Marlene Hahn wird ab 2028/29 neue Intendantin der Oper Graz und löst Ulrich Lenz ab
Graz, 09. Juli 2026
OperGraz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Die Bühnen Graz haben Marlene Hahn als künftige Intendantin der Oper Graz vorgestellt. Die derzeitige Chefdramaturgin der Oper Leipzig folgt ab der Saison 2028/29 auf Ulrich Lenz, dessen Vertrag nicht verlängert wird.
Die Bühnen Graz haben am Mittwoch in einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass Marlene Hahn ab der Saison 2028/29 die Leitung der Oper Graz übernehmen und damit Nachfolgerin von Ulrich Lenz werden wird.
Bei der Präsentation im Grazer Haus am Opernring erklärte der Geschäftsführer der Bühnen Graz, Bernhard Rinner, am Mittwoch am späten Nachmittag in Graz in einer Pressekonferenz, dass die Jury einstimmig vorgeschlagen habe, Marlene Hahn zur neuen Intendantin zu bestellen. "Ein einstimmiger Vorschlag in Person von Chefdramaturgin Marlene Hahn an den Aufsichtsrat gegangen", fasste Rinner den Entscheid zusammen. Der Aufsichtsrat folgte der Empfehlung, womit der Wechsel an der Spitze des Hauses feststeht.
Ein einstimmiger Vorschlag und ein überraschendes Votum
Maria Grossbauer, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Bühnen Graz, bezeichnete das Ergebnis als eine "positive und sehr, sehr gute Überraschung". Sie verwies auf die hohe Qualität der Bewerbungen, die in einem intensiven Auswahlverfahren geprüft worden seien. Auch Rinner sagte: "Man sei mehr als überrascht über die Qualität der Bewerbung gewesen." Insgesamt, so hieß es, habe es 26 Bewerbungen für die Position gegeben – darunter zehn Frauen und 16 Männer.
Der Wechsel erfolgt nach dem Ende der laufenden Intendanz von Ulrich Lenz. Dessen Vertrag läuft noch bis zum Ende der Saison 2027/28 und wird nicht verlängert. Wie aus den veröffentlichten Hintergrundinformationen hervorgeht, hätte "einer eventuellen Verlängerung von Lenz' Wirken grundsätzlich nichts im Wege gestanden" – die Entscheidung gegen eine Verlängerung fiel dennoch klar aus. Lenz war 2023 an die Oper Graz gekommen und hatte das Haus zuvor nach "einem verhaltenen Start 2023" durch eine Reihe erfolgreicher Produktionen geführt.
Bekanntes Gesicht aus früheren Grazer Jahren
Hahn ist den Bühnen Graz keine Unbekannte: Rinner sagte, "Hahn sei keine Unbekannte". Bereits von 2015 bis 2022 war die gebürtige Starnbergerin am Haus tätig. In der Spielzeit 2015/16 arbeitete sie an der selten gespielten Schreker-Oper "Der ferne Klang" unter der damaligen Intendantin Nora Schmid mit. Nach Stationen im deutschen Opernbetrieb wechselte sie zur Oper Leipzig, wo sie zuletzt als Chefdramaturgin tätig ist.
Ihre Erfahrung im Bereich großer Opernveranstaltungen bringe sie ebenfalls mit: Wie aus der Vorstellung hervorging, ist Hahn künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs. "Als künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs bringe sie Erfahrungen mit, die in Graz nützlich sein könnten, Stichwort Opernredoute", hieß es. Die Opernredoute ist die traditionsreiche Ballveranstaltung des Hauses am Opernring und gilt als gesellschaftlicher Höhepunkt der Grazer Ballsaison.
Marlene Hahn wurde 1985 in Starnberg in Bayern geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Augsburg. Über Stationen im dramaturgischen Bereich wechselte sie schließlich in den Opernbetrieb und spezialisierte sich auf das Musiktheater. Die kommende Intendanz in Graz ist ihre erste Leitungsfunktion an einem großen deutschsprachigen Drei-Sparten-Haus.
Die Jury und das Bewerbungsverfahren
Die Jury, die über die Nachfolge entschied, setzte sich aus Helga Rabl-Stadler, Bernhard Rinner und der früheren Grazer Opernintendantin Elisabeth Sobotka zusammen. Alle drei einigten sich dem Vernehmen nach rasch auf Hahn. Der Auswahlprozess, in dem 26 Bewerbungen gesichtet und mehrere Kandidatinnen und Kandidaten zu Gesprächen eingeladen worden sein sollen, zog sich laut Bühnen Graz bis in den Frühsommer; die Bewerbungsfrist endete Mitte Juni.
Ulrich Lenz, geboren am 23. Jänner 1970, studierte Musik- und Theaterwissenschaft sowie Kunstgeschichte in München, Berlin und Mailand. "Er begann als Dramaturgieassistent in Stuttgart von 1998 bis 2003", wie aus seinem biografischen Abriss hervorgeht. Es folgten Stationen als Operndramaturg am Landestheater Linz, wo er unter anderem für die Programmplanung der Neujahrskonzerte der Tiroler Festspiele Erl in den Jahren 2019 und 2021 verantwortlich zeichnete, sowie am Nationaltheater Mannheim bis 2005. Von 2006 bis 2011 war er "Chefdramaturg an der Staatsoper Hannover".
