Hellweg Österreich meldet Sanierungsverfahren an – sechs Märkte bleiben geöffnet
Linz, 29. Juni 2026
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Kurzfassung
Die österreichische Hellweg-Tochter hat am Montag beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. Die sechs Bau- und Gartenmärkte in Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark bleiben laut Unternehmen geöffnet, rund 165 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen.
Die österreichische Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH hat am Montag beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt; betroffen sind rund 165 Beschäftigte an sechs Standorten.
Hintergrund des Sanierungsantrags
Die österreichische Tochter der Baumarktkette Hellweg hat am Montag beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. Das geht aus einer Aussendung des Unternehmens hervor, die am Tag der Antragstellung veröffentlicht wurde. Damit reagiert die Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH auf die wirtschaftlichen Belastungen, die das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit tragen muss.
Wie das Unternehmen weiter mitteilte, betreibt Gesellschaft rund 165 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sechs Bau- und Gartenmärkten. Ziel des Verfahrens sei „die Fortführung und zukunftsfähige Aufstellung des Unternehmens“. Die Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung das Unternehmen während des Verfahrens weiterhin selbst lenkt, begleitet von erfahrenen Sanierungsexperten.
„Zur Begleitung des Verfahrens werde die Geschäftsführung des Unternehmens durch erfahrene Sanierungsexperten unterstützt“, heißt es in der Aussendung des Unternehmens. Die Bau- und Gartenmärkte sollen demnach „aus eigener Kraft geordnet und zukunftsfähig neu aufgestellt werden.“ Man werde die Belegschaft, Partner und Öffentlichkeit „frühzeitig und transparent auf dem Laufenden halten“.
Sechs Standorte in drei Bundesländern
Die österreichischen Standorte verteilen sich auf drei Bundesländer. In Oberösterreich betreibt Hellweg Filialen in Ried im Innkreis und Kirchdorf an der Krems, weitere Märkte liegen in Salzburg und in der Steiermark. Insgesamt sind es sechs Bau- und Gartenmärkte, die nun unter den Schutz des Sanierungsverfahrens gestellt werden.
Die Hellweg-Gruppe verwies zur Begründung des Schritts auf mehrere Faktoren. Genannt wurden eine „zurückhaltende Konsumnachfrage“, „Belastungen entlang der Lieferketten“ sowie „steigende Miet- und Betriebskosten“. Diese Faktoren hätten die wirtschaftliche Situation des Unternehmens so zugespitzt, dass ein geordnetes Sanierungsverfahren notwendig geworden sei.
Konsequenzen für Beschäftigte und Kunden
Der Antrag in Österreich folgt auf die Insolvenz der deutschen Muttergesellschaft Mitte Juni. Die österreichische Tochter sei von den Folgen dieser Entwicklung direkt betroffen, weshalb nun ein eigenständiges Verfahren eröffnet wurde, um die Geschäftstätigkeit in Österreich fortzuführen. Der zeitliche Zusammenhang mit der deutschen Insolvenz zeigt, dass die Krise des Mutterkonzerns unmittelbar auf Gesellschaft durchschlägt.
Für die Kundinnen und Kunden soll sich nach Angaben des Unternehmens kurzfristig wenig ändern. „Die sechs österreichischen Märkte in Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark bleiben mit dem vollen Sortiment laut Firmenangaben geöffnet“, erklärte Hellweg. Auch „Kundenkarten, Rabatte und laufende Aktionen behalten ihre Gültigkeit“.
Hellweg Österreich kündigte an, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Montag über die Lage zu informieren. Eine erste Betriebsversammlung sei vorgesehen, um über die nächsten Schritte des Sanierungsverfahrens zu sprechen. Die Geschäftsführung betonte, dass das Ziel des Verfahrens ausdrücklich die Fortführung des Unternehmens sei und keine Standortschließungen geplant seien.
