Marokko schlägt Kanada 3:0 und zieht ins Viertelfinale ein | finanz360
Marokko zieht ins Viertelfinale ein und stellt afrikanischen WM-Rekord auf
Houston, 04. Juli 2026
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Kurzfassung
Marokko hat im Achtelfinale der Fußball-WM 2026 in Houston Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) besiegt und als erste Mannschaft das Viertelfinale erreicht. Azzedine Ounahi (50., 82.) und der eingewechselte Soufiane Rahimi (90.+8) trafen für den Titelträger des Afrika-Cups, der damit seine starke WM-Form bestätigte.
Marokko hat am Samstagabend in Houston das Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gegen den Mit-Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) gewonnen und als erste Mannschaft das Viertelfinale erreicht.
Vor 68.777 Zuschauerinnen und Zuschauern im Stadion von Houston entwickelte sich am Samstagabend eine Begegnung, die vor der Pause weitgehend hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Erleichterung der kanadischen Mannschaft aus dem Achtelfinaleinzug war noch spürbar – „Das späte 1:0 über Außenseiter Südafrika sorgte für eine kleine Euphoriewelle bei Kanada" –, doch gegen die defensiv kompakt stehenden Nordafrikaner fanden die Ahornblätter zunächst kaum ein Durchkommen.
Schiedsrichter Michael Oliver aus England verteilte bereits in den ersten 45 Minuten sechs Gelbe Karten, so viele wie in keiner Halbzeit seit dem Achtelfinalduell zwischen Brasilien und Ghana im Jahr 2006. „Das erste Achtelfinale der WM ist eine Halbzeit lang ziemlich langweilig. Aufregend wird es nur bei Gelben Karten. Dann aber wacht Marokko auf", schrieb die OE24. Insgesamt acht Verwarnungen in dieser Partie stellten gleichzeitig den Höchstwert des laufenden Turniers dar.
Zähe erste Halbzeit mit Rekord an Verwarnungen
Marokko seinerseits brachte es in der ersten Halbzeit nur auf einen einzigen Torschuss – der niedrigste Wert, den ein Team in einer Halbzeit bei dieser WM zu verzeichnen hatte. Kanadas Trainer Jesse Marsch, amerikanischer Herkunft, hatte auf drei Wechsel in der Anfangsformation gesetzt: Luc de Fougerolles, Ali Ahmed und Niko Sigur rückten in die Startelf.
Frühe kanadische Möglichkeiten durch Jonathan David (5.) und Tani Oluwaseyi, der in der 10. bzw. 11. Minute nach einem Ballverlust im marokkanischen Mittelfeld frei vor Yassine Bounou auftauchte, wurden vom marokkanischen Torhüter, der in Kanada geboren wurde, zunichtegemacht. Auch ein Kopfball von Alistair Johnston (18.) nach einer Ecke fand seinen Weg nicht ins Tor.
Die Wende kam nach dem Seitenwechsel. In der 50. Minute legte Kapitän Achraf Hakimi, einer der überragenden Akteure dieser WM, einen Freistoß von der rechten Seite flach an die Strafraumgrenze zurück. Azzedine Ounahi, der 26-jährige zentrale Mittelfeldspieler von Girona, schlenzte den Ball „gekonnt in die nahe Ecke" zum 1:0 für Marokko – es war der erste marokkanische Schuss aus dem Strafraum in diesem Spiel und zugleich sein zehntes Tor im Nationaltrikot.
Zuvor hatte Marokkos Stürmerstar Ismael Saibari in der 22. Minute bei einem Zweikampf ohne Fremdeinwirkung eine Oberschenkelverletzung erlitten und musste ausgewechselt werden. Der 25-jährige Angreifer, designierter Neuzugang des FC Bayern München für mindestens 50 Millionen Euro Ablöse, hatte zuvor in jedem Gruppenspiel sowie im Elfmeterschießen gegen die Niederlande getroffen und galt als einer „der spannendsten Offensivspieler dieser WM". Soufiane Rahimi ersetzte Saibari.
Saibaris Verletzung und Hakims Schlüsselmoment
Im Verlauf des Spiddel spitzte sich die Partie weiter zu. Eine Rudelbildung in der Nähe der 40. Minute und Gelbe Karten für Halhal, Hakimi, Ounahi, El Khannouss auf marokkanischer Seite sowie für Laryea, J. David, De Fougerolles und Larin auf kanadischer Seite zeigten, dass die Nerven blank lagen.
Marokkos zweiter Treffer fiel in der 82. Minute nach einem Konter, den Brahim Diaz von Real Madrid eingeleitet hatte. Diaz „lässt stattdessen mit einem Haken aber noch einen Gegenspieler aus und serviert Ounahi den Ball auf dem Silbertablett. Im Stile eines Goalgetters netzt der Girona-Söldner erneut ein – 2:0." Wenige Minuten später traf Rahimi per Kopf nur die Latte.
In der 79. Minute rettete Bounou gegen einen Fernschuss von Tajon Buchanan, in der 78. Minute schoss Jonathan David einen Freistoß aus aussichtsreicher Position weit über das Tor. Auch die Hereinnahme von Shaffelburg und P. David brachte für Kanada keine Wende mehr.
