Mette-Marit: Lungentransplantation nötig – Fakten, Zeitdruck, Familie
Oslo, 05. Juni 2026
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Kurzfassung
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit ist auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt worden. Ihr Lungenfacharzt Are Holm erklärte am Freitag in Oslo, ohne Spenderorgan bleibe ihr voraussichtlich nur ein Jahr Lebenszeit. Die 52-Jährige leidet an einer unheilbaren Lungenfibrose.
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit ist nach Angaben des Osloer Universitätskrankenhauses auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt worden; ohne ein passendes Spenderorgan bleibt ihr laut ihrem behandelnden Arzt voraussichtlich nur noch ein Jahr.
Diagnose und Krankheitsverlauf
Bei einer Pressekonferenz am Freitag in Oslo erklärte der Lungenspezialist Are Holm, die Erkrankung der 52-jährigen Kronprinzessin sei ernst und schreite rasch voran. Nach einer umfassenden medizinischen Bewertung sei sie auf die Liste der Personen aufgenommen worden, die so schnell wie möglich eine Lungentransplantation erhalten sollen, sagte Holm. Er ergänzte, es sei statistisch davon auszugehen, dass der Patientin ohne ein neues Organ nur noch etwa ein Jahr bleibe.
Mette-Marit leidet nach Angaben des norwegischen Königshauses an einer chronischen Lungenfibrose. Bei dieser Erkrankung bildet sich zunehmend Narbengewebe in der Lunge, was die Atmung immer weiter einschränkt. Die Krankheit ist nicht heilbar; Medikamente können das Fortschreiten lediglich verlangsamen. Are Holm erklärte dazu auf der Pressekonferenz: „Wir sehen, dass sich im vergangenen Jahr wesentlich mehr Narbengewebe in der Lunge gebildet hat.“
Behandlung am Osloer Universitätskrankenhaus
Die Mitteilung über die Aufnahme auf die Warteliste hatte das norwegische Königshaus bereits am Donnerstag veröffentlicht. Wenige Stunden zuvor war Mette-Marit laut norwegischen Medien kurzzeitig mit einem Sauerstoffgerät im Osloer Universitätskrankenhaus gesehen worden. Sie habe die Klinik nach wenigen Stunden wieder verlassen. In den vergangenen Wochen und Monaten war die Kronprinzessin mehrfach in der Öffentlichkeit mit einem Sauerstoffgerät aufgefallen.
Are Holm ist Lungenspezialist am Osloer Universitätskrankenhaus, das auf Lungentransplantationen spezialisiert ist. Er betonte ausdrücklich, dass Mette-Marit keine Sonderbehandlung aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Königshaus erhalte. Die Zuteilung von Spenderorganen folge ausschließlich medizinischen Kriterien. Holm beschrieb das Verfahren mit den Worten: „Man nennt es Warteschlange, aber es gibt keine Nummern. Wenn ein Organ kommt, hat es eine bestimmte Größe und eine bestimmte Blutgruppe. Dann schauen wir auf die Liste und sehen, wer für dieses Organ geeignet ist. Von denen, zu denen es passt, wählen wir denjenigen, der am wenigsten Zeit hat. So ist das immer.“
Wie die Organvergabe in Norwegen abläuft
Nach Angaben von Holm stehen aktuell acht Personen vor der 52-jährigen Mette-Marit auf der Liste. Wie lange es dauern werde, bis ein passendes Spenderorgan gefunden sei, lasse sich derzeit nicht absehen. Die Aufnahme auf die Warteliste setze in Norwegen voraus, dass die voraussichtliche Lebenszeit eines Patienten auf etwa ein Jahr gesunken sei – ein Kriterium, das auch bei Mette-Marit erfüllt sei.
Die Erkrankung der Kronprinzessin habe sich in den vergangenen drei Monaten deutlich verschlechtert, sagte Holm. Eine Lungentransplantation sei ein großer und anspruchsvoller Eingriff. Holm erläuterte die Anforderungen: „Man muss krank genug sein, um sie zu benötigen, aber gleichzeitig gesund genug, um die Operation und den anspruchsvollen Verlauf danach zu überstehen. Außerdem muss man in der Lage sein, lebenslang immunsuppressive Medikamente einzunehmen und sich regelmäßigen engmaschigen Kontrollen zu unterziehen.“
Risiken und Anforderungen einer Transplantation
Während des Eingriffs werde das Herz der Patientin stillgelegt, die erkrankten Lungen würden entfernt und die Spenderlungen eingesetzt, erklärte Holm weiter. „Das Herz wird angehalten. Die erkrankten Lungen werden entfernt, das kann der schwierigste Teil des gesamten Eingriffs sein. Nachdem die kranken Lungen entfernt wurden und die Spenderlungen vorbereitet sind, werden diese eingesetzt. Dabei werden die großen Blutgefäße und die Atemwege mit denen des Patienten verbunden und vernäht.“ Die Patientin werde dabei an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, wie dies auch bei Herzoperationen der Fall sei.
