Iran kündigt erneute Schließung der Straße von Hormus an und unterläuft das Rahmenabkommen mit den USA
Teheran, 20 Juni 2026
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Kurzfassung
Die iranischen Revolutionsgarden haben die erneute Sperrung der Straße von Hormus bekannt gegeben und damit das kurz zuvor mit den USA unterzeichnete Rahmenabkommen unterlaufen. JD Vance bestritt daraufhin einen Stillstand der Schifffahrt, während zugleich aus dem Libanon mindestens 35 Tote bei israelischen Angriffen gemeldet wurden.
Teheran, 20 Juni 2026
Die iranischen Revolutionsgarden haben am Samstag die erneute Schließung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr angekündigt und damit das am Mittwoch mit den USA unterzeichnete Rahmenabkommen offenbar gebrochen.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten in einer Mitteilung: "Hiermit wird bekannt gegeben, dass die Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr geschlossen wird". Die Sperrung sei ein "erster Schritt", hieß es aus Teheran weiter. Sollte die "Aggression" fortgesetzt werden, würden weitere Maßnahmen ergriffen, um "den Feind zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu zwingen". Damit unterläuft Iran das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen mit den USA, in dem es ausdrücklich heißt, dass "der Verkehr von Handelsschiffen sofort wieder aufgenommen wird".
Eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Meerengen der Welt: Rund 20 Prozent des globalen Energiehandels werden über diese Passage abgewickelt. Der Iran hatte die Meerenge bereits nach Kriegsbeginn am 28. [Datum im Originaltext unvollständig] gesperrt. Die erneute Ankündigung einer Schließung wiegt umso schwerer, als die Vereinigten Staaten und Iran unter Vermittlung Katars und Pakistans ein Rahmenabkommen ausgehandelt hatten, das binnen 60 Tagen zu einem endgültigen Friedensvertrag führen soll.
Überraschend optimistisch gab sich zur selben Zeit JD Vance gegenüber dem US-Sender Fox News: Donald Trumps Vize verneinte die Berichte über die erneute Sperre der Straße von Hormus, dafür gebe es "keine Beweise", sagte er. Gleichzeitig sprach er wohlwollend über die Reise der US-Unterhändler und den "Erfolg" des US-Präsidenten, der "alle Karten in der Hand" habe. Er kündigte Gespräche mit dem Iran am Sonntag an und erklärte, er gehe "davon aus, dass ich irgendwann in den nächsten Tagen abreisen werde" – möglicherweise in die Schweiz.
Widerspruch aus Washington
Als wolle man Vance' Widerspruch unterstreichen, meldete das US-Zentralkommando (CENTCOM) ebenfalls am Samstagnachmittag einen Anstieg des kommerziellen Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Demnach hätten 55 Handelsschiffe die Route passiert und "mehr als 17 Millionen Barrel Öl auf die Weltmärkte transportiert". Das Militär sei weiter vor Ort, um sicherzustellen, dass sämtliche Abmachungen des Rahmenabkommens "eingehalten, befolgt und in vollem Umfang umgesetzt werden".
Auch US-Präsident Trump äußerte sich am Samstag: Während der 60 Tage geltenden Waffenruhe im Zuge der Rahmenvereinbarung mit Iran werde es in der wichtigen Meerenge "keine Maut geben", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Zugleich schränkte er ein: "Es sei denn, sie werden von den Vereinigten Staaten von Amerika und zu deren Gunsten erhoben, falls die Vereinbarung nicht zustande kommt – und zwar für Dienstleistungen, die sie als 'Schutzengel' der Länder des Nahen Ostens erbracht haben, zum Zwecke der Erstattung von Kosten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Sollte also kein finales Friedensabkommen zustande kommen, könnten sich die USA so ihre Dienste vergüten lassen.
Trump droht mit US-Maut
Parallel zur Auseinandersetzung um die Meerenge hält die Gewalt im Libanon an. Seit Freitag 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr/MESZ) soll laut einem US-Regierungsbeamten eigentlich eine Waffenruhe im Libanon gelten. Doch libanesische Medien berichten über zahlreiche israelische Luftangriffe mit mindestens 35 Toten am Samstag. Allein in der Stadt Nabatieh, die als Hisbollah-Hochburg gilt, wurden laut libanesischem Zivilschutz 16 Leichen geborgen.
Bei einem Luftangriff auf die Stadt Qennarit wurden laut Gesundheitsministerium mindestens sieben Menschen getötet und 13 weitere verletzt. Bereits am Freitag sollen laut Ministerium 83 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden sein. Auch ein israelischer Stabsfeldwebel sei "im Kampf gefallen", teilte Israels Armee am Samstag mit.
