Kourou, 27 August 2026

Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ist am Mittwoch ein neuer europäischer Wettersatellit mit einer Ariane-6-Rakete ins All gestartet, um künftig präzisere Warnungen vor Extremwetterereignissen in Europa zu ermöglichen.

Der Satellit MTG-S1 hob am Mittwoch um 11:02 Uhr Ortszeit vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou ab. An Bord einer Ariane-6-Rakete des Betreibers Arianespace erreichte er eine geostationäre Umlaufbahn in etwa 36.000 Kilometern Höhe. Von dort aus soll er dauerhaft dieselbe Region über Europa beobachten und Daten zur Wetteranalyse liefern.

Technik des MTG-S1

Mit dem Start nimmt das Meteosat Third Generation (MTG)-Programm der europäischen Wetterorganisation EUMETSAT seine volle operative Phase auf. Alexander Schmid, Meteorologe bei EUMETSAT, erläuterte die Aufgabenverteilung der drei Satelliten im Verbund: «Während die beiden 'MTG-Imager' die Entwicklung von Wolken, Stürmen und Blitzen nahezu in Echtzeit verfolgen, misst der 'MTG-Sounder' gleichzeitig die dreidimensionale Struktur von Temperatur und Feuchtigkeit in der Atmosphäre.»

Der MTG-Sounder ist nach Angaben von EUMETSAT der erste operationelle geostationäre Satellit weltweit, der ein solches hochauflösendes Infrarot-Sounder-Instrument trägt. Es erfasst alle 30 Minuten ein vollständiges Profil der Atmosphäre und soll dadurch die Vorhersage von sogenannten Nowcasts, also kurzfristigen Warnungen vor Starkregen, Hagel oder Gewittern, deutlich verbessern.

Zentrale Komponenten des Satelliten stammen aus Österreich: Das Wiener Neustädter Unternehmen Beyond Gravity Austria lieferte wesentliche Strukturteile und elektronische Systeme für die Ariane-6-Oberstufe sowie für den Satelliten selbst. Auch Bremer Unternehmen wie OHB waren in die Fertigung eingebunden.

Hintergrund: Warum präzisere Warnungen nötig sind

Mit dem neuen System erhoffen sich Meteorologinnen und Meteorologen genauere Prognosen für Extremwetterlagen. Häufigere und intensivere Hitzewellen, Starkregen und schwere Gewitter infolge des Klimawandels stellen die Frühwarnsysteme in Europa vor wachsende Herausforderungen.

EUMETSAT betreibt die MTG-Konstellation im Auftrag von 30 europäischen Mitgliedstaaten sowie der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Die Daten werden nationalen Wetterdiensten wie dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem österreichischen GeoSphere Austria in Echtzeit zur Verfügung gestellt.

Nächste Schritte im All und am Boden

Der Start am Mittwoch verlief nach Angaben von Arianespace planmäßig. Etwa 35 Minuten nach dem Abheben wurde der Satellit von der Oberstufe der Rakete abgetrennt. In den kommenden Wochen wird MTG-S1 schrittweise in Betrieb genommen und getestet, bevor er im ersten Quartal 2027 seinen Regelbetrieb aufnehmen soll.

Parallel zur Inbetriebnahme beginnt EUMETSAT mit dem sogenannten Data Access Programme, das wissenschaftliche Einrichtungen und kommerzielle Nutzer mit den Rohdaten des Sounder-Instruments versorgen soll. Damit könnten künftig auch Klimaforscherinnen und -forscher in Bremen, Wien und anderen Standorten detailliertere Auswertungen zur Atmosphärenphysik vornehmen.

Mit MTG-S1 erreicht Europa nach Angaben von EUMETSAT eine neue Generation der Wetterbeobachtung aus dem All. Die Kombination aus Echtzeit-Blitz- und Wolkenerfassung durch die beiden Imager und den vertikalen Profilen des Sounders gilt als bislang einmalig und soll die mittelfristige Vorhersagequalität in Europa messbar verbessern.