Nach dem Auffinden der Leiche der elfjährigen Lyhanna im Südwesten Frankreichs hat Justizminister Gérald Darmanin am Montag die Generalstaatsanwälte einberufen und die Überprüfung von rund 70.000 Anzeigen mit kindlichen Opfern angeordnet.
Was ist neu seit dem 7. Juni 2026
Update vom 8. Juni 2026: Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin hat am Montag die Generalstaatsanwälte der Republik in Paris versammelt und eine umfassende Überprüfung sämtlicher laufender Verfahren mit minderjährigen Opfern angekündigt. Betroffen sind nach Angaben des Ministers rund 70.000 Anzeigen, die bis Mitte Juli gesichtet werden sollen. Zudem stellte der Minister Sanktionen bis hin zur Entlassung von Staatsanwälten in Aussicht, sollten diese ihre Pflichten verletzt haben.
Was ist neu seit dem 7. Juni 2026
Seit der ersten Berichterstattung am Vortag sind mehrere bislang nicht im Detail bekannte Punkte hinzugekommen. Darmanin hat in einem Auftritt am Montagmorgen nach dem Treffen mit den Generalstaatsanwälten ungewöhnlich klar Stellung bezogen: Es habe weder an Mitteln noch an Gesetzen gefehlt, sondern an der Priorisierung. Zugleich nannte er konkrete Zahlen: In Frankreich kommen nach Angaben der Gewerkschaft Union syndicale des magistrats (USM) durchschnittlich drei Staatsanwälte auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Eine Strafanzeige gegen den Hauptverdächtigen Jérôme B. wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen aus dem Sommer 2025 habe bis heute nicht zu einer Vernehmung geführt.
Der Fall Lyhanna und die ungeklärten Anzeigen
Neu ist außerdem die Stimme von Jérôme Pauzat, erster Präsident des Berufungsgerichts Nancy und Ko-Präsident der Vereinigung A.M.O.U.R. de la justice, der die strukturelle Unterdimensionierung der Justiz seit Langem anprangert. Er erinnerte daran, dass ein Bericht zur Bewertung der Arbeitsbelastung der Richterinnen und Richter seit fünfzehn Jahren auf seine Veröffentlichung warte. Dessen vorläufige Ergebnisse zeigten, dass Frankreich zwei- bis dreimal mehr Magistratinnen und Magistraten brauche.
Der Fall Lyhanna und die ungeklärten Anzeigen
Reaktionen der Justizgewerkschaften
Im Zentrum des Falls steht der 41-jährige Jérôme B., der Vater einer Klassenkameradin des Opfers. Bereits im August 2024 hatte die Mutter eines damals zehnjährigen Mädchens Anzeige wegen Vergewaltigung gegen ihn erstattet. Damals war B. bereits in andere Verfahren wegen Übergriffen auf Minderjährige verwickelt. Im August 2025 beschuldigte eine weitere Familie ihn, ihre damals zehnjährige Tochter missbraucht zu haben. Die Vorwürfe reichen zurück bis ins Jahr 2007. Trotz dieser Anzeigen wurde der Verdächtige neun Monate nach der Anzeige aus dem Sommer 2025 immer noch nicht vernommen.
Der Fall beschäftigt zwei Staatsanwaltschaften: die Parquets von Toulouse und Auch. Bereits im April 2025 hatte der Abgeordnete des Départements Gers, David Taupiac, in der Fragestunde der Nationalversammlung auf die Schwierigkeiten am Tribunal von Auch hingewiesen, darunter auf eine unbesetzte Stelle einer für Kinderschutz zuständigen Richterin beziehungsweise eines entsprechenden Richters.
