Paketbombe in Monaco: Interpol fahndet nach 39-jähriger Ukrainerin mit Wohnsitz in Hessen
Frankfurt am Main, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach einer Paketbombe in Monaco, bei der drei Menschen schwer verletzt wurden, fahndet Interpol international nach einer 39-jährigen Ukrainerin mit Wohnsitz im hessischen Main-Taunus-Kreis. Deutsche Ermittler durchsuchten im Auftrag Monacos eine Wohnung der Verdächtigen sowie ein von ihr genutztes Fahrzeug.
Nach einer Paketbombe in Monaco fahndet Interpol international nach einer 39-jährigen Ukrainerin, die im hessischen Main-Taunus-Kreis wohnt; bei dem Anschlag am Montagabend wurden der ukrainischstämmige Multimillionär Wadym Jermolajew, seine Partnerin und der gemeinsame 13-jährige Sohn schwer verletzt.
Was am Montagabend in Monaco geschah
Am Montagabend gegen 21 Uhr detonierte in Monaco an der Kreuzung von Boulevard d'Italie und Rue du Révérend Père Louis Frolla eine Paketbombe vor einem Wohnhaus. Der Sprengsatz war nach Angaben der Ermittler aus der Ferne ausgelöst worden, „als die drei Bewohner das Haus betraten“. Alle drei erlitten schwere Verletzungen und wurden zur Behandlung in Krankenhäuser im französischen Nizza gebracht. Monaco hatte die Identität der Verletzten zunächst nicht offiziell bestätigt; übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelt es sich jedoch um den 58-jährigen Immobilienunternehmer Wadym Jermolajew, seine Partnerin und den 13-jährigen Sohn des Paares.
Die monegassische Staatsanwaltschaft identifizierte in der Folge eine Verdächtige und teilte am Donnerstag mit, dass ein Haftbefehl gegen sie vorliege. „Die gesuchte Frau befindet sich aktuell auf der Flucht“, hieß es aus Monaco. Interpol schrieb die Frau international zur Fahndung aus und veröffentlichte ein Foto, das eine Frau mit schulterlangem braunem Haar in einem schwarz-weiß gestreiften T-Shirt zeigt. Der internationalen Ausschreibung zufolge spreche die Gesuchte Deutsch, und am rechten Oberarm befinde sich eine Tätowierung, bei der die Behörden von einer Schlange ausgehen.
Haftbefehl und internationale Fahndung
Die Verdächtige wird per Haftbefehl unter anderem wegen versuchten Mordes, des Platzierens eines Sprengkörpers mit krimineller Absicht sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung gesucht. „Die Frau habe die Tat vermutlich nicht alleine geplant“, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt von Monaco, Morgan Raymond, auf einer Pressekonferenz. Die Bauweise des Sprengkörpers sei „ziemlich komplex“ gewesen; man gehe daher davon aus, dass weitere Personen daran beteiligt gewesen seien. Die Ermittler suchten nach möglichen Komplizen und Hintermännern.
Französischen Medienberichten zufolge richtet sich der Verdacht gegen eine Frau, die sich als Mann ausgegeben haben könnte. Überwachungsbilder hatten zuvor eine Person mit einem schwarzen Hut am Tatort gezeigt, die zunächst für einen Mann gehalten worden war. „Anders als zunächst gedacht, handle es sich bei der verdächtigen Person um eine Frau und nicht um einen Mann“, so Raymond. Beim Ablegen des Pakets sei die Verdächtige „als Mann verkleidet gewesen“, hieß es weiter. Den Ermittlungen zufolge habe die Ukrainerin den Tatort vorher mehrfach aufgesucht.
Spurensuche in Hessen
Nach der Explosion floh die Frau demnach mit einem Mietwagen mit deutschen Kennzeichen über Frankreich und Italien nach Deutschland. Hinweise auf den Verbleib der Gesuchten führten die monegassischen Ermittler in das hessische Main-Taunus-Kreis-Gebiet. Am Donnerstag wurde dort „eine von der Ukrainerin angemieteten Wohnung im hessischen Main-Taunus-Kreis durchsucht“, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, das Hessische Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden und die Generalstaatsanwaltschaft am Freitag gemeinsam mitteilten. „Die Aktion sei im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens durch deutsche Beamte erfolgt, darunter Spezialeinsatzkräfte“.
Bei der Durchsuchung wurde zudem „ein von ihr genutztes Fahrzeug durchsucht und sichergestellt“. Die sichergestellten Spuren wurden den monegassischen Behörden übergeben. „Die hessischen Sicherheitsbehörden unterstützen die monegassischen Behörden bei den Ermittlungen und stehen hierzu in engem Austausch“, erklärte das LKA Hessen. Zwei am Mittwoch und Donnerstag vorläufig festgenommene Männer wurden wieder freigelassen, „da sich ein Tatverdacht nicht erhärtet habe“.