Gewalt im Libanon hält an
Benjamin Netanjahu hatte bereits am Freitag klargestellt, man werde "keinen Angriff auf unsere Soldaten oder unser Territorium hinnehmen". Die israelische Armee stellt Berichten zufolge ihre Angriffe im Libanon außerhalb einer von ihr einseitig ausgerufenen "Sicherheitszone" ein. Netanjahu hatte diese Zone als Barriere zwischen der Hisbollah-Miliz im Libanon und den Bürgern und Gemeinden in Nordisrael bezeichnet. Die Hisbollah-Miliz ist der wichtigste Verbündete des Irans in der Region.
Der Hisbollah-Parlamentsabgeordnete Hassan Fadlallah erklärte am Samstag, seine Gruppe habe "das volle Recht, diesen Feind zu bekämpfen, wenn er uns angreift". Die Geschosse, die die Hisbollah in der Nacht auf israelische Truppen im Süden des Libanon abgeschossen hatte, zählten aus Sicht der schiitisch-islamistischen Miliz offenbar nicht – genauso wie die israelische Armee ihre Luftangriffe nicht als Vertragsbruch wertete. Der Libanon meldete mindestens 23 Tote.
Die iranische Nachrichtenagentur IRNA zitierte den iranischen Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei mit den Worten, die am Samstag abgereiste Delegation werde "die Einhaltung der Verpflichtungen der anderen Seite im Rahmen des Abkommens überwachen und einfordern". "Die andere Seite muss so schnell wie möglich die notwendigen Maßnahmen ergreifen", sagte Baghaei über die USA. Andernfalls gerate "die gesamte Vereinbarung in Gefahr".
Iran in der Machtposition
Machtposition Ob geschlossen oder nicht: Der Iran hat allein durch die Ankündigung einen Trumpf ausgespielt. Er befindet sich, entgegen Vance' Sicht, mit der Kontrolle über die Straße von Hormus in einer Machtposition. "Allein die Drohung mit einer Schließung könnte ausreichen, um die Schifffahrt abzuschrecken und abermals erhebliche Störungen zu verursachen, ohne dass Teheran nennenswerte Kosten entstehen", schrieb die Sicherheitsanalystin Nitya Labh vom Londoner Thinktank Chatham House nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens.
Vance zeigte sich vor seinem Abflug zuversichtlich: "Ich denke, wir werden hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage der Waffenruhe im Libanon vorankommen". Er betonte: "Wir geben diesen Verhandlungen eine Chance". Zugleich räumte er ein, dass es "immer ein heikles Unterfangen" sei und die diplomatischen Protokolle beachtet werden müssten.
Ausblick auf weitere Verhandlungen
Das pakistanische Außenministerium bestätigte, dass es am Sonntag Gespräche zwischen den USA und dem Iran geben könnte. Das unter Vermittlung Katars und Pakistans ausgehandelte Rahmenabkommen sieht vor, binnen 60 Tagen einen endgültigen Vertrag für eine umfassende Friedenslösung auszuhandeln. Die kommenden Tage dürften zeigen, ob die Konfliktparteien den eingeschlagenen diplomatischen Weg tatsächlich weiterverfolgen – oder ob die Straße von Hormus zum Symbol eines erneuten Scheiterns wird.
Die Geschehnisse verdeutlichen die Fragilität des gerade erst erzielten Kompromisses: Während Washington den wirtschaftlichen Druck mit der Aussicht auf Mautgebühren erhöht, setzt Teheran auf die Hebelwirkung seiner geographischen Lage. Die Hisbollah im Libanon sieht sich durch den anhaltenden Beschuss in einer Verteidigungsposition. Eine endgültige Klärung der Lage wird erst nach den angekündigten Gesprächen am Sonntag erwartet.
Fragen & Antworten
Wer hat die erneute Schließung der Straße von Hormus angekündigt?
Die iranischen Revolutionsgarden haben am Samstag in einer Mitteilung erklärt, dass die Meerenge für den Schiffsverkehr geschlossen werde, und dies als "ersten Schritt" bezeichnet.
Was hat JD Vance zu den Berichten gesagt?
JD Vance bestritt gegenüber dem US-Sender Fox News die Berichte über eine erneute Sperrung der Meerenge, es gebe "keine Beweise" dafür, und zeigte sich zugleich optimistisch hinsichtlich der laufenden Verhandlungen.
Welche Vorgaben enthält das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran?
Das unter Vermittlung Katars und Pakistans ausgehandelte Abkommen sieht vor, dass der Handelsschiffsverkehr sofort wieder aufgenommen wird und binnen 60 Tagen ein endgültiger Friedensvertrag ausgehandelt werden soll.
Iran schließt Straße von Hormus – Widerspruch zu | finanz360