Kap Verde ringt Uruguay 2:2 ab und wahrt Chance auf das Achtelfinale
Miami, 22. Juni 2026
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Kurzfassung
Kap Verde hat beim ersten WM-Auftritt in der Geschichte des Landes auch gegen Uruguay nicht verloren und durch ein 2:2 (1:2) die Chance auf den Einzug ins Achtelfinale gewahrt. Kevin Pina per Freistoß und der eingewechselte Helio Varela trafen für den Außenseiter, während Uruguay durch Maxi Araujo und Agustin Canobbio zwischenzeitlich führte. Für Wirbel sorgte eine Fair-Play-Szene um Federico Viñas.
Die kapverdische Nationalmannschaft hat bei ihrer ersten WM-Teilnahme auch das zweite Gruppenspiel gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay nicht verloren und durch ein 2:2 (1:2) in Miami die Chance auf das Achtelfinale der WM 2026 gewahrt.
Die Mannschaft von Trainer Pedro Leitão Brito, genannt Bubista, gilt als eine der großen Überraschungen dieses Turniers. Nach dem 0:0 zum Auftakt gegen Europameister Spanien zeigte das Team der "Blauen Haie" auch gegen Uruguay eine reife Leistung und holte den zweiten Punkt in Gruppe H. Bubista sprach nach dem Spiel von einem Erfolg, der dem Selbstverständnis seiner Mannschaft entspreche: "Seit dem Beginn des Turniers sage ich: Wir wollen auf dem höchstmöglichen Level mithalten. Das haben wir jetzt zweimal geschafft. Und jetzt wollen wir einen zweiten Traum erfüllen: Uns für die K.-o.-Runde zu qualifizieren."
Kap Verde, ein Inselstaat mit weniger als 600.000 Einwohnern vor der westafrikanischen Küste, ist nach Curaçao und Island das drittkleinste Land, das jemals an einer WM-Endrunde teilgenommen hat. Die Mannschaft steht in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 67 und trat bislang nur bei großen Turnieren der Region hervor. Dass die Auswahl dennoch mithalten kann, liegt nach Einschätzung des Passauer Ethnologen Christian Ungruhe an der breiten Streuung der Spieler: "Viele Spieler kommen früh mit europäischen Spitzenklubs in Kontakt und werden auf einem entsprechend hohen Niveau ausgebildet, insofern überrascht mich dieser Erfolg gar nicht mal so sehr."
Pinas Freistoß als historischer Moment
Der erste Treffer der Kapverdianer bei einer WM-Endrunde war gleichzeitig der Höhepunkt des Abends: In der 21. Minute, andere Quellen datieren den Treffer auf die 29. Minute, schlückte Kevin Pina einen direkten Freistoß aus rund 30 Metern über die Mauer und zum 1:0 ins Tor. Der 29-Jährige, der beim russischen Klub FK Krasnodar unter Vertrag steht, suchte nach dem Treffer seine Tochter auf der Tribüne und beschrieb seine Gefühle mit einem einzigen Wort: "Stolz, Stolz, Stolz!"
Uruguay, das nach den Erfahrungen früherer Jahrzehnte vor allem dank seines Trainers Marcelo Bielsa als fairer Wettbewerber auftritt, schlug jedoch zurück. In der 44. Minute glich Maxi Araujo aus, nur wenige Sekunden vor der Pause erhöhte Agustin Canobbio in der sechsten Minute der Nachspielzeit auf 2:1 für die Südamerikaner. Für Uruguay, das nach Spanien (4 Punkte) mit 2 Punkten Zweiter der Gruppe H ist, war es das Ergebnis einer Halbzeit, in der zwei Gegentore binnen sieben Minuten kassiert wurden.
Varelas Traumtor und Uruguays Aussetzer
Nach dem Seitenwechsel kam Helio Varela, der erst wenige Minuten zuvor eingewechselt worden war, in der 61. Minute zum Ausgleich. Uruguays Verteidiger Mathias Olivera spielte den Ball ohne Druck zu Varela, der das Geschenk annahm. Uruguays Torhüter Fernando Muslera hatte seinen Kasten unnötig verlassen und kam einen Schritt zu spät. Für Varela, der erst 24 Jahre alt ist und bei SC Portimonense in Portugal spielt, war es das erste Tor im Trikot der Nationalmannschaft – und die Erfüllung eines Traums: "Davon habe ich immer geträumt, aber ich hätte nie gedacht, dass es auf diese Weise passieren würde."