Eigenverwaltung als Sanierungsmodell
Im Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt, wird aber von einem Sanierungsverwalter kontrolliert, den das Gericht bestellt. Dieses Modell erlaubt es dem Unternehmen, den Sanierungsplan selbst auszuarbeiten und unter Aufsicht des Gerichts umzusetzen. Die Eigenverwaltung gilt in der Regel als Zeichen dafür, dass das Unternehmen noch eine realistische Chance auf eine erfolgreiche Sanierung sieht.
Die Sanierungsexperten, die das Verfahren begleiten sollen, haben nach Angaben des Unternehmens bereits Erfahrung mit ähnlichen Restrukturierungsprozessen im Handel. Sie sollen unter anderem den Sanierungsplan erarbeiten helfen und die Verhandlungen mit Gläubigern, Lieferanten und Vermietern führen. Ein Zeitplan für die Vorlage des Sanierungsplans wurde noch nicht genannt.
Mit dem Sanierungsverfahren verfolgt Hellweg Österreich das Ziel, die Gläubigerforderungen zu erfüllen und gleichzeitig die Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten. In einem Sanierungsverfahren erhalten die Gläubiger in der Regel eine Quote auf ihre Forderungen, während das Unternehmen unter dem Schutz des Verfahrens saniert wird. Die Eigenverwaltung gibt dem Management mehr Gestaltungsspielraum als ein klassisches Insolvenzverfahren.
Für die Beschäftigten an den sechs Standorten bedeutet die Eröffnung des Verfahrens zunächst Unsicherheit, aber auch die Perspektive, dass das Unternehmen fortgeführt werden soll. Kündigungen sind im Sanierungsverfahren nicht automatisch vorgesehen, können aber Teil des Sanierungsplans sein, falls dieser Maßnahmen zur Kostensenkung vorsieht. Das Unternehmen hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob und in welchem Umfang Stellen abgebaut werden sollen.
Ausblick auf das weitere Verfahren
Die Branche der Bau- und Gartenmärkte steht seit Monaten unter Druck. Steigende Energie- und Materialkosten, eine schwächere Nachfrage im DIY-Bereich und der allgemeine Trend zu Online-Bestellungen haben die Erträge vieler Händler schrumpfen lassen. Hellweg Österreich reiht sich mit dem Sanierungsantrag in eine wachsende Liste von Handelsunternehmen ein, die in den vergangenen Monaten wirtschaftliche Schwierigkeiten gemeldet haben.
Auswirkungen auf die Lieferanten sind nach Angaben des Unternehmens derzeit noch nicht absehbar. Hellweg Österreich wies jedoch darauf hin, dass man „frühzeitig und transparent“ mit allen Partnern kommunizieren werde. Lieferanten, die offene Forderungen haben, müssen sich auf eine quotale Befriedigung im Rahmen des Sanierungsverfahrens einstellen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Eigenverwaltung den gewünschten Erfolg bringt. Das Landesgericht Linz muss zunächst einen Sanierungsverwalter bestellen und den Eröffnungsbeschluss veröffentlichen. Erst danach können Gläubiger ihre Forderungen anmelden und das Verfahren nimmt seinen formalen Lauf. Hellweg Österreich hat angekündigt, über den Fortgang regelmäßig zu informieren.
Fragen & Antworten
Welches Verfahren hat Hellweg Österreich beantragt?
Die Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH hat am Montag beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt, wie das Unternehmen in einer Aussendung mitteilte.
Welche Gründe nennt Hellweg für die Sanierung?
Die Hellweg-Gruppe verwies auf eine zurückhaltende Konsumnachfrage, Belastungen entlang der Lieferketten sowie steigende Miet- und Betriebskosten.
Was bedeutet das Verfahren für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Die rund 165 Beschäftigten an den sechs Standorten wurden am Montag über die Lage informiert; das Unternehmen erklärte, die Belegschaft „frühzeitig und transparent auf dem Laufenden“ halten zu wollen.
Hellweg Österreich insolvent: Sanierung in Eigenverwaltung | finanz360