Hamas löst De-facto-Regierung im Gazastreifen auf und ebnet Weg für neue Expertenverwaltung
Deir al-Balah, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Hamas hat am Montag in Deir al-Balah die Auflösung ihres bisherigen Verwaltungsausschusses im Gazastreifen bekannt gegeben. Das „Committee for Monitoring and Coordination of Government Work“ fungierte seit der Machtübernahme 2007 als De-facto-Regierung. Die Aufgaben sollen an ein neues, mit unabhängigen Technokraten besetztes Gremium übergehen.
Die militant-islamistische Hamas hat am Montag auf einer Pressekonferenz in Deir al-Balah die Auflösung des Ausschusses bekannt gegeben, der seit der Machtübernahme 2007 als De-facto-Regierung die zivile Verwaltung des Gazastreifens koordiniert hatte.
Hintergrund: Eine Parallelverwaltung seit 2007
Die Erklärung markiert eine bemerkenswerte politische Wende der Organisation. Das „Committee for Monitoring and Coordination of Government Work“ hatte seit fast zwei Jahrzehnten Ministerien, Behörden, kommunale Dienste, den öffentlichen Dienst sowie die Koordination der inneren Sicherheit im Gazastreifen verwaltet. Eine internationale Anerkennung als Regierung besaß das Gremium allerdings nicht. Es war parallel zur international anerkannten Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) mit Sitz in Ramallah im Westjordanland entstanden, nachdem die Hamas 2007 die alleinige Kontrolle über den Gazastreifen übernommen und die Fatah verdrängt hatte.
Nach Angaben der Hamas sollen die Aufgaben des aufgelösten Ausschusses an eine neue, mit unabhängigen Technokraten besetzte Verwaltung übergehen. Das erklärte die Hamas am Montag auf einer Pressekonferenz in Deir al-Balah. Ein Hamas-Vertreter habe zudem der Nachrichtenagentur AFP von der Auflösung und dem Rücktritt berichtet, hieß es weiter. Mohammed al-Farra, Leiter des Krisenausschusses der Regierung, habe seinen Rücktritt eingereicht. Die Mitarbeiter blieben weiter im Dienst.
Die Ankündigung gilt als Signal, dass die Hamas bereit sein könnte, zumindest einen Teil ihrer Macht abzugeben. Die Hamas signalisiert zwar ihre Bereitschaft, die zivile Verwaltung abzugeben, lehnt aber eine bedingungslose Entwaffnung ab, wie Israel sie will. Damit bleibt der zentrale Konflikt mit Israel ungelöst: Die Entwaffnung der Hamas ist nach übereinstimmenden Angaben die zentrale Bedingung für die Etablierung einer neuen Verwaltung im Gazastreifen.
Bedingungen für eine neue Verwaltung
Internationale Geberstaaten und Organisationen, die einen Wiederaufbau des im Krieg gegen Israel weitgehend zerstörten Gazastreifens unterstützen sollen, knüpfen ihre Hilfen an eine nicht von der Hamas geführte Verwaltung. Nach dem Zerstörungsausmaß durch den Krieg gilt eine von der Hamas unabhängige Administration als Voraussetzung für die Freigabe internationaler Wiederaufbauhilfen. Der Gazastreifen zählt rund zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.
Konkret sieht der Plan vor, dass das National Committee for the Administration of Gaza (NCAG) vorübergehend die Verwaltung des Gazastreifens übernimmt. Das NCAG war demnach von dem vom US-Präsidenten Donald Trump geschaffenen und geleiteten „Peace Council“ ernannt worden. Der Ausschuss besteht laut den vorliegenden Informationen aus 15 palästinensischen Experten. Die vorübergehende Verwaltung durch das NCAG soll demnach so lange bestehen, bis die Palästinensische Autonomiebehörde unter Präsident Mahmoud Abbas ein Reformprogramm ausgearbeitet hat.
Der Plan: NCAG als Übergangsverwaltung
Gleichzeitig bleiben wesentliche Fragen offen. So ist unklar, welchen Einfluss die Hamas künftig im Hintergrund ausüben wird und wer die Verantwortung für die Sicherheitsstrukturen übernimmt. Unklar ist auch, ob die Auflösung tatsächlich zu einer umfassenden Übergabe der Regierungsgeschäfte führt oder ob die Hamas ihre Kontrolle hinter den Kulissen behält. Die Auflösung des Krisenausschusses soll den Weg für die Übergabe der Verwaltungs- und Regierungsaufgaben an das NCAG ebnen.
