ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat am Donnerstag in einer E-Mail an die Mitarbeiter mitgeteilt, dass sie sich nicht für die ab 2027 zu besetzende Führungsposition des öffentlich-rechtlichen Senders bewerben wird.

Die 63-jährige Vorarlbergerin, die den ORF seit dem Abgang von Roland Weißmann im März zunächst provisorisch und seit Mitte April regulär leitet, begründete ihren Schritt mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit. „Ich werde mich nicht erneut als Generaldirektorin bewerben“, zitierte sie aus dem Schreiben.

Thurnher betonte, dass der Verzicht auf eine weitere Amtszeit ihr die nötige Freiheit verschaffe. „Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist“, schrieb sie. Diese Unabhängigkeit ermögliche es ihr, das zu tun, was für den Neustart des ORF notwendig sei: Vergangenes aufzuarbeiten, die richtigen Weichen zu stellen und Vertrauen zurückzugewinnen.

Ihr Programm fasste sie mit den Worten „Transparenz. Konsequenz. Aufarbeitung.“ zusammen. Sie kündigte an, dass bevorstehende Entscheidungen „möglicherweise weh tun“ und auf Widerstand stoßen könnten. Zugleich appellierte sie an die Politik, sich mit Zurufen zurückzuhalten: „Der ORF ist nicht der Spielball der Politik und er gehört auch nicht der Politik.“