Macron kündigt einsatzbereite Schutztruppe für die Ukraine an – erste Manöver im Herbst in Polen
Paris, 14 Juli 2026
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Kurzfassung
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat eine multinationale Schutztruppe für die Ukraine als operativ einsatzbereit bezeichnet. Polen richtet im Herbst die ersten Manöver der sogenannten Koalition der Willigen aus, an denen Frankreich und Großbritannien teilnehmen.
Paris, 14 Juli 2026
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass die geplante internationale Schutztruppe für die Ukraine einsatzbereit ist und im Herbst erste gemeinsame Manöver in Polen stattfinden sollen.
Macrons Ankündigung aus Paris
Macron sprach am Montagabend nach Beratungen mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem britischen Premierminister Keir Starmer von einer multinationalen Truppe, die nun operativ bereitstehe. Einzelne Armeen, Zeitpunkte oder konkrete Orte der Übungen nannte er zunächst nicht.
Die Manöver sollen nach seinen Worten zeigen, "dass wir bereit, entschlossen und glaubwürdig sind - zu Land, in der Luft und zur See". Frankreich hatte bereits im Januar die Bildung einer multinationalen Einsatztruppe mit beschlossen; Deutschland signalisierte damals ebenfalls Unterstützung.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk kündigte das geplante Manöver in Paris an. "Die polnischen Streitkräfte seien Teilnehmer und Gastgeber", berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP. Tusk nannte Truppen aus Frankreich und Großbritannien als internationale Teilnehmer der Übung.
Polen als Gastgeber der ersten Übung
Die Manöver sollten die Koalition auf "konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten", sagte Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge. Sie sollen demnach der Abschreckung dienen und in den Nachbarländern der Ukraine stattfinden.
Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte in Warschau, sein Land sei bereit für eine dauerhafte Stationierung von Truppen aus Frankreich und Großbritannien. "Wenn wir mehr Verantwortung für die NATO-Ostgrenze tragen, dann kommen die, die weit davon entfernt leben, nach Polen", sagte er.
Die polnisch-ukrainische Grenze ist mehr als 500 Kilometer lang und zugleich Außengrenze der Europäischen Union und der NATO. Die Manöver in Polen finden in einem unmittelbaren Nachbarland der Ukraine statt und unterstreichen die strategische Bedeutung des Landes für die Sicherheitsarchitektur in der Region.
Die sogenannte Koalition der Willigen plant eine multinationale, von Europa geführte und von den USA unterstützte Truppe. Sie soll nach einem Ende des russischen Angriffskrieges helfen, die Sicherheit der Ukraine zu gewährleisten. Zugleich könnte die Truppe nach den Vorstellungen ihrer Befürworter bei einem Waffenstillstand oder einem Friedensabkommen zwischen Kiew und Moskau zum Einsatz kommen."
Ziel: Sicherheitsgarantien für die Ukraine
Beim Treffen in Paris hatten Deutschland, Frankreich und weitere europäische Staaten unter anderem den Bau einer gemeinsamen Raketenabwehr mit der Ukraine beschlossen. Macron hatte zunächst am Montag über gemeinsame Übungen gesprochen, ohne den Ort zu präzisieren.
Bundeskanzler Friedrich Merz richtete in Paris zugleich eine direkte Botschaft an Russland: "Unsere Botschaft an Russland lautet daher: Es wird Zeit an den Verhandlungstisch zu kommen. Es wird Zeit, sich auf einen Waffenstillstand zu verständigen. Es wird Zeit, das unnötige Blutvergießen in der Ukraine zu beenden."
Russland und der festgefahrene Friedensprozess
Die Bemühungen um ein Kriegsende sind aber seit Monaten festgefahren. Russland setzt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine ununterbrochen fort. Tusk sagte in Paris, er erwarte, dass Russland unter Präsident Wladimir Putin den Konflikt mindestens bis zum Winter verlängern werde."
Angesichts der starren Haltung Russlands und Putins scheint es zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass in naher Zukunft ein Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen erreicht wird", erklärte Tusk nach Angaben von PAP. Ein rascher Frieden in der Ukraine sei aus seiner Sicht nicht zu erwarten.
Europäische Führung mit US-Unterstützung
Die Koalition der Willigen westlicher Unterstützerstaaten hatte am Vortag in Paris getagt und über weitere Schritte zur Unterstützung der Ukraine entschieden, darunter auch die Lieferung zusätzlicher Waffensysteme. Macron sprach danach erneut zur Öffentlichkeit, ohne die genauen Modalitäten der Übungen offenzulegen.
Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben, ebenso wie London und Paris. Bundesaußenminister Johann Wadephul reiste im Zuge der anhaltenden hybriden Bedrohungen aus Russland nach Norwegen, um sich unter anderem über Sicherheit in Nordeuropa und Herausforderungen in der Arktis auszutauschen.
Die geplante Truppe ist ausdrücklich als europäisch geführter Verband mit US-Unterstützung konzipiert. Damit bleibt die militärische Führung in Europa, während Washington logistische und nachrichtendienstliche Hilfe beisteuern soll.
Beobachter werten die Manöver als Signal an Moskau, dass die westlichen Verbündeten ihre Ankündigung aus dem Januar in die operative Realität umsetzen. Sie gelten als wichtiger Test für die Fähigkeit der Koalition, schnell verlegbare Einheiten zusammenzuziehen und gemeinsam zu führen.
Offene Fragen und Zeitplan
Wie Cai Rienäcker aus dem ARD-Studio Paris berichtete, bleiben viele Detailfragen offen. Unklar ist unter anderem, welche Streitkräfte genau an den Übungen teilnehmen werden und in welchem Umfang sie Personal und Material nach Polen verlegen.
Mit Blick auf den Herbst verbleibt nur ein knappes Zeitfenster für die Vorbereitung. Sollte das Manöver wie gezeigt stattfinden, wäre es das erste operative Signal der neuen Schutztruppe in unmittelbarer geographischer Nähe zur Ukraine und damit auch ein Gradmesser für die Entschlossenheit der westlichen Staaten.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Koalition der Willigen die eigenen Ankündigungen in konkrete Truppenverlegungen und gemeinsame Übungen umsetzen kann. Russland hat bisher jede westliche Militärpräsenz in der Region als Provokation zurückgewiesen.
Sollte Russland auf die Manöver mit einer Eskalation reagieren, droht der ohnehin festgefahrene Konflikt weiter zu eskalieren. Sollte Moskau hingegen erneut an den Verhandlungstisch zurückkehren, könnten die Übungen als Druckmittel in künftigen Gesprächen dienen.
Fragen & Antworten
Was hat Emmanuel Macron zur Schutztruppe für die Ukraine angekündigt?
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am Montagabend erklärt, die geplante internationale Schutztruppe für die Ukraine sei operativ einsatzbereit. Er kündigte erste gemeinsame Manöver in Nachbarländern der Ukraine an, nannte aber weder konkrete Armeen noch Orte.
Welche Rolle spielt Polen bei den geplanten Manövern?
Polen richtet nach Angaben von Ministerpräsident Donald Tusk die ersten Manöver der Koalition der Willigen im Herbst aus. Die polnischen Streitkräfte sind zugleich Teilnehmer und Gastgeber; Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte sein Land bereit für eine dauerhafte Stationierung französischer und britischer Truppen.
Warum rechnet Donald Tusk nicht mit einem schnellen Frieden in der Ukraine?
Tusk verwies auf die starre Haltung Russlands und Präsident Wladimir Putins. "Angesichts der starren Haltung Russlands und Putins scheint es zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass in naher Zukunft ein Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen erreicht wird", sagte er in Paris.