Seit dem fragilen Waffenstillstand im Gazastreifen, der im Oktober des Vorjahres in Kraft getreten war, hatte die Hamas wiederholt ihre Bereitschaft zum Rückzug aus der Regierungsverantwortung erklärt. Die nun erfolgte Auflösung ist die bislang konkreteste Umsetzung dieser Signale. Sie stellt dennoch keinen vollständigen Machtverzicht der Hamas dar, da die Entwaffnung der Organisation weiterhin nicht zur Disposition steht.
Die strategischen Entscheidungen der Hamas lagen nach bisheriger Struktur bei ihrer politischen und militärischen Führung, während der aufgelöste Ausschuss die zivile Verwaltung übernommen hatte. Damit war die Trennung zwischen politisch-militärischer Führung und Verwaltungsaufgaben zwar organisatorisch angelegt, faktisch jedoch eng verflochten. Mit der Auflösung des Ausschusses verschiebt sich dieses Arrangement.
Offene Fragen zu Sicherheit und Machtverzicht
Internationale Beobachter werten die Auflösung als einen möglichen Zwischenschritt hin zu einer breiteren Neuordnung der Verwaltung des Gazastreifens. Die Palästinensische Autonomiebehörde ist die international anerkannte Körperschaft im Westjordanland; eine Rückkehr ihrer Verwaltung in den Gazastreifen ist seit Jahren umstritten. Die nun angekündigte Expertenverwaltung könnte diese Lücke vorübergehend füllen, ersetzt jedoch keine politische Lösung.
Die Hamas hat wiederholt bekräftigt, dass die Mitarbeiter der bisherigen Verwaltung im Dienst bleiben. Damit soll offenbar die Kontinuität der öffentlichen Dienstleistungen gesichert werden. Ob dies gelingt, hängt jedoch vom tatsächlichen Übergang der Verantwortlichkeiten ab.
Für den Wiederaufbau des Gazastreifens sind nach Einschätzung von Beobachtern umfangreiche internationale Mittel erforderlich. Eine von der Hamas unabhängige Verwaltung gilt international als Voraussetzung, um diese Mittel zu mobilisieren. Die Hamas-Annäherung an eine solche Verwaltung ist daher auch als Signal an die internationale Gemeinschaft zu verstehen.
Die Ankündigung erfolgte am Montag, dem 6. Juli 2026. Sie wurde unter anderem von der Agentur APA und im Programm Deutschlandfunk verbreitet. Diese Nachricht wurde am 06.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Einschätzung, dass es sich um eine politische Kehrtwende handelt, teilten mehrere Quellen.
Internationale Voraussetzungen für den Wiederaufbau
Der Konflikt um die Entwaffnung der Hamas bleibt nach der Auflösung der De-facto-Regierung jedoch bestehen. Israel und die Vereinigten Staaten fordern weiterhin eine vollständige Entwaffnung der Hamas als Bedingung für eine politische Neuordnung. Die Hamas lehnt eine bedingungslose Entwaffnung ab.
Insgesamt bleibt abzuwarten, ob die neue Verwaltung ihre Arbeit tatsächlich aufnehmen kann. Die Aufgaben sollen an eine mit unabhängigen Technokraten besetzte neue Verwaltung übergeben werden. Doch der tatsächliche Übergang ist an die Lösung offener Sicherheits- und Entwaffnungsfragen gekoppelt.
Fragen & Antworten
Was genau hat die Hamas aufgelöst?
Die Hamas hat das „Committee for Monitoring and Coordination of Government Work“ aufgelöst, das seit 2007 als De-facto-Regierung die zivile Verwaltung des Gazastreifens koordiniert hatte, ohne international anerkannt zu sein.
Wer soll die Verwaltung des Gazastreifens übernehmen?
Die Aufgaben sollen an das National Committee for the Administration of Gaza (NCAG) übergehen, das aus 15 palästinensischen Experten besteht und vom sogenannten „Peace Council“ unter US-Präsident Donald Trump ernannt wurde.
Warum hat die Hamas die Entwaffnung nicht zugesagt?
Die Hamas hat wiederholt erklärt, dass sie eine bedingungslose Entwaffnung ablehnt, wie sie von Israel und den USA gefordert wird, signalisiert aber die Bereitschaft, die zivile Verwaltung abzugeben.
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