Österreichs Hotels rechnen mit verhaltener Sommersaison: Buchungen aus dem arabischen Raum brechen ein
Wien, 27. Juli 2026
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Kurzfassung
Die österreichische Hotellerie blickt mit vorsichtigem Optimismus auf den Sommer, sieht aber noch Luft nach oben: Die Nächtigungen stiegen im Mai und Juni zwar um 1,5 Prozent, zugleich brachen Buchungen aus dem arabischen Raum um 43,8 Prozent ein. Die Branche kämpft mit stark gestiegenen Kosten und immer kürzeren Vorlaufzeiten bei den Reservierungen.
Die österreichische Hotellerie blickt mit vorsichtigem Optimismus auf den Sommer, hat bei den Buchungen aber noch Luft nach oben: Während die Nächtigungen laut Statistik Austria in Mai und Juni im Vorjahresvergleich um 1,5 Prozent auf über 22 Millionen stiegen, verzeichnet die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) ein deutliches Minus bei Gästen aus dem arabischen Raum.
Im Vorfeld der Sommersaison zeichnen die Daten ein gemischtes Bild: Statistik Austria meldete für Mai und Juni ein leichtes Plus von 1,5 Prozent bei den Übernachtungen, insgesamt lagen die Nächtigungen in dem Zeitraum bei mehr als 22 Millionen. Die Tourismusbranche wertet das als das beste Vorsommerergebnis seit Beginn der elektronischen Aufzeichnung 1973/74.
Buchungsplus, aber kein Grund zum Jubeln
Martin Stanits, Sprecher der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), ordnete den nominalen Rekord allerdings ein: „Es sind sicher auch neue Betten auf den Markt gekommen.“ Entscheidend sei nicht die Zahl der Buchungen, sondern das Einnahmenniveau. „Die Sorge ist eher das Einnahmenniveau, die Kostenerhöhungen“, sagte er. „Man schaut aufs Geld.“
Besonders deutlich zeigt sich der Einbruch bei Gästen aus dem arabischen Raum. Laut Statistik Austria sanken deren Nächtigungen in österreichischen Beherbergungsbetrieben im Mai und Juni gegenüber dem Vorjahr um 43,8 Prozent auf 138.000. Stanits erklärte, dass Gäste aus den vom Krieg und den Spannungen in Nahost betroffenen Regionen besonders viel Geld im Land lassen – diese Einnahmen fehlten nun.
Der Einbruch aus dem arabischen Raum
„Wir haben über viele Jahre schon die Russen weg, die Ukrainer weg – teilweise fehlen nun auch der arabische Raum, Israel und entferntere Räume, die über die Flugdrehkreuze in Nahost müssen“, sagte Stanits. Bis zum vergangenen Wochenende meldeten die USA 13 Nächte in Folge Angriffe auf den Iran; im Gegenzug kam es zu Vergeltungsangriffen auf US-Militärstützpunkte in Jordanien und Kuwait. Diese geopolitische Lage schlage sich unmittelbar auf die Reiseentscheidungen wohlhabender Gäste aus den Golfstaaten nieder.
Gleichzeitig bemerke man bei den Gästen eine steigende Zurückhaltung bei den Ausgaben. Stanits zufolge weichen Urlauberinnen und Urlauber teilweise auf Ein- und Zwei-Stern-Hotels aus. Das stärkste Plus bei den Buchungen verzeichneten gewerbliche Ferienwohnungen – ein Hinweis auf die Preissensibilität der Reisenden.
Gäste buchen immer kurzfristiger
Auch beim Buchungsverhalten hat sich der Trend kurzfristiger Reservierungen verfestigt. Angelica Freyler, Sprecherin des Wellness- und Seminarhotels Schlosspark Mauerbach im Wienerwald, berichtete, Gäste buchten mittlerweile häufig nur etwa zehn Tage vor Anreise. „Immer kurzfristiger heißt bei uns, jetzt bucht man zehn Tage vorher“, sagte sie. Vor der COVID-19-Pandemie seien es im Schnitt noch sechs Wochen gewesen, im Vorjahr 17 Tage. „Der Charakter von ‚last minute' ist weg, weil ‚last minute' ist normal – diese Buchungsform hat sich ad absurdum geführt“, so Freyler.