Bei dem schwer verletzten Geschäftsmann handelt es sich Medienberichten zufolge um Wadym Jermolajew, einen 58-jährigen Multimillionär ukrainischer Herkunft. „Jermolajew hatte sich in der ostukrainischen Stadt Dnipro als skrupelloser Immobilienunternehmer einen Namen gemacht“, schreiben die Agenturen. Er gehört demnach seit Jahren zu den 100 reichsten Menschen der Ukraine. In der Ukraine gilt er als Teil des sogenannten „Monaco-Bataillons“, einer Gruppe von Geschäftsleuten und früheren Oligarchen, die sich nach Beginn des russischen Angriffskriegs an der Mittelmeerküste niederließen.
Hintergrund: Wer ist Wadym Jermolajew?
Jermolajew hatte laut Berichten schon vor Jahren die ukrainische Staatsbürgerschaft aufgegeben und ist inzwischen zyprischer Staatsbürger. „Berichten zufolge hat er inzwischen die Staatsbürgerschaft des EU-Landes Zypern“ angenommen, heißt es; eine andere Quelle datiert den Erwerb auf das Jahr 2019. „Seit 2023 unterliegt Jermolajew in der Ukraine Sanktionen wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten auf der von Russland annektierten Krim.“ Ukrainische Medien führen die Sanktionen auf eben diese Geschäftstätigkeit auf der Halbinsel zurück.
Fürst Albert II. von Monaco verurteilte den Anschlag als „abscheuliche Tat“. Die genauen Hintergründe der Tat sind noch unklar. Offen ist unter anderem, ob wirtschaftliche, persönliche oder politische Motive eine Rolle spielten; auch mögliche Verbindungen in die Ukraine oder nach Russland werden geprüft. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das LKA Hessen wollten sich zum Identitätsnachweis der Verletzten und zum Stand der Fahndung über die bereits veröffentlichten Angaben hinaus zunächst nicht äußern.
Die Fahndung läuft international. Interpol hat die 39-jährige Anastasija B. mit einem Haftbefehl wegen versuchten Mordes ausgeschrieben. Die Frau soll Medienberichten zufolge in Deutschland leben und wird per Steckbrief gesucht. Sollte sie in Hessen oder einem anderen deutschen Bundesland festgenommen werden, würde sie auf Grundlage des internationalen Haftbefehls an Monaco überstellt werden können.
In Monaco selbst hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen versuchten Mordes und weiterer Delikte eingeleitet. Der Fall gilt als einer der schwersten Anschläge in dem Fürstentum seit Jahren. Die Behörden Monacos, Hessens und Interpol arbeiten nach eigenen Angaben eng zusammen, um die flüchtige Verdächtige zu finden und mögliche Mittäter zu identifizieren.
Ermittlungen und Ausblick
Die Fahndung richtet sich nach Angaben von Interpol ausdrücklich auf die abgebildete Frau mit schulterlangem braunem Haar und schwarz-weiß gestreiftem T-Shirt. Die Tätowierung am rechten Oberarm – vermutlich eine Schlange – sowie die Deutschkenntnisse der Gesuchten sind weitere Identifizierungsmerkmale. Die Ermittler bitten um Hinweise aus der Bevölkerung; mögliche Aufenthaltsorte seien sowohl in Hessen als auch in anderen europäischen Ländern denkbar.
Die Suche nach möglichen Komplizen und Hintermännern dauert an. Die Bauweise des Sprengkörpers und die Tatsache, dass der Sprengsatz ferngezündet wurde, sprechen nach Einschätzung der monegassischen Staatsanwaltschaft dafür, dass die Tat von mehreren Personen vorbereitet worden sein könnte. Auch die mehrfachen Aufenthalte der Verdächtigen am späteren Tatort deuten auf eine längere Planungsphase hin.
Der Anschlag hat in Monaco, aber auch in der Ukraine und in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Jermolajew galt als eine bekannte Persönlichkeit in den Exilnetzwerken ukrainischer Geschäftsleute an der Côte d'Azur. Die Familienverhältnisse – der Geschäftsmann, seine Partnerin und der gemeinsame 13-jährige Sohn – haben die humanitäre Dimension der Tat in den Vordergrund gerückt. Offizielle Stellen betonen, dass die Ermittlungen mit Hochdruck fortgesetzt werden.
Fragen & Antworten
Wer ist die per Interpol gesuchte Verdächtige?
Bei der gesuchten Frau handelt es sich um die 39-jährige Ukrainerin Anastasija B., die nach Angaben von Interpol zuletzt im hessischen Main-Taunus-Kreis wohnte. Sie wird unter anderem wegen versuchten Mordes und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung per internationalem Haftbefehl gesucht.
Wer wurde bei der Paketbombe in Monaco verletzt?
Bei dem Anschlag wurden Medienberichten zufolge der 58-jährige Immobilienunternehmer ukrainischer Herkunft Wadym Jermolajew, seine Partnerin und der gemeinsame 13-jährige Sohn schwer verletzt; die monegassischen Behörden haben die Identität der Opfer allerdings nicht offiziell bestätigt.
Was führte die Ermittler nach Hessen?
Die Verdächtige floh nach der Tat mit einem Mietwagen mit deutschen Kennzeichen über Frankreich und Italien nach Deutschland, weshalb die monegassischen Behörden ein Rechtshilfeersuchen an Hessen richteten und dort am Donnerstag eine Wohnung im Main-Taunus-Kreis sowie ein von der Frau genutztes Fahrzeug durchsuchen ließen.
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