G7-Gipfel in Évian: Vier europäische Staaten erklären sich bereit für defensive Mission in der Straße von Hormus
Évian, 15 Juni 2026
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Kurzfassung
Am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian haben Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien ihre Bereitschaft zu einer defensiven Mission in der Straße von Hormus erklärt. Die Bundeswehr hält dafür das Minenjagdboot „Fulda" und den Tender „Mosel" im östlichen Mittelmeer bereit. Gleichzeitig wehrt sich Iran gegen jede ausländische Militärpräsenz in der Meerenge.
Évian, 15 Juni 2026
Beim G7-Gipfel im französischen Évian haben die vier europäischen G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien ihre Bereitschaft erklärt, sich an einer rein defensiven Mission zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu beteiligen, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind.
Die Erklärung wurde am Montag zu Beginn des Spitzentreffens in Évian veröffentlicht. Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprachen in einer gemeinsamen Stellungnahme von einer „rein defensiv ausgerichteten, unabhängigen Mission, um die Handelsschifffahrt zu ermutigen und Minenräumung durchzuführen". Mit dem angestrebten Abkommen zwischen den USA und dem Iran „öffnet sich eine Gelegenheit, die Region und die Weltwirtschaft wieder zu stabilisieren".
Die Bundeswehr bereitet sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereits seit Wochen auf eine mögliche Mission in der Meerenge vor. Das Minenjagdboot „Fulda" und der Tender „Mosel" sind nach Ministeriumsangaben im östlichen Mittelmeer stationiert und personell wie materiell auf jede Entwicklung vorbereitet. „Dann brauchen wir entsprechende rechtliche Grundlagen, völkerrechtliche Grundlagen und Grundlagen, die sich aus dem deutschen Recht ergeben", sagte ein Sprecher. Bis das mögliche Einsatzgebiet erreicht sei, würden die beiden Schiffe „sieben bis zehn Tage" benötigen, hieß es weiter.
Bundeswehr in Wartestellung
Bundesaußenminister Johann Wadephul äußerte sich am Abend im ZDF-„heute-journal" zuversichtlich, im Bundestag zügig eine Mehrheit für ein Mandat zu finden. „Wir sind dazu bereit", sagte Wadephul. Allerdings schränkte er zugleich ein: „Zum jetzigen Zeitpunkt fehlen mir noch die Voraussetzungen dafür, dass ich sagen kann, ein Mandat steht unmittelbar bevor." Zunächst müsse geklärt sein, dass die Kampfhandlungen tatsächlich beendet seien. „Wir müssen jetzt erst einmal wissen: Ist wirklich klar, es gibt keine Kampfhandlungen? Das ist vollkommen klar", sagte er. Erst dann werde sich der Bundestag mit dem Mandat befassen.
Wadephul knüpfte eine deutsche Beteiligung zudem an Fortschritte beim iranischen Nuklearprogramm. „Es muss darum gehen, dass der Iran versteht, dass er nicht nuklear bewaffnet sein kann", sagte er. Es brauche eine Kontrolle, „damit die Iraner nicht erneut Uran anreichern und es für Waffen nutzen".
Frankreich führt operative Planung an
Frankreich hat nach Angaben Macrons die umfangreichsten Vorbereitungen getroffen. In einem Interview mit dem Sender TF1 kurz vor Beginn des G7-Treffens sagte er, Frankreich und seine westlichen Verbündeten seien bereit, „sehr, sehr schnell zu handeln". Im Fall einer Unterzeichnung des Abkommens könne sein Land „innerhalb von Tagen Militärflugzeuge, Fregatten, Minenräumschiffe und seinen Flugzeugträger zur Absicherung der Meerenge zusammen mit Partnern entsenden". Ein französischer Flugzeugträger und eine ihn begleitende Kampfgruppe seien bereits in der Region und könnten innerhalb von zwei bis drei Tagen nach Unterzeichnung operativ bereit sein. „Wir haben mit den Briten einen Einsatz geplant", sagte Macron.
Großbritannien ist an der geplanten Marinemission von Beginn an beteiligt. Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens ist die Mission in der Meerenge bereits seit Längerem geplant und soll nach einem Ende der Kampfhandlungen in der Region beginnen. Beim Paris-Gipfel im April hatten die Europäer die Mission gemeinsam mit weiteren Verbündeten vorbereitet.
Kanzler Merz hatte Deutschlands Bereitschaft zur Beteiligung ebenfalls bereits beim Pariser Gipfel im April erklärt. Nun erneuerte er die Zusage mit Blick auf den G7-Gipfel. „Sobald die entsprechenden Voraussetzungen gegeben seien, stünde Deutschland zusammen mit internationalen Partnern bereit. Die Straße von Hormus müsse dauerhaft und uneingeschränkt geöffnet werden", sagte Merz.
Trump kündigt Öffnung am Freitag an
Im Zentrum der Verhandlungen steht ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Konflikts, das laut US-Präsident Donald Trump am Freitag unterzeichnet werden soll. Trump hatte erklärt, die erzielte Vereinbarung stelle sicher, dass die Straße von Hormus „dauerhaft gebührenfrei" bleibe. Die Meerenge solle „zum Zweck der Minenräumung" geöffnet werden. Er sei „optimistisch", dass das Abkommen „ziemlich zügig" verabschiedet werden könne.
