Die iranische Justiz will rechtlich gegen Fußballfans vorgehen, die beim WM-Spiel des Iran gegen Neuseeland am Montag (Ortszeit) die Nationalhymne missachtet und kritische Slogans gerufen haben.

Ankündigung der Justiz

Die Justiz des Iran will gegen Fußballfans des Iran rechtlich vorgehen, die am Montag (Ortszeit) beim WM‐Spiel gegen Neuseeland die Nationalhymne missachtet und kritische Slogans gerufen haben. Wie das Regime am Dienstag mitteilte, sollen identifizierte Fans im Iran Vermögenswerte entzogen bekommen.

Aufgebrachte Pfiffe begleiteten die Hymne, die eigentlich als Moment der Andacht gilt. Während der iranischen Nationalhymne, eigentlich ein Moment der Andacht bei Fußballspielen, waren laute Pfife zu hören. Die iranischen Spieler stellten sich derweil gemeinsam im Mittelkreis auf und legten die Hände auf die Brust.

Pfeifkonzerte und politische Botschaften

Laut dem Nachrichtenportal Nour News, das dem iranischen Sicherheitsrat nahesteht, seien viele der protestierenden Fans bereits identifiziert. Ihnen drohen die nach den geltenden Gesetzen und Vorschriften höchstmöglichen Strafen. Konkret kündigte die Justiz an, dass identifizierten Fans im Iran Vermögenswerte entzogen werden sollen.

Auch bei den nächsten beiden WM‐Spielen will die Justiz gegen "Störenfriede" rechtliche Schritte einleiten und ähnliche Strafen verhängen. Die iranische Mannschaft trifft im Turnier noch auf Belgien in Los Angeles und auf Ägypten in Seattle.

Im Stadion in Inglewood, Kalifornien, versammelten sich Anhänger und Gegner des Kurses Teherans. Zu sehen waren sowohl die aktuelle iranische Fahne als auch die ältere aus der Zeit vor der Islamischen Revolution. Letztere wird als Symbol der Opposition angesehen, die in der südkalifornischen Diaspora viele Anhängerinnen und Anhänger hat.

Flaggenstreit im Stadion

Der Iran war in der deutschen Nacht zum Dienstag im kalifornischen Inglewood mit einem 2:2 gegen Neuseeland in die WM gestartet. Das Spiel endete damit für die iranische Mannschaft mit einem Unentschieden, die Tore wurden im Stadion laut bejubelt.

Wiederholt wurden im Stadion Banner mit politischen Botschaften gezeigt. So wurde vor und in dem riesigen Stadion immer wieder Botschaften im Zusammenhang mit dem monatelangen Krieg der USA und Israels gegen den Iran kundgetan. Auch ein Banner mit der Aufschrift "42.000 #IranMassacre" wurde vielfach abgelichtet, was als Verweis auf die gewaltsame Unterdrückung von Protesten in Teheran zu Jahresbeginn mit tausenden Opfern interpretiert wird.

Geteilte Stimmung unter Zuschauern

Eine andere Kleingruppe zeigte ein Plakat mit der Aufschrift 'Minab168'. Damit spielten sie auf die 168 Menschen an, die bei einem Bombenangriff auf eine Mädchenschule im Süden Irans am 28. Februar ums Leben kamen, darunter zahlreiche Schülerinnen zwischen sieben und zwölf Jahren sowie viele Lehrerinnen und Eltern. Medienberichten zufolge sollen US-Streitskräfte für den Angriff verantwortlich sein.

In der Arena hatte der Weltverband FIFA per Gerichtsbeschluss das Recht, die sogenannte 'Löwe-und-Sonne'-Flagge einzukassieren - immer wieder waren Ordner bei entsprechenden Maßnahmen zu sehen. Die vormals als Nationalflagge genutzte Fahne gilt als Symbol des Widerstands gegen das Regime. Das Verbot konnte dennoch nicht verhindern, dass sie im Stadion immer wieder gezeigt wurde.

Die Stimmung im Stadion war gespalten. Unter den Zuschauern mit iranischen Wurzen, die in Los Angeles einen großen Bevölkerungsanteil stellen, fanden sich sowohl Anhänger der Regierung als auch der Opposition. Ein Fan sagte der Deutschen Presse-Agentur vor dem Stadion: 'Ich freue mich, hier die Menschen im Iran zu unterstützen, ich unterstütze nicht das Regime.'

Vorgeschichte: Drohungen und Visa-Probleme

Schon im Vorfeld des Turniers hatte die iranische Regierung mit Boykott gedroht. So hatte die Regierung angekündigt, das Turnier zu boykottieren und ein Spiel zu verlassen, falls es zu Protesten komme - beides wurde nicht in die Tat umgesetzt. Zudem war lange unklar, ob die Mannschaft überhaupt einreisen dürfe, da vielen Mitgliedern der Delegation US-Visa verweigert worden waren.

Während des Spiels kritisierten iranische Trainer und Spieler zudem, dass sie unmittelbar nach der Partie ohne Ruhepause in ihr Trainingslager nach Mexiko weiterreisen mussten. Die belastende Reise sorgte zusätzlich für Unmut im Team.

Hintergrund: WM 2026 und Menschenrechtslage

Die Frage, ob und wie der Iran an der WM 2026 teilnehmen kann, gilt als eines der prägenden Themen des Turniers. Berichten zufolge wird im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran derzeit über ein Friedensabkommen diskutiert. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden im Iran allein im Jahr 2025 mehr als 2000 Menschen hingerichtet.

Die iranische Justiz begründete ihre Ankündigung mit dem Vorwurf, die Fans hätten durch das Pfeifen und die Slogans gegen geltende Gesetze verstoßen. Die Maßnahmen gegen identifizierte Fans sollen unmittelbar in die Wege geleitet werden.