Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega hat anlässlich des 47. Jahrestages der Sandinistischen Revolution angekündigt, dass es in Nicaragua keine Wahlen mehr geben werde; die für November geplante Abstimmung ist bereits auf 2027 verschoben.

Wortlaut der Rede und historischer Kontext

Ortega nutzte seine erste öffentliche Rede seit zwei Monaten, um den Schritt mit einer ideologischen Anspielung auf die USA und auf Anhänger des gestürzten Diktators Anastasio Somoza zu verbinden. Wörtlich sagte er: «Die Zeiten, in denen von den Yankees und den Somocistas unterstützte Parteien an die Macht zurückkehren, sind vorbei – nie wieder». Damit vollzog der 80-Jährige, der seit 19 Jahren regiert, eine endgültige Abkehr von demokratischen Verfahren.

Die für November angesetzte Wahl war zuvor bereits auf 2027 verschoben worden. Mit der jüngsten Erklärung geht Ortega jedoch darüber hinaus und kündigt das Ende jeglicher künftiger Urnengänge an. Oppositionelle Politiker wie Cristiana Chamorro waren bereits vor der Wahl 2021 verhaftet worden; zahlreiche weitere Oppositionelle und Wirtschaftsvertreter wurden seit 2018 inhaftiert, kritische Stimmen wurden unter Strafe gestellt. In der Folge gibt es praktisch keine organisierte Opposition mehr im Land.

Opposition im Exil, Repression im Inland

Chamorro, Tochter der früheren Präsidentin Violeta Barrios de Chamorro, der Ortega 1990 unterlag, wurde gemeinsam mit 221 weiteren politischen Gefangenen ausgebürgert. Ihr wurde Geldwäsche und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Die Staatsbürgerschaft wurde ihr entzogen. Nach den Worten von Ortega dürften «Die Parteien der Opposition […] niemals wieder die Möglichkeit erhalten, an die Macht zurückzukehren». Die Opposition operiere heute im Grunde nur noch aus dem Exil.