Der Kadaver des Buckelwals Timmy, der seit über zwei Wochen vor der dänischen Urlaubsinsel Anholt treibt, soll in der kommenden Woche direkt am Strand obduziert werden.

Was ist neu seit dem 30. Mai 2026

Update vom 29. Mai 2026: Nachdem der Walkadaver wochenlang im flachen Wasser trieb und ein Abschleppversuch scheiterte, wird die Obduktion nun direkt am Strand von Anholt vorbereitet.

Lange passierte nichts, nun soll der vor der dänischen Insel Anholt liegende Kadaver des „Timmy“ genannten Buckelwals an Land gezogen werden. Die dänischen Behörden hatten zuvor vergeblich versucht, den durch Fäulnisgase aufgeblähten Wal in tieferes Wasser zu schleppen, um ihn in einen Hafen zu bringen.

Der Wal war zuvor mehrfach in flache Gewässer entlang der deutschen Ostseeküste geschwommen und erst weitergeschwommen, nachdem Menschen sich ihm näherten. Schließlich strandete er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern.

Kritik an der Rettungsaktion

Entgegen der Empfehlung deutscher Experten und Institutionen duldete das Landesumweltministerium eine private Initiative, die das Tier abtransportierte und in der Nordsee aussetzte. Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen von der Universität Aarhus, der seit 25 Jahren Wal-Obduktionen in Dänemark begleitet, übt scharfe Kritik an dieser Aktion.

„Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen“, sagte Madsen. Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert.

„Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden – das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein“, so Madsen weiter. Die Aktion sei „reine Tierquälerei“ gewesen.

Der Forscher nimmt derzeit an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. „Bei seiner Freilassung vom Transportschiff wurde ein offensichtlich kranker und geschwächter Wal ins Meer geworfen, der sich vermutlich im flachen Wasser ausruhen wollte. Was dann geschah, da möchte ich ehrlich sein, war Tierquälerei.“

Der „deutsche Promi-Wal“ auf Anholt

Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt mit nur etwa 130 Bewohnern wundern sich viele über das Vorgehen – und noch mehr über das große Interesse an dem „deutschen Promi-Wal“, wie ihn hier einige nennen. „Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen“, sagte die Dänin Susanna der Deutschen Presse-Agentur.

Die Obduktion soll vor allem klären, woran der Wal gestorben ist. „Denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht“, erklärte Madsen. Veterinäre, Behördenvertreter und Experten werden den Darm und die Speiseröhre des Tieres nach Resten von Fischernetzen und Plastik absuchen.

Todesursache und Untersuchung

„Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt“, sagte Madsen. Bei den anderen beiden Fällen seien Fischernetze ein möglicher, aber nicht bestätigter Faktor gewesen.

Die Untersuchung wird voraussichtlich fünf bis sechs Stunden dauern. „Es ist wirklich anstrengende Handarbeit, einen Wal zu obduzieren“, sagte Madsen. „Danach ist man wirklich geschafft.“

Wegen der langen Liegezeit in der Sonne wird der Kadaver stark stinken. „Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist“, warnte der Forscher. Zudem bestehe Ansteckungsgefahr, weshalb möglichst wenige Menschen an der Aktion beteiligt sein sollen.

Gefahren der Obduktion

Die Umweltbehörde warnt Badegäste eindringlich davor, sich dem verwesenden Wal zu nähern. Der Strand soll abgesperrt werden, sobald die Arbeiten an dem Tier beginnen.

Die Obduktion birgt auch handfeste physische Risiken. „Dabei fliegen dann kiloschwere Fleischbrocken durch die Luft, die können dich töten“, erklärte Madsen. Deshalb werde der Wal zu Beginn mit einem scharfen Sektionsmesser an einem langen Stiel entgast. „Das ist Übungssache, wie eine Bombe zu entschärfen. Wir haben damit Erfahrung.“

Für die Inselbewohner und Urlauber ist der Kadaver zunehmend ein Problem. „Wenn er liegenbleibt und noch stärker stinkt, wird das zum Problem für unsere Sommergäste und den Campingplatz“, sagte Matthias Vanman, der mit seiner Bekannten Hanne Skov am Hafen in der Sonne saß.

Sorge der Inselbewohner

Skov verbringt seit über 30 Jahren den Sommer auf dem Campingplatz der Insel unweit vom Strand. „Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt“, meinte sie.

Trotz der Kritik an der gescheiterten Rettungsaktion sieht Madsen auch einen positiven Aspekt. „Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen“, sagte der Experte. „Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten.“