Nach Bellinghams Konter: Kane stellt sich vor Tuchel und fordert Steigerung
London, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem 2:1-Sieg Englands gegen Norwegen im Viertelfinale der WM hat Kapitän Harry Kane Nationaltrainer Thomas Tuchel gegen Kritik von Doppeltorschütze Jude Bellingham verteidigt. Kane sieht die Mannschaft vor dem Halbfinale gegen Argentinien am Mittwoch (21:00 Uhr, ARD) in Atlanta noch in der Pflicht, eine Schippe draufzulegen.
Harry Kane hat nach dem 2:1-Sieg Englands gegen Norwegen im WM-Viertelfinale Trainer Thomas Tuchel verteidigt und die Mannschaft aufgefordert, im Halbfinale gegen Argentinien am Mittwoch (21:00 Uhr, ARD) in Atlanta eine bessere Leistung zu zeigen.
Englands Kapitän Harry Kane stellte sich nach dem umkämpften 2:1-Erfolg in der Verlängerung gegen Norwegen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft vor Trainer Thomas Tuchel. „Er versucht, das Beste aus uns herauszuholen - und wir wissen, dass wir noch ein Level besser spielen können. Wir haben das gegen Norwegen nur in Ansätzen gezeigt“, sagte Kane. Die Partie in Miami war geprägt von großer Hitze und einem indirekten Schlagabtausch zwischen Tuchel und Doppeltorschütze Jude Bellingham, der nach dem Schlusspfiff für klare Worte sorgte.
Kraftakt unter großer Hitze
Der Sieg war insofern ein Kraftakt, als England in einem körperlich und konditionell extrem fordernden Spiel lange Zeit hinterherlief. Erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte glich Bellingham zum 1:1 aus, in der Verlängerung erzielte er das Siegtor für die Three Lions. Beim Stand von 0:1 hatte Norwegens Alexander Sörloth eine gute Möglichkeit ausgelassen, was sich im Nachhinein als entscheidend herausstellen sollte. Anschließend kassierte Sörloth in den sozialen Medien massive Anfeindungen; seine Partnerin Lena Selnes veröffentlichte teils beleidigende Kommentare, darunter Morddrohungen und Aufrufe zum Selbstmord, die sie über Instagram erhalten hatte.
Der Ausgleichstreffer Bellinghams war indes nicht unumstritten. Norwegens Trainer Stale Solbakken erklärte nach dem Spiel, der Ball sei nach einer Klärungsaktion von Torhüter Orjan Nyland „gerade herunter direkt vor unserer Bank“ gefallen. „Ich selbst habe es nicht gesehen, dass das Kabel berührt wurde, aber unsere Bank reagierte sofort“, sagte Solbakken, betonte aber auch: „Es ist eigentlich eine klare Sache.“ Hätte der Ball tatsächlich das Spidercam-Kabel berührt, wäre das 1:1 nicht gegeben worden.
Fifa weist Vorwürfe zurück
Der Weltverband Fifa wies die norwegischen Vorwürfe jedoch erneut zurück. „Das Ballsignal, der ‹Herzschlag› des Balls, war die gesamte Zeit verfügbar“, teilte der Verband mit. Auf den Kamerabildern sei „klar zu sehen, dass die Kamera weder wackelt noch sich bewegt“. Der im Ball verbaute Chip habe zum Zeitpunkt des Tores in der Luft keinen ungewöhnlichen Ausschlag gezeigt. Dieselbe Technologie hatte bereits in einem anderen Spiel zu einer Torannullierung geführt.
Während des Spiels hatte Tuchel unmittelbar nach dem Schlusspfiff über das TV-Mikrofon Kritik an seiner Mannschaft geübt. Er bezeichnete den Auftritt als glücklich, schlampig und von vielen technischen Fehlern geprägt. „Aber in meinem Kopf bin ich auch immer Fußball-Trainer“, sagte der gebürtige Schwabe Tuchel im Nachhinein, der zudem darauf hinwies, dass es kein Problem mit der Mannschaft gebe und er „ehrlich glücklich“ sei.
Tuchels TV-Kritik und Bellinghams Konter
Bellingham reagierte auf Tuchels Worte in der Interviewzone und konterte: „Wahrscheinlich weiß er nicht, wie es ist, bei diesen Bedingungen gegen Erling Haaland, Martin Ödegaard, Antonio Nusa und Alexander Sörloth zu spielen.“ Auf die Frage nach dem Spielstil ergänzte der 22-Jährige: „Man kann nicht jedes Spiel mit 1.000 Pässen gewinnen. Manchmal muss man schmutzig gewinnen, das haben wir getan.“ Damit nahm er die Vorgaben seines Trainers wörtlich, wies aber zugleich den Vorwurf der Schlampigkeit zurück.
