarsitzungen ab Mittwoch üblicherweise im Landtag sind. Während der Entschärfung wird der Zugverkehr eingestellt.
Im Sperrkreis liegen zudem das beliebte Museum Barberini, das Sport- und Freizeitbad Blu, die Investitions- und Landesbank, Hotels, Pflegeheime, eine Schule und eine Kita. Das Museum Barberini hat am Dienstag "glücklicherweise Schließtag", wie es hieß; das Kunsthaus "Das Minsk" bleibt ebenfalls dienstags geschlossen.
Pflegeheime, Kitas und Schulen im Sperrkreis
Die betroffenen Pflegeheime wollen ihre Bewohner auf andere Potsdamer Häuser verteilen. Manche der teils schwerstpflegebedürftigen Menschen werden auch im Krankenhaus betreut. "Wir brauchen keine extra Versorgungsstationen", sagte der Sprecher eines Pflegeheims.
Die Kita Havelblick will ihre Kinder für die Zeit der Evakuierung in anderen Kitas unterbringen. Auch Schulen und Pflegeeinrichtungen im Sperrkreis haben Konzepte für die Evakuierung entwickelt.
Sporthalle als Anlaufstelle für Betroffene
Wer betroffen ist, kann ab 8.00 Uhr eine Sporthalle nutzen. Damit steht Betroffenen, die in der Zeit der Sperrung nicht privat unterkommen, eine zentrale Anlaufstelle zur Verfügung.
Die Stadt Potsdam hat gemeinsam mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg und der Polizei den Ablauf der Entschärfung vorbereitet. Über Lautsprecherdurchsagen und eine spezielle Informationsseite wurden Anwohner im Vorfeld auf den Termin hingewiesen.
Nach der Entschärfung: schrittweise Aufhebung des Sperrkreises
Nach der Entschärfung soll der Sperrkreis schrittweise aufgehoben werden, sobald Sprengmeister Schwitzke und sein Team die Bombe gesichert und für den Abtransport freigegeben haben. Im Anschluss werde der Betrieb im Hauptbahnhof "zeitnah" wieder anlaufen, so die Betreiber.
Die Stadtverwaltung rief Pendler und Reisende zugleich dazu auf, den gesamten Innenstadtbereich weiträumig zu umfahren und mehr Zeit einzuplanen. Die Sperrung gilt voraussichtlich bis etwa 16.00 Uhr.
Fragen & Antworten
Warum mussten in Potsdam 6.500 Menschen ihre Wohnungen verlassen?
Wegen der Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Sperrkreis mit rund 700 Metern Radius eingerichtet; alle Anwohnerinnen und Anwohner mussten ihre Wohnungen bis 8.30 Uhr verlassen.
Wie lange dauert die Bombenentschärfung am Potsdamer Hauptbahnhof?
Sprengmeister Mike Schwitzke rechnet mit 30 Minuten bis einer Stunde für das Herausdrehen des Zünders; die Sperrung der Strecke zum Hauptbahnhof soll insgesamt bis etwa 16.00 Uhr andauern.
Welche Einrichtungen liegen im Sperrkreis rund um den Hauptbahnhof?
Im Sperrkreis liegen unter anderem der Landtag, die Staatskanzlei, mehrere Ministerien, das Museum Barberini, das Kunsthaus "Das Minsk", die Bahnhofspassagen, Hotels, Pflegeheime, eine Schule und die Kita Havelblick.
Bombenentschärfung Potsdam: 6500 Menschen evakuiert | finanz360