Klinikreform in Brandenburg: Potsdam bündelt Leistungen, Beschäftigte sorgen sich um ihre Zukunft
Potsdam, 25. Juli 2026
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Kurzfassung
Im Zuge der Krankenhausreform verlagern Potsdamer Kliniken Fachabteilungen, um die Versorgung zu konzentrieren. Rund 50 Beschäftigte des St. Josefs-Krankenhauses sind betroffen, Ärzte und Hebammen befürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes.
Im Zuge der bundesweiten Krankenhausreform bündeln die Potsdamer Kliniken ihre Fachabteilungen, wodurch am St. Josefs-Krankenhaus rund 50 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.
Die Krankenhausreform trifft Potsdam mit voller Wucht: Wie das Klinikum Ernst von Bergmann mitteilte, werden am St. Josefs-Krankenhaus die Neurologie, die Frauenheilkunde und die Geburtshilfe geschlossen und vom Bergmann-Klinikum übernommen. "Im St. Josefs schließen Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die das Bergmann-Klinikum übernimmt", hieß es aus dem Klinikum. Im Gegenzug wechseln die Orthopädie zur Oberlinklinik in Potsdam-Babelsberg und die Gefäßchirurgie zum Alexianer St. Josefs-Krankenhaus.
Von den Umstrukturierungen sind am St. Josefs-Krankenhaus rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, wie das Klinikum weiter erklärte. "Am St. Josefs-Krankenhaus sind rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter... betroffen", zitierte die Nachrichtenagentur dpa. Ärzte und Hebammen, die etwa zwei Drittel der Betroffenen ausmachten, hätten derzeit keine Perspektive für eine weitere Beschäftigung im Haus. Am Klinikum Ernst von Bergmann selbst seien zwölf ärztliche Stellen von den Veränderungen in Orthopädie und Gefäßchirurgie betroffen, Entlassungen seien möglich, sofern es keine "alternativen Einsatzmöglichkeiten" gebe.
Verlagerungen im Detail
Auch am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen ab: Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin hatte angekündigt, Ende Juli 2026 zuzumachen. Zudem hatte das Krankenhaus Strausberg im Landkreis Märkisch-Oderland seine Geburtshilfe bereits nach Rüdersdorf verlagert.
Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke, der Mitglied der SPD ist, sieht in der Bündelung einen klaren Gewinn für die Patientenversorgung. "Potsdam etwa wird dadurch eine qualitativ sicherere und bessere Gefäßchirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie und Geburtsstation haben als bisher", sagte Wilke. Man müsse allerdings zwischen komplexen, planbaren Eingriffen und der Notfallversorgung unterscheiden: "Diese werde natürlich aufrechterhalten. Potenzielle sinnvolle Synergien müssten aber genutzt werden." Der Minister betonte zugleich: "Es werden alle Leistungen fortgeführt. Es geht nichts verloren." Außerdem kündigte er an, dass für die Babyklappe, deren Betrieb eingestellt worden war, eine Lösung gefunden werden solle.
Minister Wilke sieht Vorteile für die Versorgung
Gleichzeitig räumte Wilke ein, dass die Reform den Beschäftigten einiges abverlange. "Die Krankenhausreform sei keine Entwicklung, die die Dinge erleichtere", sagte er. Das Ziel sei es, "die Orte der regionalen Gesundheitsversorgung zu sichern". In Potsdam seien Versorgungssicherheit und Qualität in den Mittelpunkt gerückt worden.
Die Klinikleitung begründete das Vorgehen strukturell: Die Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus hatte bereits zuvor ihre Arbeit eingestellt, weil Personal fehlte. Michael Jacob, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg, erklärte zudem: "Eine Geburtshilfe könne es künftig nur noch mit Kinderarzt geben, der fehle aber bisher im St. Josefs-Krankenhaus."
Jacob verwies auf den wachsenden wirtschaftlichen Druck: "Die Drucksituation, die jetzt auf den Krankenhäusern lastet, nimmt sozusagen täglich zu." Zur Krankenhausreform komme das Sparpaket bei der gesetzlichen Krankenversicherung hinzu – und dies "vor dem Hintergrund sinkender Geburten und einer steigenden Zahl älterer Menschen". Die Reform solle laut Bundesgesetzgeber Kosten senken und die Qualität der Versorgung erhöhen.
Kritik aus der Opposition und vom Personal
Kritik kam von der Opposition im Landtag. Daniela Oeynhausen, gesundheitspolitische Sprecherin der AfD, sprach von einem katastrophalen Umgang mit den Beschäftigten. "Offensichtlich sollten hier unter dem Radar im Sommerloch unpopuläre Entscheidungen durchgedrückt werden… den Umgang mit den Mitarbeitern als 'Katastrophe'", kritisierte sie. Zugleich verwies sie darauf, dass mehrere Hundert Menschen gegen die Pläne protestiert hätten.
