Murenabgänge in Tirol: Linienbus im Stanzertal von Schlammmassen erfasst
Innsbruck, 30 Juni 2026
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Kurzfassung
Schwere Unwetter haben am Montagabend in mehreren Regionen Tirols Murenabgänge ausgelöst. Zwischen Flirsch und Pettneu am Arlberg wurde ein Linienbus von den Schlammmassen mitgerissen; die vier Insassen blieben unverletzt. Das hintere Pitztal ist von der Außenwelt abgeschnitten.
Innsbruck, 30 Juni 2026
Schwere Unwetter mit Starkregen haben am Montagabend in Teilen Tirols mehrere Murenabgänge ausgelöst und unter anderem einen Linienbus zwischen Flirsch und der Pettneuer Ortschaft Schnann im Stanzertal erfasst, wobei die vier Insassen nach Angaben der Einsatzkräfte unverletzt blieben.
Schwere Unwetter in Teilen Tirols
Heftige Gewitter mit starken Regenfällen führten am Montagabend in einigen Regionen Tirols zu Murenabgängen. Wie das Land Tirol mitteilte, trafen Muren im Bereich des Bichlbachs und des Hairlachbachs am Montag die L16 Pitztalstraße im Gemeindegebiet von St. Leonhard schwer.
Eine besonders brenzlige Situation gab es zwischen Flirsch und Pettneu am Arlberg im Bezirk Landeck, wo eine große Mure auf eine Landesstraße abging und einen Linienbus erfasste. Im Bus, der zwischen Flirsch und der Pettneuer Ortschaft Schnann von den Schlammmassen mitgerissen wurde, befanden sich neben dem Fahrer eine Frau, ein Mann und ein 14-jähriges Mädchen. Die Mure habe die Straße auf einer Länge von 80 Metern ein bis eineinhalb Meter tief verlegt.
Linienbus im Stanzertal von Mure erfasst
Die vier Insassen blieben offenbar unverletzt. Der Bezirksfeuerwehrinspektor von Landeck bestätigte den Einsatzkräften: „Sie sind wohlauf. Die Passagiere sind nicht mehr allein herausgekommen. Es war eine heikle Situation“. Die Feuerwehr Schnann berichtete auf Facebook: „Nicht mehr alleine herausgekommen“. Der Bezirksfeuerwehrinspektor ergänzte zudem: „Es war nicht ganz ohne“ und verwies darauf, dass die Rettung nicht völlig risikofrei verlaufen sei.
Verletzt wurde niemand. Es gab auch keine Hinweise auf vermisste Personen. Die Online-Ausgabe der „Tiroler Tageszeitung“ hatte zuerst über den Vorfall berichtet.
Hinteres Pitztal von der Außenwelt abgeschnitten
Nach Murenabgängen am Montag ist das hintere Pitztal derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Da das Tal für normale Fahrzeuge nicht erreichbar ist und nur Einsatzkräfte über einen Notweg einfahren können, wurden alle Feuerwehrhäuser als Florianstationen dauerhaft besetzt. Für die Bevölkerung wurde ein Notfallplan aktiviert; bei medizinischen Notfällen können sich Bürger direkt an die Feuerwehrhäuser wenden.
Die L16 Pitztalstraße wurde zwischen den Ortsteilen Hairlach und Eggenstall für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Landesstraße ist auf einer Länge von rund 500 Metern verschüttet, unterspült oder teilweise komplett weggebrochen. Die Dauer der Sperre ist derzeit nicht absehbar.
Zudem sind vier Brücken betroffen. Die Pitze trat stellenweise über die Ufer und überflutete das Areal. Da eine Mure auch eine Stromleitung freigelegt hat, muss die Stromversorgung im hinteren Pitztal ab dem Ortsteil Scheibrand für mehrere Stunden komplett unterbrochen werden. Dadurch wird voraussichtlich auch das Mobilfunknetz ausfallen.
Weitere Muren auf Pitztalstraße und Tiroler Straße
Zwei Murenabgänge gab es unterdessen auch auf die Pitztalstraße (L16) in St. Leonhard im Pitztal (Bezirk Imst). Personen waren nicht betroffen, die Feuerwehr stand im Einsatz. Auch die B171 Tiroler Straße im Gemeindegebiet von Zams wurde im Bereich Finais vermurt, blieb jedoch zumindest einspurig befahrbar und soll im Laufe des Tages wieder komplett sauber sein.
Im Gemeindegebiet von Flirsch verlegte eine Mure die L68 Stanzertalstraße im Bereich des Rammelbachs. Die Aufräumarbeiten liefen laut Land am Dienstagvormittag auf Hochtouren, die Straße soll noch am Dienstagvormittag wieder freigegeben werden.
Kaunertal: Hubschrauber evakuieren rund 250 Tagesausflugsgäste
Bereits am Sonntagnachmittag hatten nach einem Gewitter mit Starkregen und Hagel drei Muren die Kaunertaler Gletscherstraße im Bezirk Landeck getroffen. Die Gletscherstraße war im Bereich „Am See“ und „Am Versetz“ auf einer Länge von 50 Metern verlegt worden, Teile der Fahrbahn wurden weggespült und die Stromversorgung unterbrochen.