Effizienz statt Schönheit: Marokkos zweite Hälfte
Den Schlusspunkt setzte Soufiane Rahimi in der achten Minute der Nachspielzeit (90.+8), als er nach erneuter Vorarbeit von Diaz den Ball zum 3:0 über die Linie drückte. Zuvor hatte Kanadas Torhüter Maxime Crepeau in der 94. Minute bei einem Zusammenprall mit Bounou nach einer Ecke die Defensiv-Reihe verlassen, was die Hintermannschaft der Kanadier zusätzlich destabilisierte.
Mit dem Erfolg sicherte sich Marokko als erste Mannschaft das erste Viertelfinal-Ticket dieser Weltmeisterschaft. „Marokko war über weite Strecken nicht die bessere, mit Sicherheit aber die effizientere Mannschaft", hieß es im Spielbericht. Trainer Mohamed Ouahbi, der „erst seit März amtierende" Trainer, war in Brüssel geboren und hatte seine Trainerkarriere beim RSC Anderlecht begonnen.
Ouahbi fand nach dem Schlusspfiff anerkennende Worte: „Das war beeindruckend, wie meine Spieler sich da reingehängt haben. Es ist uns gelungen, die Räume ein bisschen besser zu nutzen, die sie uns gelassen haben. Das war der Schlüssel." Ergänzend sagte er: „Wir haben gelitten. Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt, weiß man von Anfang an, dass es schwierige Momente geben wird."
Kanadas Trainer Jesse Marsch erkannte die Niederlage an, wollte die Leistung seines Teams aber nicht missbilligt wissen: „Wir waren das bessere Team. Klar, sie hatten ein paar mehr Chancen als wir. Sie haben ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel und uns hat es da gefehlt." Außerdem sagte er, er „kann nicht stolzer sein" über den Auftritt seiner Mannschaft.
Kanada nimmt historischen Erfolg mit
Mit dem Aus tritt Kanada als erstes der drei Co-Gastgeberländer den Rückweg an. „Im 90. Spiel der WM hat es den ersten Co-Gastgeber erwischt", schrieb die OE24. Trotz des Ausscheidens bleibt für die Kanadier ein historischer Erfolg: Erstmals überhaupt sammelte Kanada WM-Punkte, erstmals erreichte die Mannschaft die K.o.-Runde, „weiter als je zuvor in ihrer Geschichte".
Ausblick: Viertelfinale gegen Frankreich oder Paraguay
Auf Marokko wartet nun am Donnerstag (9. Juli) das Viertelfinale in Boston – voraussichtlich gegen Frankreich. Die Equipe Tricolore, 2022 noch WM-Zweiter, trifft im Achtelfinale auf Paraguay. Das Hinspiel im „Marokko hat am Donnerstag in Boston auf Frankreich oder Paraguay" festgelegt. Bei den Franzosen fehlt im Achtelfinale Real-Madrid-Spieler Aurélien Tchouaméni verletzt, ein Einsatz im Viertelfinale gilt aber als realistisch.
Fraglich ist derweil, ob Saibari im Viertelfinale zur Verfügung steht. Sein Ausfall in Houston hat in München zusätzliche Sorgen ausgelöst. „Ein Bayern-Neuzugang macht derweil Sorgen", kommentierte das Portal.
Historisches leistete Marokko schon vor diesem Spiel: Die Löwen vom Atlas waren 2022 in Katar als erste afrikanische Mannschaft überhaupt bis ins Halbfinale eines WM-Turniers vorgestoßen, hatten dort gegen Frankreich mit 0:2 verloren und anschließend Spanien im Elfmeterschießen besiegt sowie Portugal mit 1:0 bezwungen. Der Titel des afrikanischen Meisters, den Marokko aktuell trägt, „kam nach dem skandalösen Finale gegen Senegal am Grünen Tisch zustande". Von den 26 Spielern des marokkanischen Kaders wurden 20 außerhalb Marokkos geboren, 19 davon in Europa.
Anstoß im Achtelfinale in Houston war 19:00 Uhr MESZ, übertragen wurde das Spiel live unter anderem von ServusTV sowie ZDF und MagentaTV. Der brasilianische Schiedsrichter Michael Oliver pfiff die Partie als 90. Spiel dieser WM-Endrunde, die mit 48 Mannschaften in 12 Vorrundengruppen vom 11. Juni an über 38 Tage in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird.
Fragen & Antworten
Wer hat die Tore für Marokko im Achtelfinale gegen Kanada erzielt?
Azzedine Ounahi von Girona traf in der 50. und 82. Minute, der eingewechselte Soufiane Rahimi erhöhte in der 90.+8 auf 3:0. Brahim Diaz bereitete die Tore zum 2:0 und 3:0 vor.
Welche historische Bedeutung hat Marokkos Einzug ins Viertelfinale?
Marokko ist das erste afrikanische Team, das 2022 in Katar das Halbfinale einer WM erreichte, und sicherte sich nun als erste Mannschaft das erste Viertelfinal-Ticket der WM 2026.
Was bedeutet die Niederlage für Kanada?
Kanada schied als erster der drei Co-Gastgeber aus dem Turnier aus, sammelte aber erstmals WM-Punkte und erreichte erstmals in der Geschichte die K.o.-Phase.