Landtag befasst sich in Sondersitzung
Vor diesem Hintergrund befasste sich der Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags in einer Sondersitzung mit den Schließungen an den beiden großen Potsdamer Krankenhäusern. Die Abgeordneten wollten dabei vor allem die Auswirkungen auf die Beschäftigten und die künftige Versorgungsstruktur erörtern.
Die Sorgen der Belegschaft bleiben trotz aller Beteuerungen der Landesregierung groß. Wilke selbst bezeichnete die Reform zwar als "keine Entwicklung, die die Dinge erleichtere", sprach aber von einer höheren Versorgungsqualität. Ob diese Einschätzung von Ärzten, Hebammen und Pflegekräften am St. Josefs-Krankenhaus geteilt wird, ist offen. Vielen Beschäftigten fehlt nach eigener Aussage derzeit eine konkrete Anschlussperspektive.
Insgesamt verdeutlicht der Fall, wie stark der Strukturwandel in der stationären Versorgung Brandenburg erfasst. Die Landeskrankenhausgesellschaft und die Klinikleitungen verweisen auf notwendige Spezialisierungen, während Gewerkschaften, Beschäftigte und Kommunalpolitik vor Ort den Verlust wohnortnaher Angebote und den Verlust von Arbeitsplätzen beklagen.
Hintergrund der Reform ist eine bundesweit geltende Neuausrichtung der Krankenhauslandschaft. Mit der Reform soll jede Klinik künftig genau die Eingriffe anbieten, für die sie personell und technisch ausgestattet ist – statt ein möglichst breites Spektrum abzudecken. In Potsdam führt das zu einer Arbeitsteilung zwischen Bergmann-Klinikum, St. Josefs und Oberlinklinik, die nach Darstellung des Klinkums die Notfallversorgung nicht einschränkt.
Der Umbau berührt mehrere Stadtteile und Landkreise zugleich. Neben den Potsdamer Häusern sind Kliniken in Strausberg, Ludwigsfelde-Teltow und Rüdersdorf betroffen. Damit verändert sich die Versorgungslandschaft in einem weiten Umkreis, zumal Geburtshilfe und Pädiatrie zwei besonders sichtbare Bereiche der Grundversorgung sind.
Auswirkungen auf Beschäftigte und Region
Für die rund 50 Beschäftigten am St. Josefs-Krankenhaus bedeuten die Entscheidungen, dass sie sich kurzfristig auf neue Träger, andere Standorte oder den Verlust ihres Arbeitsplatzes einstellen müssen. Die Klinikleitung sprach von laufenden Gesprächen über alternative Einsatzmöglichkeiten, ohne Zahlen zu nennen, wie viele dieser Stellen am Ende tatsächlich erhalten bleiben.
Hintergrund: Ziele der Krankenhausreform
Parallel zu den deutschen Debatten wird in Italien derzeit eine andere Facette des Klimawandels im Gesundheitswesen sichtbar. Die italienische Gesellschaft für Notfall- und Akutmedizin Simeu wies darauf hin, dass die hitzebedingte Mortalität bei Menschen über 65 Jahren in Italien in den vergangenen zwanzig Jahren um 54 Prozent gestiegen ist. Hitzschlag, so Mario Guarino, nationaler Vizepräsident von Simeu und Direktor der Notfallmedizin am CTO-Krankenhaus in Neapel, sei "eine zeitabhängige Notfall, genau wie der Herzinfarkt oder der Schlaganfall, hat aber noch kein Netz, das ihn als solchen behandelt". Simeu habe deshalb ein Protokoll erarbeitet, das mit einem "Percorso Calore" landesweit einheitliche Wege für die Erkennung und Behandlung von Hitzepatienten definieren soll, und habe dem italienischen Gesundheitsministerium angeboten, die Inhalte in die operativen Sommervorgaben zu integrieren.
Für die Brandenburger Kliniklandschaft bleibt vorerst offen, wie die Landesregierung den Spagat zwischen Qualitätssteigerung und Beschäftigtenschutz langfristig absichern will. Minister Wilke verwies lediglich darauf, dass alle Leistungen fortgeführt würden und die Reform die regionale Versorgung sichern solle – während der Protest auf der Straße und die Sondersitzung im Landtag zeigen, dass diese Botschaft noch nicht überall angekommen ist.
Fragen & Antworten
Welche Abteilungen verlagert die Potsdamer Klinikreform?
Am St. Josefs-Krankenhaus schließen Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe; die Orthopädie wechselt zur Oberlinklinik, die Gefäßchirurgie zum Alexianer St. Josefs-Krankenhaus.
Wie viele Beschäftigte sind am St. Josefs-Krankenhaus betroffen?
Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen, wobei Ärzte und Hebammen etwa zwei Drittel ausmachen – für sie gibt es laut Klinik derzeit keine Perspektive für eine weitere Beschäftigung.
Was sagt Gesundheitsminister Wilke zur Reform?
Wilke erklärte, dass alle Leistungen fortgeführt würden und Potsdam künftig eine qualitativ sicherere Gefäßchirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie und Geburtsstation haben werde, räumte aber ein, dass die Reform den Beschäftigten einiges abverlange.