Kecskemét, 14. Juli 2026
Der Autobauer Mercedes-Benz hat am Montag im ungarischen Kecskemét sein nach eigenen Angaben größtes Autowerk des Landes offiziell eröffnet und damit die Kapazität des Standorts auf bis zu 400.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht.
In dem rund 110.000 Einwohner zählenden Städtchen 90 Kilometer südöstlich von Budapest laufen seit 2012 die A-Klasse und der SUV GLB vom Band; mit dem Erweiterungsschritt kommt nun die vollelektrische C-Klasse hinzu, das erste batterieelektrische Modell aus dem Volumensegment von Mercedes-Benz. Das Werk gilt nach der Erweiterung als das produktionsstärkste Mercedes-Werk in Europa, mehr als 5.000 Beschäftigte sind dort bereits tätig, und es ist der größte Arbeitgeber der Region.
Für den Ausbau investierte der Konzern nach Angaben des Unternehmens rund eine Milliarde Euro. Auf dem Gelände, das von 200 auf 440 Hektar wuchs, entstanden zwei neue Hallen für Karosseriebau und Montage, eine zweite Presserei, eine neue Lackiererei und eine eigene Batteriemontage. In einer Mitteilung hatte Mercedes zudem angekündigt, künftig auch eine kompaktere Variante der G-Klasse exklusiv in Kecskemét zu fertigen; zudem könnte die Produktion des GLC dem Standort zugewiesen werden.
Kostenstruktur als Treiber der Verlagerung
Die wirtschaftliche Logik hinter dem Schritt ist vor allem eine Kostenrechnung: Wie der Konzern unter Berufung auf Aussagen von Finanzvorstand Harald Wilhelm selbst betont, liegen die Produktions- und Lohnkosten in Ungarn rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. In einem internen Brief an die Beschäftigten hieß es, jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtere die relative Kostenposition. Mercedes steht nach eigenen Angaben unter Druck: Absatz, Umsatz und Gewinn seien rückläufig, besonders Zölle und der Wettbewerb in China belasteten den Autobauer.