Kane zeigte für die Art und Weise der Partie Verständnis und forderte gleichzeitig mehr. „Wir spielen gegen eines der besten Teams der Welt. Das Gute ist doch, dass wir in einem Halbfinale stehen und immer noch das Gefühl haben, wir können es noch besser“, sagte der Kapitän, der beim FC Bayern München unter Vertrag steht. Mit Blick auf das Duell mit Argentinien sieht er die Mannschaft in der Pflicht, das in Miami nur in Ansätzen gezeigte höhere Niveau abzurufen.
Neben der englischen Halbfinalpartie stehen bei dieser WM noch weitere hochkarätige Duelle an: Am Dienstag (21:00 Uhr) trifft Spanien in Dallas im Halbfinale auf Frankreich. Das Spiel zwischen der Schweiz und Argentinien, bei dem es um das letzte verbleibende Halbfinalticket ging, war das 100. Spiel dieses Turniers. Die Konstellation zwischen England und Argentinien weckt Erinnerungen an legendäre Duelle der Fußballgeschichte.
Abseits des sportlichen Geschehens sorgte eine Äußerung des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy für Aufsehen. In einem Beitrag für die Zeitschrift „El Debate“ hatte er über die französische Mannschaft geschrieben, diese habe zwar einen Top-Kader, aber keine Franzosen im Team. Der Präsident des französischen Fußballverbands, Philippe Diallo, nannte diese Äußerungen auf der Plattform X „unerträglichen Rassismus“. Auch der französische Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete die Aussage als „absolut inakzeptabel“.
Eklat um Rajoy in Spanien
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich ebenfalls und sagte sinngemäß, das bessere Team solle gewinnen und der Rassismus verlieren. Die Fifa oder die Organisatoren des Turniers haben sich zu den Äußerungen Rajoys bislang nicht offiziell geäußert. Die Kontroverse überschattet die sportlichen Schlagzeilen rund um die Halbfinalspiele.
Parallel zu den englischen Schlagzeilen hält die Personalfrage um die deutsche Nationalmannschaft die Gemüter in Bewegung. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, hat Jürgen Klopp mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Aufsichtsrat Hans-Joachim Watzke bereits eine grundsätzliche Einigung erzielt. Eine endgültige Vereinbarung zwischen dem DFB und Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull steht allerdings noch aus.
DFB und Klopp: Eine Grundsatzeinigung
Borussia Dortmunds Klubchef Carsten Cramer, Nachfolger Watzkes als Vorsitzender der Geschäftsführung des BVB, warb im Gespräch mit dem „Kicker“ offen für eine Verpflichtung Klopps. „Nennen Sie mir ein Argument, das gegen ihn spricht. Ich würde mich sehr freuen, wenn der DFB und Jürgen Klopp zueinanderfänden“, sagte Cramer. Er glaube, Klopp verkörpere „sehr viel von dem, was dem Fußball, aber auch unserem Land fehlt. Mit ihm könnte ein positiver Ruck entstehen, der vielleicht sogar über den Sport hinausgeht.“ Damit wäre der Effekt eines möglichen Klopp-Engagements als Nationaltrainer nach Cramers Einschätzung weit über den Sport hinaus spürbar.
Die englische Mannschaft bereitet sich derweil auf das Halbfinale gegen Argentinien vor. Argentinien, das sich zuvor im letzten Viertelfinale gegen die Schweiz durchgesetzt hatte, verfügt über zahlreiche europäisch sozialisierte Top-Spieler. Für Kane und seine Mannschaft bedeutet das Duell am Mittwoch in Atlanta die nächste hohe Hürde auf dem Weg in ein mögiches Endspiel. Das Spiel wird vom deutschen Sender ARD live übertragen.
Bellingham selbst hat mit seinen beiden Treffern gegen Norwegen einmal mehr seine besondere Fähigkeit unter Beweis gestellt, in entscheidenden Momenten für sein Team da zu sein. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid gehört zu den prägenden Figuren dieser englischen Auswahl. Ob England im Halbfinale gegen Argentinien das höhere Niveau abrufen kann, wird Kane zufolge entscheidend dafür sein, ob der Traum vom Titelgewinn weiterlebt.
Nach dem Kraftakt gegen Norwegen, den hitzigen Wortgefechten und der noch laufenden FIFA-Klärung um die Torfolge bleibt festzuhalten: England steht im Halbfinale, ist aber nach Einschätzung von Kapitän Kane noch nicht am Limit. Trainer Tuchel will offensichtlich ebenfalls mehr sehen, und Bellingham hat klargestellt, dass für ihn Siege nicht nur über spielerische Klasse, sondern auch über Robustheit führen. Die Konstellation für das Duell mit Argentinien könnte kaum spannender sein.
Fragen & Antworten
Wann spielt England im Halbfinale und gegen wen?
England trifft am Mittwoch um 21:00 Uhr (Übertragung ARD) in Atlanta im WM-Halbfinale auf Argentinien, das sich zuvor gegen die Schweiz durchgesetzt hatte.
England WM-Halbfinale: Kane verteidigt Tuchel nach | finanz360