Die strategische Bedeutung der Meerenge ist enorm: Normalerweise fließt rund ein Fünftel des weltweiten Öls durch die Straße von Hormus. Während des wochenlangen Konflikts war die Durchfahrt praktisch blockiert, was die Ölpreise deutlich in die Höhe getrieben hatte. Eine Normalisierung des Schiffsverkehrs könnte nach Einschätzung des internationalen Schifffahrtsverbands Bimco dennoch „noch mehrere Monate dauern". Der Verband bewertet die Sicherheitslage in der Meerenge „trotz des Rahmenabkommens weiter als instabil". Eine Durchfahrt sei „nach wie vor sehr riskant".
Streit um mögliche Durchfahrtsgebühren
Allerdings gibt es erhebliche Differenzen zwischen den Ankündigungen aus Washington und der iranischen Darstellung. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, die USA hätten akzeptiert, „dass Gebühren an den Iran gezahlt werden". Demnach könnte Teheran nach einer Übergangsfrist Gebühren für die Durchfahrt der Meerenge verlangen. Aus den USA gibt es dazu bisher keine offizielle Stellungnahme. Macron warnte: „Es darf keine Gebühren geben, um sich zu bereichern". Er werde „alles tun, damit es keine Mautgebühren gibt". Sein Land werde alles daransetzen, dass das angekündigte Rahmenabkommen „Wirklichkeit wird".
Iran lehnt ausländische Militärpräsenz ab
Auch der Iran selbst hat unterdessen klare rote Linien gezogen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP erklärte ein hochrangiger iranischer Beamter, jede Präsenz ausländischer Staaten in der Meerenge sei „inakzeptabel", „sei es zur Sicherung der Schifffahrt oder zur Minenräumung". Diplomaten berichteten, Teheran habe starken Widerstand gegen jede ausländische Militärpräsenz signalisiert. Der iranische Außenminister habe zudem angekündigt, zunächst müssten die in der Meerenge vermuteten Minen geräumt werden, bevor der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden könne. Macron warf dem Iran vor, „mit Worten zu spielen" und statt von Gebühren von „Servicegebühren" zu sprechen.
Der G7-Gipfel in Évian bietet den Teilnehmern die Gelegenheit, die nächsten Schritte abzustimmen. Bei dem Treffen erhoffen sich die Teilnehmer von US-Präsident Trump Details zur Vereinbarung und zur geplanten Öffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt. Macron betonte, Frankreich verteidige das internationale Recht und werde „alles tun, damit es keine Mautgebühren gibt". Andere in Aussicht gestellte Fähigkeiten wie Drohnen könnten „schneller auch da sein", sagte er.
Bis zu einem möglichen Bundestagsmandat in Berlin und einer endgültigen Unterzeichnung des Abkommens am Freitag bleiben indes noch offene Fragen. Wadephul zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Voraussetzungen bald erfüllt sein könnten. „Das ist ja jetzt keine Situation, die ganz neu vom Himmel fällt." Die europäischen Regierungen haben nach eigenen Angaben über Wochen hinweg Vorbereitungen getroffen, um im Fall eines Endes der Kampfhandlungen schnell handeln zu können.
Offene Fragen vor Unterzeichnung
Die geplante Mission ist nach Darstellung der vier europäischen Staats- und Regierungschefs ausdrücklich auf Schutz und Minenräumung beschränkt. Eine breitere militärische Intervention ist nicht vorgesehen. Die Europäer verstehen ihren Beitrag als Ergänzung der ohnehin bestehenden maritimen Präsenz Frankreichs und Großbritanniens in der Region.
Mit Blick auf die iranischen Vorbehalte erklärte Macron, sein Land werde die angekündigte Vereinbarung mit dem Iran unterstützen und sich für deren Umsetzung einsetzen. Frankreich sei „optimistisch", dass die Mission „ziemlich zügig" verabschiedet werden könne. Die nächsten Tage werden zeigen, ob das Abkommen tatsächlich unterzeichnet wird und ob die europäischen Streitkräfte dann tatsächlich in der Meerenge zum Einsatz kommen.
Sollte die Vereinbarung in Kraft treten, wäre die Öffnung der Meerenge ein wesentlicher Schritt zur Beruhigung der globalen Energiemärkte. Die wochenlange Blockade hatte die Ölpreise deutlich steigen lassen und an den internationalen Märkten für Verunsicherung gesorgt. Eine sichere Durchfahrt wäre daher nicht nur für die Region, sondern auch für die Weltwirtschaft von erheblicher Bedeutung.
Die Nachricht wurde am 15.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die diplomatischen und militärischen Vorbereitungen in Europa laufen derweil auf Hochtouren, während in Évian über die letzten Details einer möglichen Mission beraten wird.
Fragen & Antworten
Welche vier europäischen Staaten wollen sich an der Hormus-Mission beteiligen?
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien haben sich in einer gemeinsamen Erklärung bereit erklärt, sich an einer rein defensiven Mission zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu beteiligen, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind.
Welche Schiffe hat die Bundeswehr für einen möglichen Einsatz bereits positioniert?
Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums sind das Minenjagdboot „Fulda" und der Tender „Mosel" im östlichen Mittelmeer stationiert und benötigen sieben bis zehn Tage, um das mögliche Einsatzgebiet zu erreichen.
Warum lehnt der Iran eine ausländische Militärpräsenz in der Meerenge ab?
Ein hochrangiger iranischer Beamter erklärte laut der Nachrichtenagentur AP, jede Präsenz ausländischer Staaten in der Straße von Hormus sei inakzeptabel, gleich ob zur Sicherung der Schifffahrt oder zur Minenräumung.
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