Hitlers Geburtshaus in Braunau wird als Polizeizentrum eröffnet
Braunau am Inn, 22. Juli 2026
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Kurzfassung
Das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau am Inn ist am Mittwoch offiziell als Polizeizentrum eröffnet worden. Österreich will mit der neuen Nutzung verhindern, dass das Gebäude an der Grenze zu Bayern weiter als Anziehungspunkt für Neonazis dient.
Das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau am Inn ist am Mittwoch offiziell als Polizeizentrum eröffnet worden, womit die Republik Österreich das Gebäude langfristig in den regulären Verwaltungs- und Sicherheitsbetrieb integriert.
Lange Debatte um eine angemessene Nutzung
Österreich will mit dem Schritt verhindern, dass das Haus an der Grenze zu Bayern weiter als Anziehungspunkt für Neonazis dient. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) nimmt an dem offiziellen Termin teil, wie die dpa berichtet. Die Eröffnung folgt auf jahrelange Diskussionen über eine angemessene Verwendung des Gebäudes.
Bereits in den vergangenen Wochen hat die Exekutive den Bau nach und nach bezogen. Beamte des Bezirkspolizeikommandos und der Polizeiinspektion sollen künftig dort ihren Dienst versehen. Der Umbau und die Umwandlung in einen Stützpunkt der Exekutive erfolgte nicht zuletzt auf Anraten einer Expertenkommission, die eine sozial-karitative oder behördlich-administrative Nutzung empfohlen hatte.
Empfehlung der Expertenkommission
Die Expertenkommission hatte sich ausdrücklich gegen einen Abriss ausgesprochen, weil ein Abriss ein Ausradieren der Geschichte wäre. Gleichzeitig warnte sie, weil ein Museum auch Rechtsextreme anziehen könnte. Stattdessen empfahl die Kommission, das Gebäude so umzugestalten, dass es von außen nicht mehr als Hitlers Geburtshaus erkennbar ist.
Die Architekten haben sich bei der äußeren Gestaltung daran orientiert, wie das Haus im 18. Jahrhundert ausgesehen haben dürfte. Das dreigeschossige Gebäude wurde äußerlich entkernt und innen vollständig modernisiert. Auf diese Weise sollte der historische Bezug zu Adolf Hitler, der am 20. April 1889 dort geboren wurde, bewusst entzogen werden.
Der Umbau kostete rund 20 Millionen Euro und zog sich über mehrere Jahre hin. Die Republik Österreich hatte das Grundstück zuvor nach einem langen Rechtsstreit mit der damaligen Eigentümerin im Jahr 2017 enteignet, nachdem diese sich gegen eine für die Polizeinutzung nötige Sanierung gewehrt hatte.
Architektur und Kosten des Umbaus
Das Areal mit Nebenbauten und Innenhof umfasst rund 3.000 Quadratmeter. Während der Bauphase war die Baustelle besonders gesichert, weil befürchtet wurde, dass Sammler von Nazi-Devotionalien Bauschutt entwenden könnten. Abbruchmaterial wurde daher vor Ort geschreddert und mit anderem Material vermischt, um es als Andenken unbrauchbar zu machen.
Das Gebäude ist nun videogesichert, sodass verdächtige Besucherinnen und Besucher von der Polizei unmittelbar überprüft werden können. Damit reagiert die Behörde auf zahlreiche Vorfälle der vergangenen Jahre, bei denen Rechtsextreme das Haus gezielt als Schauplatz für Provokationen und Aufmärsche nutzten.
Vorfälle mit Rechtsextremen
Im April 2024 hatten zwei deutsche Paare laut Polizei Blumen in die Fensternischen gelegt und Fotos gemacht; eine Frau soll demnach den Hitlergruß gezeigt haben. Bereits 2021 habe ein damals 57-jähriger Berliner vor dem Geburtshaus einen Kranz niedergelegt, wie der Bayerische Rundfunk damals berichtete.
Vergleichbare Erfahrungen hat die Polizei in München gemacht: Hitlers frühere Neun-Zimmer-Wohnung am Prinzregentenplatz wird bereits seit Jahrzehnten von einer Polizeiinspektion genutzt. Auch dort steht die Nutzung durch eine staatliche Behörde symbolisch für den Bruch mit der Vergangenheit und soll verhindern, dass der Ort zum Wallfahrtsort für Rechtsextreme wird.
