Hamburg Olympia-Referendum 2026: Bürger stimmen gegen | finanz360
Olympia-Referendum in Hamburg gescheitert: Senat zieht Bewerbung zurück
Hamburg, 01. Juni 2026
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Kurzfassung
Die Hamburger haben in einem Referendum mit 54,9 Prozent gegen eine Olympia-Bewerbung gestimmt. Bürgermeister Peter Tschentscher zog die Kandidatur daraufhin umgehend zurück, drei andere deutsche Städte bleiben im Rennen.
Beim Olympia-Referendum in Hamburg stimmten 54,9 Prozent der Wähler gegen eine Bewerbung um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044, woraufhin der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher die Kandidatur noch am Wahlabend zurückzog.
Das endgültige Ergebnis des Bürgerentscheids vom Sonntag zeigt 357.911 Nein-Stimmen (54,9 Prozent) gegenüber 293.819 Ja-Stimmen (45,1 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5 Prozent, rund 1,3 Millionen Hamburgerinnen und Hamburger ab 16 Jahren waren stimmberechtigt. Bereits bei der ersten Auszählung gegen 19:08 Uhr zeichnete sich mit 54,8 Prozent Gegenstimmen eine klare Ablehnung ab.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Peter Tschentscher (SPD) informierte DOSB-Präsident Thomas Weikert unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses über den Rückzug. „Das Votum gegen die Bewerbung ist für den Senat verbindlich. Ich bedauere die Entscheidung, aber ich habe soeben den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes darüber informiert, dass Hamburg die Bewerbung um die Olympischen und Paralmypischen Spiele nicht aufrecht erhält“, sagte der Erste Bürgermeister.
Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) bezeichnete das Ergebnis als „bittere Enttäuschung“ und sprach von einer verpassten Chance für die Stadt. Sportsenator Andy Grote (SPD) dankte den Unterstützern der Bewerbung und kündigte an, wichtige Projekte aus dem Olympia-Konzept – insbesondere zur Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen – dennoch weiterzuverfolgen.
Auch die Hamburger Wirtschaft zeigte sich enttäuscht. Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg, erklärte, Olympische und Paralympische Spiele hätten große Chancen für die internationale Sichtbarkeit, die wirtschaftliche Entwicklung und die Infrastruktur der Stadt geboten. „Ein positives Votum wäre ein wichtiges Signal gewesen, dass wir in Hamburg ambitioniert sind und uns Großes zutrauen – weit über den Sport hinaus“, so Aust. Zugleich betonte er, Hamburgs Zukunft hänge nicht von der Durchführung Olympischer Spiele ab.
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, sagte, Hamburg habe eine Chance vertan, über sich selbst hinauszuwachsen. Hans Fabian Kruse, Präsident des Unternehmerverbands AGA, nannte das Ergebnis ein „bitteres Signal“, da Hamburg die einzige Bewerberstadt sei, in der sich die Bevölkerung gegen Olympia entschieden habe.
Stimmen der Olympia-Gegner
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) äußerte sich zurückhaltend: „Das Referendum war ein demokratischer Vorgang, und das Votum der Mehrheit ist zu akzeptieren.“ In Kiel hatte ein Partnerreferendum am 19. April mit 63,5 Prozent Zustimmung für die Ausrichtung der Segelwettbewerbe gestimmt.
Eckart Maudrich von der Initiative NOlympia, die gegen die Bewerbung mobilisiert hatte, wertete das Ergebnis als Beleg für die Skepsis der Hamburger gegenüber den Finanzierungsplänen. „Dieses Ergebnis zeigt: Die Hamburger und Hamburgerinnen lieben ihre Stadt und lassen sich nicht von einer Million Euro teuren Werbekampagne hinter die Fichte führen“, sagte Maudrich.
DOSB: Demokratischer Prozess trotz Frust
DOSB-Vorstandsvorsitzender Otto Fricke räumte Frustration ein, betonte aber den demokratischen Charakter des Verfahrens. „Für uns ist das ein bisschen frustrierend nach 19 positiven Ergebnissen (Referenden in München, NRW und Kiel; d.Red.), dass Hamburg demokratisch gesagt hat: Nein, bei uns in der Stadt wollen wir das nicht. Aber das gehört dazu. Das ist auch Teil unseres transparenten Verfahrens“, sagte Fricke. Das Nein aus Hamburg sei ein Beweis dafür, dass es der richtige Weg gewesen sei, den Bewerbern die Möglichkeit zu Referenden und anderen Beteiligungsformaten zu geben.