Die Kaunertaler Gletscherstraße wurde auf rund 50 Metern verlegt, teils weggespült und gesperrt; die Räumung lief bereits. Ein Ende der Sperre sei entsprechend noch nicht abschätzbar. Montagvormittag fand laut Land zudem eine Beurteilung der Kaunertaler Gletscherstraße, unter anderem per Erkundungsflug, durch die Landesgeologie sowie die Wildbach- und Lawinenverbauung statt.
Sind am Montag binnen kurzer Zeit rund 250 im hinteren Kaunertal „eingeschlossene“ Tagesausflugsgäste mit jeweils zwei Hubschraubern der Polizei und des Bundesheeres ausgeflogen worden. Vulnerable Personen waren bereits am Sonntag ausgeflogen worden. Zur Evakuierung am Montag setzte das Bundesheer einen Hubschrauber vom Typ AB212 sowie einen AW169 ein. Zuvor habe die Tiroler Landeswarnzentrale ein Assistenzersuchen gestellt, wie das Verteidigungsministerium per Aussendung in der Früh mitteilte.
Zusätzlich werde ein Tankwagen ins Kaunertal geschickt, um die Hubschrauber auch an Ort und Stelle zu betanken. Der Großteil der Gäste war über Nacht in Gastronomiebetrieben untergebracht worden – konkret im Gepatschhaus sowie im Gletscherrestaurant. Die Arbeiten würden „gut vorangehen“, sagte Kaunertals Bürgermeister Christian Kalsberger zur APA am Abend. Am Dienstag könne man vielleicht schon mehr sagen, so Kalsberger gegenüber ORF Tirol.
Warnstufe „Orange“ und Einschätzung der Behörden
Der Bürgermeister erklärte weiter, dass die Straße, „so wie sie momentan geführt wird, nicht mehr sicher ist“. Vor dem Unwetter hatte es infolge der Hitze eine Gewitter- und Starkregenwarnung der Stufe „Orange“, die zweithöchste, für Tirol von Sonntag um 12.00 Uhr bis Mitternacht gegeben. Außerdem dem Ereignis im Kaunertal kam man im Rest des Landes aber großteils glimpflich davon; größere Schäden und außergewöhnliche Vorfälle wurden nicht gemeldet.
Parallel zu den Tiroler Ereignissen führten schwere Gewitter auch in Oberösterreich zu zahlreichen Einsätzen. Im Bezirk Vöcklabruck mussten die Einsatzkräfte ab etwa 20.00 Uhr zu vollen Kellern, umgestürzten Bäumen und weiteren Sturmschäden ausrücken. In Vöcklabruck fielen fast 70 Liter Regen pro Quadratmeter, Sturm Böen erreichten bis zu 100 km/h.
Unwetter auch in Oberösterreich
194 Einsätze in dreieinhalb Stunden: Unwetter forderte die Feuerwehren im Land Oberösterreich. Abschnittskommandant Franz Schausberger erklärte, dass neben der Feuerwehr Vöcklabruck zahlreiche umliegende Feuerwehren im Einsatz standen. „Ohne diese zusätzlichen Feuerwehren wäre die große Anzahl der Einsätze nicht zu bewältigen gewesen“, sagte Schausberger dem ORF.
In Timelkam stürzte ein großer Baum auf das Gelände eines Kindergartens. Ein Blitzschlag in ein Wohnhaus in Vöcklabruck verursachte einen Dachstuhlbrand. Das Rote Kreuz wurde ebenfalls alarmiert, verletzt wurde jedoch niemand. Die Gewitterzelle zog anschließend vom Zentralraum und Innviertel Richtung Mühlviertel weiter.
Fragen & Antworten
Was ist zwischen Flirsch und Pettneu am Arlberg passiert?
Eine große Mure ging auf die Landesstraße im Stanzertal ab und erfasste einen Linienbus, der zwischen Flirsch und der Pettneuer Ortschaft Schnann von den Schlammmassen mitgerissen wurde. Fahrer, eine Frau, ein Mann und ein 14-jähriges Mädchen befanden sich an Bord und blieben nach Angaben der Einsatzkräfte unverletzt.
Wie ist die Lage im hinteren Pitztal?
Das hintere Pitztal ist seit Montag von der Außenwelt abgeschnitten. Die L16 Pitztalstraße ist auf rund 500 Metern verschüttet, unterspült oder teilweise komplett weggebrochen, vier Brücken sind betroffen, und die Stromversorgung ab dem Ortsteil Scheibrand muss für mehrere Stunden unterbrochen werden, wodurch auch das Mobilfunknetz ausfallen dürfte.
Wie wurden die rund 250 eingeschlossenen Tagesausflugsgäste im Kaunertal versorgt?
Sie wurden am Montag binnen kurzer Zeit mit je zwei Hubschraubern der Polizei und des Bundesheeres ausgeflogen. Verwundbare Personen waren bereits am Sonntag ausgeflogen worden; ein Tankwagen wurde ins Kaunertal geschickt, um die Hubschrauber an Ort und Stelle zu betanken.
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