Die meisten Übernachtungen in österreichischen Hotels entfallen auf Gäste aus Deutschland und Österreich. „Das Gros der Nächtigungen in den heimischen Hotels stammt von Urlauberinnen und Urlaubern aus Deutschland und Österreich“, hieß es aus der Branche. Damit bleibt die Inlandsnachfrage sowie der traditionelle Hauptmarkt Deutschland das stabile Fundament der Sommersaison.
Kosten und Preisdruck belasten die Bilanz
Stanits betonte, insgesamt seien die Hotels „gut gebucht, das heißt nicht ausgebucht, aber man ist auf einem guten Stand“. Die Frage sei, ob die Auslastung stimme, ob sie mit dem zusätzlichen Bettenangebot mithalte. „Das wird sich weisen“, sagte er. Auch das Wetter sei ein gewisser Unsicherheitsfaktor in der Branche.
Wirtschaftlich sei die Sommersaison „noch keine ‚gmahte Wiesn'“, sagte Stanits mit einem leichten Augenzwinkern. „Es ist nun wichtig, nach vorne zu schauen, weil die entscheidenden Monate kommen jetzt.“ Die ÖHV bezeichnete die Stimmung in der Branche als „vorsichtig optimistisch“.
Mit vorsichtigem Optimismus nach vorne
Die Kostensteigerungen in den Beherbergungsbetrieben belasten die Erträge zusätzlich. „Die Kosten der Beherbergungsbetriebe seien jedenfalls stark gestiegen“, berichtete Stanits. Auf der Angebotsseite kommen neue Betten auf den Markt, auf der Nachfrageseite fehlen ausgerechnet jene Gäste, die pro Kopf vergleichsweise viel Umsatz generieren. Damit wird der Branche die Sommerrendite nicht in erster Linie durch leere Zimmer, sondern durch die schwindende Kaufkraft der verbliebenen Gäste erschwert.
Die Interviews für diesen Bericht führte Birgit Kremser/APA.
Für die kommenden Wochen rechnen die Hoteliers mit einer Reihe heißer Sommertage und einer damit verbundenen kurzfristigen Buchungswelle. Ob diese den Einbruch bei den arabischen Märkten und die Preiszurückhaltung der Gäste ausgleichen kann, werden laut ÖHV erst die Auswertungen der Monate Juli und August zeigen.
Stanits zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Branche die Saison mit einem blauen Auge überstehen werde – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit und die geopolitischen Spannungen in Nahost schlagen nicht erneut auf die Reiseentscheidungen durch.
Mit dem Ende des Juli stehen die wichtigsten Ferienmonate unmittelbar bevor. Die ÖHV sieht den Sommer trotz allem auf einem guten Weg, wertet die aktuellen Zahlen aber als Mahnung: Weder der Rekord bei den Nächtigungen noch die Einzelmeldungen aus den Regionen erlaubten einen entspannten Blick nach vorn.
Die Branche behält daher neben dem Wetter vor allem die Entwicklung in Nahost im Auge. Sollten die Spannungen weiter zunehmen oder neue Reisewarnungen die Buchungen zusätzlich dämpfen, könnte die Sommersaison 2026 hinter den Erwartungen der Hoteliers zurückbleiben.
Fragen & Antworten
Wer ist Martin Stanits?
Martin Stanits ist Sprecher der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) und äußerte sich in dem Bericht zum Stand der Sommerbuchungen in Österreich.
Warum brechen die Buchungen aus dem arabischen Raum ein?
Nach Angaben der ÖHV wirken sich der Russland-Ukraine-Krieg sowie die US-israelischen Angriffe auf den Iran und Vergeltungsschläge auf US-Stützpunkte in Jordanien und Kuwait auf die Reiseentscheidungen von Gästen aus dem arabischen Raum, Israel und über Nahost-Drehkreuzen anreisenden Märkten aus.
Wie hat sich das Buchungsverhalten der Gäste verändert?
Laut der Sprecherin des Hotels Schlosspark Mauerbach, Angelica Freyler, buchen Gäste mittlerweile oft nur etwa zehn Tage vor Anreise, während es vor der Pandemie rund sechs Wochen waren.
Sommerbuchungen Österreich 2026: ÖHV vorsichtig optimistisch | finanz360