In der 70. Minute hatte Uruguay noch eine vermeintliche Chance auf den Siegtreffer, als eine Ecke von Kap Verdes Torhüter Vózinha an den Pfosten gelenkt wurde und Maxi Araujo aus kurzer Distanz traf. Schiedsrichter und Videoschiedsrichter erkannten jedoch auf Abseits und gaben den Treffer nicht. Für den 40-jährigen Schlussmann, dessen Vertrag bei GD Chaves in Portugal nicht verlängert wurde und der aktuell vereinslos ist, war es dennoch ein denkwürdiger Abend: Seine Social-Media-Followerzahl wuchs während des Turniers nach FIFA-Angaben von rund 50.000 auf 15,3 Millionen.
Fair-Play-Debatte um Viñas und Bielsa
Für Aufsehen sorgte eine Szene in der ersten Halbzeit, als Kap Verdes Telmo Arcanjo mit einem Krampf am Boden lag und Uruguays Stürmer Federico Viñas zunächst zu Hilfe eilte. Als sich jedoch abzeichnete, dass sein eigenes Team eine aussichtsreiche Chance entwickelte, ließ er den am Boden liegenden Gegenspieler stehen und sprintete in den Strafraum. Viñas rechtfertigte sein Verhalten nach dem Spiel: "Mein Gegenspieler brauchte mich. Aber mein Team brauchte mich noch mehr." Kap Verdes Trainer Bubista zeigte sich verärgert und erinnerte an die Reputation des uruguayischen Trainers: "Ich war verärgert über diese Szene. Denn Marcelo Bielsa (Uruguays Trainer) lebt uns in jeder Pressekonferenz und in jedem Spiel Fair Play vor. Von ihm haben wir alle gelernt, was Fair Play bedeutet." Bubista habe Bielsa darauf angesprochen, jedoch keine Antwort erhalten.
Der Hintergrund der Kontroverse reicht bis ins Jahr 2019 zurück, als Bielsa, damals Trainer von Leeds United, seine Mannschaft angewiesen hatte, Aston Villa nach einer Verletzung eines Gegenspielers ein Tor ohne Gegenwehr zu gestatten. Dafür wurde Bielsa später mit dem FIFA-Preis für Fair Play ausgezeichnet.
Ausblick: Endspiel gegen Saudi-Arabien
Kap Verde kann am dritten und letzten Gruppenspieltag gegen Saudi-Arabien, der am 27. Juni um 2 Uhr MEZ stattfindet, mit einem Sieg erstmals in das Achtelfinale einer WM einziehen. Sollte Uruguay parallel gegen Spanien verlieren oder weniger Tore erzielen als die Kapverdianer, würde das Team sogar als Gruppensieger in die K.-o.-Runde gehen. Kapitän Kevin Pina blickte nach dem Spiel bereits voraus: "Jetzt geht es darum, unserem Volk weiter Freude zu bereiten."
Bubista, der das Team seit sechs Jahren betreut und Spieler mit kapverdischer Herkunft weltweit scoutet, sieht in dem bisherigen Abschneiden den Beweis für die Reise seiner Auswahl: "Egal, wie klein du auch bist, wenn du den Willen hast, für das zu kämpfen, was du haben willst, dann erreichst du es auch meistens." Roberto Lopes, in Dublin geborener Innenverteidiger von Shamrock Rovers, sprach von einer besonderen Geschichte: "Das ist eine verrückte Story."
Persönliche Geschichten: Vózinha und die Diaspora
Für Vózinha, dessen Spitzname "Großmütterchen" bedeutet und der als Kind zu seiner Großmutter ging, wenn er von anderen Kindern gehänselt wurde, war der Abend in Miami auch ein persönliches Highlight. Seine Mutter, die beim Spiel gegen Spanien wegen eines nicht bezahlbaren Visumbetrags nicht einreisen durfte und eine Videobotschaft geschickt hatte ("Seid stark und mutig, blaue Haie! Ich möchte, dass ihr gut spielt und glänzt. Glaubt an euch, dann wird alles gut."), war diesmal live im Stadion dabei – es war das erste Mal, dass sie die kapverdischen Inseln verlassen hatte.