DOSB-Präsident Thomas Weikert erklärte, das Hamburger Ergebnis ändere nichts an der Tatsache, dass die Menschen bundesweit mehrheitlich für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland seien. Die Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) sagte: „Es gilt jetzt, im weiteren Prozess das Konzept mit den größten Erfolgschancen zu finden und international weiter zu überzeugen. Unser Land will und braucht diese Spiele.“
Die verbliebenen Kandidaten
Im nationalen Auswahlverfahren des DOSB verbleiben nun drei Kandidaten: München, Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum sowie Berlin. München hatte sein Bürgerreferendum mit 66,4 Prozent Zustimmung gewonnen – das erste erfolgreiche Referendum für Sommerspiele weltweit. Die Rhein-Ruhr-Bewerbung erzielte in den beteiligten Kommunen ähnlich hohe Zustimmungswerte und rechnet mit einem potenziellen Rekord von 14 Millionen Tickets.
Berlin verzichtete aus verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum; die Opposition hat jedoch ein Volksbegehren gegen Olympia angekündigt, falls der DOSB Berlin auswählt. Eine Evaluierungskommission wird die verbliebenen Bewerbungen in den kommenden Monaten anhand einer Matrix prüfen und eine Empfehlung aussprechen.
Die endgültige Entscheidung über den deutschen Kandidaten fällt auf einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung am 26. September in Baden-Baden. Die Frist zur Einreichung der Bewerbungsunterlagen beim DOSB endet am Donnerstagabend.
Internationale Konkurrenz und IOC-Reform
International gelten Indien und Katar als mögliche Kandidaten für die Sommerspiele 2036. In Europa haben Madrid, Budapest und Istanbul olympische Pläne, zudem prüft der Norden Großbritanniens eine Bewerbung für den Zeitraum ab 2040. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die das aktuelle Auswahlverfahren überprüft; Ergebnisse werden Ende Juni erwartet.
IOC-Mitglied Michael Mronz sagte dem Hamburger Abendblatt: „Der Wettbewerb ist hart, und wir als Deutschland müssen bereit sein, wenn Europa wieder gefragt ist.“ Die deutsche Mannschaft hatte bei den jüngsten Winterspielen in Italien ihr Medaillenziel verfehlt.
Hamburgs zweites gescheitertes Olympia-Referendum
Für Hamburg ist es bereits das zweite gescheiterte Olympia-Referendum: Bereits im November 2015 hatten die Bürger eine Bewerbung abgelehnt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Kienscherf sagte, es werde traurig sein, nach München zu schauen und zu sehen, wie großartig solche Olympischen Spiele sein würden.
Die Olympia-Befürworterin und Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig (Rio 2016) zeigte sich gefasst: Niederlagen müsse man akzeptieren. Die Ruder-Olympiasiegerin Meike Evers-Rölver, Vizepräsidentin des Landessportverbands Schleswig-Holstein, sagte, man müsse nun auf München oder Rhein-Ruhr hoffen.
Fragen & Antworten
Warum hat Hamburg gegen die Olympia-Bewerbung gestimmt?
Die genauen Beweggründe sind vielfältig, doch die NOlympia-Initiative kritisierte vor allem die Finanzierungspläne als geschönt. Mit 54,9 Prozent Nein-Stimmen sprach sich eine klare Mehrheit gegen das Projekt aus.
Welche deutschen Städte sind noch im Rennen um die Olympia-Kandidatur?
Nach dem Hamburger Rückzug verbleiben München, Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum sowie Berlin im nationalen Auswahlverfahren des DOSB.
Was passiert jetzt mit den Olympia-Plänen in Hamburg?
Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher hat die Bewerbung unmittelbar zurückgezogen. Sportsenator Andy Grote kündigte an, bestimmte Projekte zur Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen dennoch umzusetzen.