Macrons letzte Nationalfeier: Große Militärparade in Paris mit deutlichen Signalen für die Ukraine
Paris, 14. Juli 2026
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Kurzfassung
Frankreich hat am 14. Juli 2026 seine größte Militärparade der Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron auf den Champs-Élysées abgehalten. An der Spitze marschierten 500 Soldaten aus der von Frankreich und Großbritannien angeführten Coalition of the Willing, darunter auch deutsche Kräfte. Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zählten zu den Gästen.
Frankreich hat am Dienstag, dem 14. Juli 2026, auf den Champs-Élysées in Paris seine bisher größte Militärparade anlässlich des Nationalfeiertags abgehalten; an der Spitze des Aufmarsches marschierten 500 Soldaten aus Mitgliedstaaten der Coalition of the Willing, Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gehörten zu den Gästen.
Mit fast 6.800 Uniformierten und einer deutlich erhöhten Zahl an Fahrzeugen übertraf die Parade nach Angaben des Élyséepalasts alle bisherigen Schauen unter dem scheidenden Präsidenten Emmanuel Macron. Eröffnet wurde der Zug von 500 Soldatinnen und Soldaten aus 30 europäischen Ländern, die gemeinsam mit 25 ukrainischen Militärangehörigen die Avenue hinabzogen. Die Parade stand im Zeichen der Unterstützung für die Ukraine und sollte nach den Worten des Präsidialamts die Wiederaufrüstung Frankreichs, dessen strategische Autonomie und ein „strategisches Erwachen Europas“ sichtbar machen.
Bundeskanzler Friedrich Merz gehörte zu den Ehrengästen auf der Tribüne, wie das Programm Deutschlandfunk am 14.07.2026 im Programm berichtete. Es ist das erste Mal seit 2019, dass wieder ein Bundeskanzler an der Pariser Parade teilnimmt – damals war es Angela Merkel. Deutschland war nach Angaben aus Paris mit vier Luftfahrzeugen und 21 Soldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt vertreten, das Teil der Deutsch-Französischen Brigade ist.
Merz als Ehrengast auf der Tribüne
Als Ehrengast und zentrale Figur der Veranstaltung würdigte Macron den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der gemeinsam mit rund 30 weiteren Staats- und Regierungschefs sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Ehrentribüne Platz nahm. Selenskyj dankte nach der Parade den ukrainischen Soldatinnen und Soldaten sowie Frankreich und allen Partnern, die der Ukraine zur Seite stehen: „Wir danken unseren Soldaten. Wir danken Frankreich und all unseren Partnern, die der Ukraine zur Seite stehen.“ Er beschrieb Macrons Einladung als Zeichen des Respekts und der Anerkennung der Stärke der Ukraine, ihrer Bevölkerung und ihrer Streitkräfte.
Für Macron ist es die letzte Parade im Amt. Da in Frankreich nur zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten erlaubt sind, tritt er nicht erneut an; Präsidentschaftswahlen stehen im Frühjahr 2027 an. Die Parade fiel damit auch mit einem Blick auf die Nachfolge zusammen. Im Élyséepalast wurde die Inszenierung am 14. Juli 2026 als letzte Militärparade dieser Größenordnung unter Macron bezeichnet.
Macrons letzte Parade im Amt
Im Vorfeld der Parade hatte Macron bei einem Treffen mit dem französischen Generalstab bekräftigt, Frankreich wolle Frieden und lehne jede Kriegstreiberei ab. Am Vorabend kamen Vertreterinnen und Vertreter der Coalition of the Willing, die Macron und der britische Premierminister Keir Starmer im Frühjahr 2025 initiiert hatten, zu einem Abendessen in Paris zusammen. Mit Moldau und Nordmazedonien wurden zwei neue Mitglieder aufgenommen. Auf einer Pressekonferenz kündigte Macron erste gemeinsame Manöver der Koalition an, dazu weitere Waffenlieferungen und eine Zusammenarbeit beim Raketenschutz.
Zugleich stellten zehn besonders engagierte Staaten – darunter Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich – eine „Anti-Ballistic-Front“ vor, um russische ballistische Raketen abzufangen, die schneller und schwieriger zu neutralisieren seien als Marschflugkörper. Das deutsch-ukrainische Luftabwehrsystem „Freya“ soll nach Angaben Selenskyjs früher einsatzbereit sein als angekündigt, allerdings erst Anfang 2027 vollständig verfügbar. Macron kündigte an, dass Frankreich ähnlich wie jüngst die USA bei Patriot-Systemen die Produktion französischer Marschflugkörper, Bomben und Flugabwehrraketen auf ukrainischem Boden ermöglichen wolle.
Manöver, Waffen und ein Anti-Ballistic-Programm
Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte in Paris, die Manöver sollten im Herbst dieses Jahres in Polen stattfinden, mit Truppen aus Frankreich, Großbritannien und Polen. Sie dienten dazu, die Koalition auf „konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorzubereiten“. Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz signalisierte Bereitschaft für eine dauerhafte Stationierung von Truppen aus Frankreich und Großbritannien. Bundeskanzler Merz äußerte sich am Montagabend in Paris nicht zu den angekündigten Manövern und verwies lediglich darauf, dass die Coalition of the Willing bereit sei, „eine wichtige Rolle“ bei Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand „in enger Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“ zu spielen. Zuvor hatte er Deutschlands Beitrag zu einer multinationalen Schutztruppe für die Ukraine offen gelassen.