Ulrich Lenz: Stationen einer Opernkarriere
"In Berlin arbeitete er mit Beginn der Saison 2012/13 bis 2022 an der Seite von Intendant Barrie Kosky als Chefdramaturg am Wiederaufstieg der Komischen Oper", heißt es in der Beschreibung seiner Laufbahn. Mit Kosky zusammen gestaltete er die programmatische Neuaufstellung des Hauses nach einer Phase der Krise. Der Wechsel an die Spitze der Oper Graz im Jahr 2023 markierte seinen ersten Posten als Intendant.
In der zurückliegenden Spielzeit konnte Lenz mit seinem Team beachtliche Erfolge verbuchen. "Gute und vom Publikum gefeierte Produktionen wie 'Wozzek', 'A Midsummer Night's Dream' oder 'Der Rosenkavalier'" prägten die Saison. Auch die Ballettinszenierungen, hieß es weiter, "liefen gut". Die vergangene Saison habe damit gezeigt, dass das Haus am Opernring künstlerisch konsolidiert dastehe – auch wenn das Publikum in Graz mitunter als kritisch gilt.
Mit der Entscheidung für Hahn setzen die Bühnen Graz erneut auf eine Persönlichkeit, die das Haus bereits aus einer früheren Phase kennt. Zugleich ist die Personalie ein Signal für Kontinuität in der programmatischen Ausrichtung, die Lenz mit seinem Team eingeschlagen hatte. Wie Hahn die Oper Graz in den kommenden Jahren profilieren will, soll in den nächsten Monaten in ersten Programmentwürfen skizziert werden.
Die Übergangsphase zwischen den beiden Intendanzen wird durch die laufende Vertragslaufzeit von Lenz klar geregelt. Bis zum Ende der Saison 2027/28 bleibt Lenz im Amt, sodass eine zweijährige Phase der Übergabe und Programmplanung möglich ist. In dieser Zeit soll Hahn, die bis dahin noch in Leipzig tätig ist, das Grazer Haus nach eigenen Angaben bereits intensiver kennenlernen.
Kontinuität und Übergang bis 2028/29
Aus dem Umfeld der Bühnen Graz hieß es, man sehe der künftigen Zusammenarbeit mit großer Zuversicht entgegen. Die Personalentscheidung gilt als wichtige Weichenstellung für die zweite Hälfte des Jahrzehnts, in der sich die deutschsprachige Theaterlandschaft angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel weiter konzentrieren wird. Die Wahl einer erfahrenen Dramaturgin wie Hahn wird in Branchenkreisen auch als Bekenntnis zur programmatischen Substanz des Hauses gedeutet.
Die offizielle Bekanntgabe ist Teil eines längerfristigen Planungsprozesses, in den neben der Stadt Graz und dem Land Steiermark auch das Bundestheater-Konsortium eingebunden ist. Die Stadt als Eigentümerin hatte in den vergangenen Jahren mehrfach betont, dass bei der Nachbesetzung der Intendanz auf Kontinuität, künstlerische Qualität und ein ausgewogenes Programmprofil geachtet werde. Mit Hahn werde diesen Anforderungen Rechnung getragen, so die Beteiligten.
Ausblick auf die kommenden Spielzeiten
Der Amtsantritt Hahns fällt in eine Phase, in der die Oper Graz traditionell ihr Programm für die Ballsaison sowie den Spielzeitauftakt vorbereitet. Da sie bereits mit der Opernredoute vertraut ist, dürfte die Einarbeitung in den Grazer Veranstaltungskanon vergleichsweise zügig verlaufen. Eine erste offizielle Vorstellung ihres Programmkonzepts ist für die Spielzeit 2028/29 vorgesehen.
Für Lenz schließt sich mit dem Ende der Vertragslaufzeit 2028 ein Kapitel, das ihn von Stuttgart über Linz, Mannheim, Hannover und Berlin bis nach Graz geführt hat. Wie es für ihn nach Graz weitergeht, ist derzeit offen. Aus seinem Umfeld verlautete, er wolle sich nach der Saison 2027/28 neuen Projekten widmen. Eine Stellungnahme zu konkreten Plänen gab es zunächst nicht.
Fragen & Antworten
Wer ist Marlene Hahn und woher kommt sie?
Marlene Hahn ist eine deutsche Musikdramaturgin, die 1985 in Starnberg geboren wurde und zuletzt als Chefdramaturgin an der Oper Leipzig tätig war. Sie hatte bereits von 2015 bis 2022 an der Oper Graz gearbeitet.
Warum endet die Amtszeit von Ulrich Lenz vorzeitig?
Sein bis zum Ende der Saison 2027/28 laufender Fünf-Jahres-Vertrag wird nach Angaben der Bühnen Graz nicht verlängert. Gründe wurden öffentlich nicht im Detail genannt.
Wann genau übernimmt Marlene Hahn die Oper Graz?
Marlene Hahn wird die Oper Graz ab der Saison 2028/29 leiten, wie die Bühnen Graz in Graz in einer Pressekonferenz bekannt gaben.
Oper Graz: Marlene Hahn folgt 2028 auf Lenz | finanz360