Kap Verde ist seit 1975 unabhängig von Portugal und gilt als eines der Länder mit der höchsten Diaspora-Quote weltweit: Mehr Kapverdianer leben im Ausland als auf den Inseln selbst. Diese Verteilung spiegelt sich auch im Kader wider: Während Uruguay auf Spieler wie Fede Valverde von Real Madrid und Mathias Olivera von SSC Napoli zurückgreifen kann, spielen viele Akteure der "Blauen Haie" in unteren europäischen Ligen, etwa in Irland, Finnland oder der zweiten portugiesischen Liga. Ein bekannter Name fehlt im Aufgebot: Tiago Manuel Dias Correia, genannt Bebé, der zwischen 2010 und 2014 für Manchester United spielte und aktuell bei UD Ibiza in der dritten spanischen Liga unter Vertrag ist, wurde nicht nominiert.
Die Reaktion auf den couragierten Auftritt fiel auch international wohlwollend aus. The Guardian bezeichnete die Mannschaft als "Underdog-Helden der WM". In das Bild passt, dass Spieler wie Varela, der vor rund drei Jahren eine Nominierung für den Afrika-Cup abgelehnt hatte, um seinem Verein SC Portimonense im Abstiegskampf zu helfen, nun zum Helden eines historischen Abends wurden.
Kontext: Die WM mit 48 Nationen
Neben dem sportlichen Geschehen sorgte auch eine Äußerung von UEFA-Präsident Aleksander Čeferin für Aufsehen, der die WM mit 48 Nationen als Quelle "völlig uninteressanter Spiele" bezeichnet hatte. Fußballverbände aus Afrika, Asien und der Karibik, unterzeichnet auch vom kapverdischen Verband, wiesen die Aussage in einer gemeinsamen Erklärung zurück: "Wir weisen diese Äußerungen respektvoll, aber entschieden zurück" und "Wir sind überzeugt, dass jede qualifizierte Nation Respekt verdient."
In einem parallelen Gruppenspiel in Atlanta hatte Spanien zuvor seine Pflichtaufgabe erfüllt: Nach dem 0:0 gegen Kap Verde zum Auftakt besiegten die Iberer ihren Gruppengegner, unter anderem durch Tore von Lamine Yamal (10.) und einem Eigentor von Hassan Al-Tambakti (49.). Spanien führt die Gruppe H mit vier Punkten vor Uruguay und Kap Verde (je 2) sowie Schlusslicht Saudi-Arabien (1) an.
Fragen & Antworten
Wie konnte Kap Verde gegen Uruguay ein 2:2 erreichen?
Kap Verde ging durch Kevin Pinas direkten Freistoß in Führung, kassierte vor der Pause noch zwei Gegentore durch Maxi Araujo (44.) und Agustin Canobbio (45.+6), glich aber durch den eingewechselten Helio Varela in der 61. Minute aus. Uruguay verschuldete den Ausgleich durch einen Ballverlust von Mathias Olivera und ein zu spätes Eingreifen von Torhüter Fernando Muslera.
Wer ist der Trainer der kapverdischen Nationalmannschaft?
Cheftrainer ist Pedro Leitão Brito, genannt Bubista, 56 Jahre alt und seit sechs Jahren im Amt. Er scoutet weltweit Spieler mit kapverdischen Wurzeln und baute damit den Kader für die erste WM-Teilnahme des Landes auf.
Wie kann Kap Verde das Achtelfinale erreichen?
Kap Verde hat nach zwei Spielen zwei Punkte und trifft am 27. Juni um 2 Uhr MEZ auf Saudi-Arabien, das Tabellenletzter ist. Mit einem Sieg wäre der Einzug in die K.-o.-Runde sicher; bei gleichzeitiger Niederlage oder einem ungünstigeren Torverhältnis von Uruguay gegen Spanien würde Kap Verde sogar Gruppensieger.
Kap Verde – Uruguay 2:2: WM-Debüt, Fair-Play-Eklat und | finanz360