Die statistischen Risiken einer Lungentransplantation sind erheblich. Holm verwies darauf, dass im ersten Jahr nach dem Eingriff statistisch einer von acht Patienten sterbe. Zehn Jahre nach der Operation lebe nur noch etwa die Hälfte der Empfänger. Eine Transplantation sei für Mette-Marit dennoch die einzige Chance auf Heilung, da es außer diesem Eingriff keine kurative Therapie gegen das Fortschreiten der Lungenfibrose gebe.
Bis zur Transplantation darf die Kronprinzessin Norwegen nicht verlassen. Holm erläuterte, sie müsse versuchen, Infektionen zu vermeiden und sich körperlich so fit wie möglich zu halten. Wann genau operiert werden könne, sei derzeit unklar. Auch sei nicht absehbar, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt die Öffentlichkeit über den Fortgang informiert werde.
Auswirkungen auf das royale Programm
Das norwegische Königshaus hatte am Donnerstag angekündigt, dass Mette-Marit ihr offizielles Programm während der Wartezeit auf eine neue Lunge nicht wie gewohnt wahrnehmen könne. Sie werde ihre Termine stark einschränken, hieß es aus dem Palast.
Kronprinz Haakon, der 52-jährige Ehemann der Kronprinzessin, wird seine Frau in der kommenden Zeit noch stärker unterstützen. Wie der Hof mitteilte, wird Haakon längere Reisen einschränken, um mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können. So habe er kürzlich eine Reise nach Japan abgebrochen, um Mette-Marit am Donnerstag ins Krankenhaus zu begleiten. Auch werde er im Juni nicht an der goldenen Hochzeit des schwedischen Königspaares teilnehmen.
Die Familie rückt zusammen
Das Paar wird zudem nicht wie ursprünglich geplant im August die silberne Hochzeit feiern können. Angesichts der gesundheitlichen Situation der Kronprinzessin sei an eine Feier im großen Rahmen nicht zu denken, verlautete aus dem Umfeld der Familie.
Auch das engere familiäre Umfeld richtet sich auf die Lage ein. Die 22-jährige Prinzessin Ingrid Alexandra, älteste Tochter des Paares, hat ihren Aufenthalt an der University of Sydney in Australien vorzeitig beendet und ist nach Oslo zurückgekehrt, um näher bei ihrer Familie zu sein. Der 20-jährige Prinz Sverre Magnus, der im Herbst ein Studium an einer europäischen Universität aufnehmen will, hält sich nach Angaben des Hofes ebenfalls bereit, auf Wunsch nach Hause zu kommen. „Prinz Sverre Magnus will nach Hause kommen, falls die Situation es erfordert“, hieß es aus dem Königshaus.
Mette-Marit ist Mutter von drei Kindern. Über die genauen Umstände der Diagnose und über den bisherigen Krankheitsverlauf hat das Königshaus in den vergangenen Jahren nur sparsam informiert. Bekannt wurde die Erkrankung an Lungenfibrose erst nach und nach. Nun hat die Familie die Öffentlichkeit mit einer ungewöhnlich offenen Mitteilung über den aktuellen Stand informiert.
Reaktionen in Norwegen
Mit der Pressekonferenz am Freitag in Oslo verschafften die behandelnden Ärzte und das Königshaus der Bevölkerung einen ungewohnt detaillierten Einblick in den medizinischen Stand. Norwegische Medien berichteten am Freitag in großer Breite über den Auftritt von Are Holm. Die Bild-Zeitung zitierte Holm ausführlich zum Verfahren der Organzuteilung in Norwegen.
Die Nachricht löste in Norwegen und in den übrigen nordischen Ländern eine Welle der Anteilnahme aus. Vor dem Osloer Universitätskrankenhaus legten am Freitag erste Bürgerinnen und Bürger Blumen und norwegische Flaggen ab. Ministerpräsident und Vertreter aller im Storting vertretenen Parteien äußerten ihre Solidarität mit der Kronprinzessin und ihrer Familie.
Unklar bleibt, wie sich der Alltag der Kronprinzessin in den kommenden Wochen und Monaten gestalten wird und welche offiziellen Termine sie allenfalls in stark eingeschränktem Rahmen wahrnehmen kann. Auch ein genauer Zeitpunkt der Transplantation ist offen. Das Königshaus kündigte an, die Öffentlichkeit „in dem Maße, wie es die Umstände erlauben“ über weitere Entwicklungen zu informieren.
Fragen & Antworten
An welcher Krankheit leidet Kronprinzessin Mette-Marit?
Mette-Marit leidet nach Angaben des norwegischen Königshauses an einer chronischen Lungenfibrose, einer unheilbaren Erkrankung, bei der sich zunehmend Narbengewebe in der Lunge bildet.
Warum wurde Mette-Marit auf die Warteliste für eine Transplantation gesetzt?
Ihr behandelnder Arzt Are Holm erklärte, die Aufnahme erfolge, weil die voraussichtliche Lebenszeit der Patientin ohne neues Organ auf etwa ein Jahr gesunken sei – ein Kriterium, das in Norwegen für die Listung erfüllt sein muss.
Wie viele Personen stehen vor Mette-Marit auf der Warteliste?
Nach Angaben von Holm stehen aktuell acht Personen vor der 52-jährigen Kronprinzessin auf der Liste; die Zuteilung eines Spenderorgans richte sich nach Größe, Blutgruppe und Dringlichkeit, nicht nach dem royalen Status.