Bernd Beetz, Miteigentümer der angeschlagenen Warenhauskette Galeria, hat den am Wochenende gestellten Insolvenzantrag des Unternehmens öffentlich kritisiert und grundlegende Veränderungen in der Geschäftsführung gefordert.
Beetz äußerte sich in scharfer Form gegen das Vorgehen der Galeria-Geschäftsführung. Er vertrat die Auffassung, dass der erneute Insolvenzantrag nicht zwingend erforderlich gewesen sei. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er: „Bei einer Ablehnung hätten die Mitarbeiter auch kein Insolvenzgeld erhalten. Sie wären unmittelbar auf Mittel der Arbeitsagentur angewiesen gewesen." Damit verwies er auf die praktischen Konsequenzen, die ein abgelehnter Antrag für die Beschäftigten gehabt hätte.
Das Amtsgericht Düsseldorf, bei dem der Antrag eingereicht wurde, muss nun über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheiden. Im Fall einer Eröffnung hätten die Mitarbeiter Anspruch auf Insolvenzgeld, also auf Lohnfortzahlungen aus staatlichen Mitteln für einen begrenzten Zeitraum. Wäre der Antrag dagegen zurückgewiesen worden, wären die Beschäftigten direkt auf Leistungen der Bundesagentur für Arbeit angewiesen gewesen.
Hintergrund: Folgen für die Beschäftigten
Beetz, der über die Beteiligungsgesellschaft Kebeku an Galeria beteiligt ist, sieht die Ursache der erneuten Krise weniger im Insolvenzverfahren selbst als in der Unternehmensführung. Er fordert, „insbesondere ein stringentes Warenmanagement, eine klare Sortimentsstrategie und eine deutlich stärkere Kundenorientierung". Damit benennt er drei Bereiche, in denen er konkrete Veränderungen für notwendig hält.
Der Sanierungsgeschäftsführer Carsten Kortum hatte den Antrag mit der anhaltend schwierigen Branchenlage und dem Wandel im stationären Einzelhandel begründet. Galeria kämpft seit Jahren gegen sinkende Umsätze und wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel. Bereits mehrfach musste das Unternehmen in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden, zuletzt im Jahr 2024, als eine umfassende Sanierung mit massivem Stellenabbau gelang.
Beetz' Forderungen an die Geschäftsführung
Beetz' Kritik richtet sich auch gegen den Mutterkonzern Signa, der über Jahre hinweg Eigentümer der Warenhauskette war. Er wirft dem Management vor, die operative Substanz des Unternehmens nicht ausreichend gestärkt zu haben. Die aktuelle Führung unternehme nun den dritten Anlauf innerhalb weniger Jahre, das Unternehmen zu restrukturieren.
In Branchenkreisen wird die öffentliche Auseinandersetzung zwischen Miteigentümer und Geschäftsführung aufmerksam verfolgt. Sie gilt als ungewöhnlich offen für ein Unternehmen, das sich mitten in einem sensiblen Sanierungsprozess befindet. Beobachter werten den Schritt als Signal, dass Beetz auf eine stärkere Einflussnahme auf die künftige strategische Ausrichtung des Konzerns drängt.
Reaktionen und Ausblick
Unmittelbar vor der Entscheidung des Amtsgerichts über die Verfahrenseröffnung herrscht unter den rund 12.000 verbliebenen Beschäftigten von Galeria Unsicherheit über die nächsten Schritte. Die Gewerkschaft ver.di hatte bereits angekündigt, den Prozess eng begleiten und sich für den Erhalt möglichst vieler Standorte einzusetzen.
Beetz betonte zugleich, dass er trotz seiner Kritik an dem aktuellen Vorgehen an einer konstruktiven Lösung mitwirken wolle. Er sehe sich als langfristig orientierten Investor, der das Unternehmen nicht aufgeben, sondern auf eine tragfähige wirtschaftliche Basis stellen wolle. Dazu seien jedoch harte Einschnitte und ein konsequenter Umbau der Geschäftsprozesse erforderlich.
Bedeutung für die Branche
Das Amtsgericht Düsseldorf wird in den kommenden Tagen über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheiden. Bis dahin bleibt der Geschäftsbetrieb von Galeria an allen Standorten vorerst uneingeschränkt aufrechterhalten. Die Warenhauskette betreibt nach eigenen Angaben bundesweit noch knapp 80 Filialen.
Der Fall Galeria gilt unter Experten als Lackmustest für die Zukunft großer Warenhausketten in Deutschland. Während kleinere Konzepte im stationären Modehandel erfolgreich neu positioniert wurden, fällt es den traditionsreichen Mehrsparten-Häusern besonders schwer, sich gegen den Onlinehandel und veränderte Einkaufsgewohnheiten zu behaupten.