Über der Avenue sorgten Mirage-Kampfjets mit franco-ukrainischen Besatzungen für Aufsehen – ein Modell, das Frankreich zuvor bereits an die Ukraine geliefert hatte. 55 ukrainische Soldatinnen und Soldaten nahmen nach Angaben aus Paris am Aufmarsch teil, 25 weitere marschierten auf der Avenue mit. Selenskyj bezeichnete die Einladung als „große Ehre“ für sein Land: „Es ist eine große Ehre für uns, hier zu sein“.
Mirage, Marschzahlen und ukrainische Beteiligung
Die Stimmung in den Straßen war indes auch von den Schatten der Vergangenheit geprägt. Am Abend des 14. Juli sollte in Nizza der Opfer des islamistischen Lkw-Anschlags vor zehn Jahren gedacht werden, bei dem 86 Menschen starben und mehr als 400 verletzt wurden. Macron und seine Vorgänger François Hollande und Nicolas Sarkozy sowie der monegassische Fürst Albert II. wurden zu der Gedenkveranstaltung in Nizza erwartet.
Frankreichs Nationalfeiertag erinnert an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, der als symbolischer Beginn der Französischen Revolution gilt. Die alljährliche Militärparade auf den Champs-Élysées ist einer der politisch aufgeladensten Termine des französischen Präsidenten. Dass in diesem Jahr erstmals seit 2019 wieder ein deutscher Kanzler anwesend war und mit 500 Soldatinnen und Soldaten aus rund 30 europäischen Staaten sowie 25 ukrainischen Kräften die größte ausländische Beteiligung überhaupt stattfand, unterstrich die Botschaft, die Macron setzen wollte: „die strategische Aufrüstung Frankreichs und das strategische Erwachen Europas“.
Gedenken an die Opfer von Nizza
Hintergrund der Inszenierung war auch die seit 2017 – seit Macrons erstem Amtsantritt – nahezu verdoppelte Verteidigungsausgaben Frankreichs. Macron nutzte die Parade, um die gewachsene militärische Leistungsfähigkeit sichtbar zu machen und zugleich die Solidarität der europäischen Staaten mit der Ukraine zu demonstrieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Tribüne waren vorwiegend die Staats- und Regierungschefs der Koalitionsländer; Macron und Starmer, die beiden Initiatoren der Coalition of the Willing, werden beide in absehbarer Zeit aus dem Amt scheiden.
Im Hintergrund blieb die Lage in der Ukraine selbst: Russland beschoss nach Angaben aus Kiew zivile Ziele in Kyjiw, Saporischschja und Charkiw; in der Nacht zum Dienstag griff die Ukraine unweit des Uralgebirges eine Erdölraffinerie an. Präsident Selenskyj erklärte, die effektiven US-amerikanischen Patriot-Abfangraketen gingen in der Ukraine zur Neige. Der russische Präsident Wladimir Putin ziehe einem Bericht zufolge einen Waffenstillstand nicht in Betracht.
Hintergrund: Verteidigungsausgaben und Außenpolitik
Die Pariser Militärparade war damit mehr als eine symbolische Truppenschau: Sie bündelte mehrere Signale – die europäische Aufrüstung, die Unterstützung der Ukraine und den Hinweis darauf, dass Macron in seinem letzten Amtsjahr noch einmal Akzente in der Sicherheits- und Außenpolitik setzen wollte.
Fragen & Antworten
Wer nahm an der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag 2026 teil?
An der Parade auf den Champs-Élysées nahmen nach Angaben des Élyséepalasts fast 6.800 Uniformierte teil, darunter 500 Soldatinnen und Soldaten aus 30 europäischen Ländern der Coalition of the Willing, 25 ukrainische Militärangehörige und 55 ukrainische Soldatinnen und Soldaten insgesamt. Zu den Gästen zählten Bundeskanzler Friedrich Merz, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und rund 30 weitere Staats- und Regierungschefs.
Welche militärischen Beschlüsse fasste Macron am Rande der Parade?
Macron kündigte erste gemeinsame Manöver der Coalition of the Willing in Nachbarländern der Ukraine an, weitere Waffenlieferungen sowie die Möglichkeit, französische Marschflugkörper, Bomben und Flugabwehrraketen auf ukrainischem Boden zu produzieren. Zugleich stellten zehn Staaten – darunter Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich – eine „Anti-Ballistic-Front“ vor.
Warum war die Parade auch innenpolitisch bedeutsam?
Da in Frankreich nur zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten erlaubt sind und Macron nicht erneut antritt, war die Parade am 14. Juli 2026 seine letzte im Amt; Präsidentschaftswahlen stehen im Frühjahr 2027 an.
Militärparade Paris 14. Juli 2026: Macron, Merz, Selenskyj | finanz360