Bis 2011 war in dem Haus in Braunau unter anderem eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung untergebracht. Danach stand das Gebäude jahrelang leer und wurde zum Gegenstand politischer Debatten über die angemessene Erinnerungskultur. Mit der neuen Nutzung als Polizeistützpunkt geht der Staat bewusst den Weg der Entmythisierung, statt das Gebäude als Mahnmal oder Museum zu inszenieren.
Strategie der Entmythisierung
Österreich will das Haus nun langfristig in den regulären Verwaltungs- und Sicherheitsbetrieb des Landes integrieren, in der Hoffnung, ihm seine Anziehungskraft als "brauner" Wallfahrtsort zu nehmen. Die Entscheidung steht im Einklang mit der österreichischen Strategie, mit dem NS-Erbe durch praktische, alltägliche Nutzung statt durch Monumentalisierung umzugehen.
Vor dem Haus erinnert seit 1989 ein Gedenkstein aus Stein der Steinbrüche des Konzentrationslagers Mauthausen an die Verbrechen des NS-Regimes. Die Inschrift lautet: "Für Frieden Freiheit und Demokratie - Nie wieder Faschismus – Millionen Tote mahnen". Damit wird unmittelbar am Ort des Geburtshauses auf die historische Verantwortung hingewiesen.
Im Nationalsozialismus wurden rund sechs Millionen Juden sowie Menschen weiterer Gruppen und Minderheiten systematisch ermordet. Adolf Hitler hatte den Zweiten Weltkrieg entfesselt, in dem mindestens 60 Millionen Menschen ums Leben kamen; die meisten Todesopfer entfielen auf die damalige Sowjetunion. Hitler selbst nahm im April 1945 im Führerbunker in Berlin wenige Tage vor dem Kriegsende sein Leben.
Historischer Kontext
In den Nürnberger Prozessen wurden zahlreiche führende Vertreter des NS-Regimes zum Tode verurteilt. Die Umnutzung des Geburtshauses reiht sich ein in den internationalen Umgang mit Bauten, die mit Diktaturen und Verbrechen verbunden sind: Während Denkmäler und Museen häufig Streit auslösen, setzt Österreich auf eine bürokratische, entideologisierte Verwendung.
Die Familie Hitlers war wenige Monate nach seiner Geburt aus dem Haus in Braunau in eine andere Wohnung im selben Ort gezogen und hielt sich zeitweise auch in Passau auf. Damit war das Gebäude nur ein kurzer Abschnitt der Kindheit, gleichwohl wurde es über Jahrzehnte zum weltweit bekanntesten Ort, der mit dem NS-Diktator verbunden ist.
Die offizielle Eröffnung am Vormittag markiert den Abschluss eines politischen Prozesses, der bereits unmittelbar nach dem Krieg begonnen hatte. Damals hatten die Alliierten erwogen, das Haus ganz abzureißen, was jedoch unterblieb. Die jetzige Lösung soll verhindern, dass die Geburtsstätte Hitlers weiterhin als Pilgerstätte für Rechtsextreme dient.
Mit der Entscheidung, in dem Gebäude Polizei unterzubringen, setzt die Republik ein deutliches Zeichen: Aus einem Ort, der an den Beginn einer der dunkelsten Epochen der europäischen Geschichte erinnert, wird ein Ort der staatlichen Sicherheit und des Rechtsstaats. Die Polizei in Braunau trägt damit nicht nur eine dienstliche, sondern auch eine symbolische Verantwortung.
Fragen & Antworten
Warum wurde ausgerechnet eine Polizeistation in dem Gebäude eingerichtet?
Eine Expertenkommission hatte explizit eine 'sozial-karitative oder behördlich-administrative Nutzung' empfohlen, weil ein Museum Rechtsextreme anziehen könnte. Mit der Polizeistation soll das Gebäude als Anziehungspunkt für Neonazis entwertet werden.
Was hat das Gebäude mit Adolf Hitler zu tun?
Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in dem Haus in Braunau am Inn geboren; seine Familie zog jedoch wenige Monate später in eine andere Wohnung im selben Ort um.
Wie viel hat der Umbau gekostet und wer war an der Eröffnung beteiligt?
Der Umbau kostete rund 20 Millionen Euro; bei der offiziellen Eröffnung am 22. Juli 2026 war unter anderem der österreichische Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) anwesend.