Frankfurter CSD endet nach vier Tagen mit Fest am Main – trotz queerfeindlicher Angriffe im Vorfeld
Frankfurt, 19. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Christopher Street Day in Frankfurt endete am Sonntag nach vier Tagen mit einem Straßenfest am Main. Im Vorfeld der Parade war ein 62-Jähriger mit einer Glasflasche angegriffen worden; ein 21-Jähriger wurde festgenommen. Hessens Innenminister Roman Poseck nannte die Angriffe „erschreckend".
Der Christopher Street Day in Frankfurt ist am Sonntag nach vier Tagen mit einem Straßenfest am Main zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke zu Ende gegangen, während die Polizei weiterhin wegen queerfeindlicher Angriffe im Vorfeld der Parade ermittelt.
Zehntausende Menschen haben am Wochenende in Frankfurt den Christopher Street Day gefeiert. Die Veranstalter hatten nach Angaben einer Polizeisprecherin insgesamt mit etwa 150.000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet. „Insgesamt vier Tage Party mit Sonne, Musik und Regenbogenflaggen neigen sich dem Ende zu", hieß es zum Abschluss.
Höhepunkt war am Samstag die große Parade durch die Frankfurter Innenstadt, die unter dem Motto „Demokratie braucht keine Alternative" stand. Nach Angaben der Polizei nahmen 15.000 bis 17.000 Menschen teil und damit rund 5.000 mehr als erwartet. Für die Parade hatten sich 120 Gruppen angemeldet und damit mehr als im Vorjahr. „Nach Angaben der Polizei verlief die Parade ohne Zwischenfälle." Die Demonstration sollte auf die Rechte, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von LSBTIQ+-Menschen aufmerksam machen.
Am Sonntag ging das Fest mit einem Straßenfest am Main, zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke, weiter. Auf dem Programm stand unter anderem ein ökumenischer Gottesdienst im Kaiserdom zum Gedenken für die an AIDS-Verstorbenen.
Angriffe vor der Parade
Die ausgelassene Stimmung wurde jedoch durch zwei Angriffe im Vorfeld der Parade überschattet. In der Nacht zum Samstag wurde zunächst ein 62-Jähriger im Allerheiligenviertel an einem Kiosk angegriffen und verletzt, als er mit seinem Partner Händchen haltend unterwegs war. „Ein Unbekannter soll den Mann unter Verweis auf dessen sexuelle Orientierung mit einer Glasflasche ins Gesicht geschlagen haben." Wenig später wurden aus einer Gruppe heraus mehrere Glasflaschen auf eine queere Szenebar in der Alten Gasse geworfen. „Verletzt wurde dabei niemand, es entstand jedoch Sachschaden." Nach dem Flaschenwurf konnte ein 21-Jähriger festgenommen werden.
Die Polizei ermittelt in beiden Fällen und prüft einen queerfeindlichen Hintergrund. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) nannte die Angriffe im Vorfeld der CSD-Parade „erschreckend". „Umso mehr schmerze es, dass queere Menschen weiterhin Anfeindungen, Hass und Gewalt erleben." Zugleich betonte er: „Der Christopher Street Day ist ein starkes Zeichen für die Vielfalt unserer Gesellschaft und für das Recht jedes Menschen, frei und ohne Angst so zu leben, wie er ist."
Zeitgleich fanden am CSD-Wochenende weitere Demonstrationen in Frankfurt statt. Während des CSD-Wochenendes fand in Frankfurt eine Pro-Palästina-Demonstration statt. „Nach ersten Schätzungen der Polizei nahmen an der Pro-Palästina-Demo rund 250 Menschen teil." Die gleichzeitigen Demonstrationen in Frankfurt führten laut Polizei zu Verkehrsbehinderungen in der Frankfurter City.
Paralleldemonstrationen und Verkehr
Die Frankfurter Polizei hatte das Wochenende mit einem Großaufgebot begleitet. Am Ende zogen die Veranstalter dennoch eine positive Bilanz. Eine Festivalsprecherin sagte: „Die Stimmung ist ausgelassen und super, auch dank des zunächst perfekten Wetters." Auch die enorme Resonanz der Parade sei ein Signal für die Sichtbarkeit der Community gewesen.
CSD-Echo in Berlin
Über Frankfurt hinaus war der CSD auch in anderen Städten ein Thema. Beim Lesbisch-Schwulen Stadtfest rund um den Nollendorfplatz und die Motzstraße in Berlin-Schöneberg wurde unter anderem über die Schwulenfeindlichkeit-Vorwürfe im Zusammenhang mit Jens Spahn diskutiert. Nach Angaben von Veranstaltern und Medienberichten zogen Hunderttausende Menschen zu dem Fest; eine Festivalsprecherin sprach von „350.000 Besucherinnen und Besucher seien allein am Sonnabend dagewesen". Das Fest, das in diesem Jahr seine 32. Ausgabe feierte, verfügt über sechs Bühnen und verwandelt sich abends in eine große Open-Air-Party. „Fast alle Kneipen und Bars haben Tresen vor ihre Tür gestellt", hieß es.
In Berlin reichten die Reaktionen auf Spahns Rückzug demnach von harten Vorwürfen bis zu Respekt für den Rücktritt. „Empörung über Bigotterie" war ebenso zu hören wie „Erleichterte Parteifreunde". „Von harten Vorwürfen bis Respekt für den Rücktritt" lautete die Spanne der Stimmungen, so die Berichte.
Ein Rückblick: Altenburger Sängerknaben
Abseits der CSD-Debatte erinnerte der MDR KULTUR-Beitrag an ein anderes Kapitel: Vor genau 20 Jahren kehrten die Altenburger Sängerknaben von einer Reise zurück. „32 Stunden, zwölf Minuten und elf Sekunden dauerte die Rückreise der Altenburger Sängerknaben vor genau 20 Jahren von Barreiras im Landesinneren Brasiliens bis zum Stift Altenburg." Die Route verlief demnach „von Brasilia bis Rio de Janeiro", „von dort nach Frankfurt" und „und dann weiter nach Wien". „In drei verschiedenen Flugzeugen" und „saß man neun Stunden im Autobus". „Gestoppt wurde diese Zeit damals von Stefan Piewald, einem der Altenburger Sängerknaben."
Positive Nachricht: Thomas Gottschalk
Während in Frankfurt gefeiert wurde, meldete die „Bild"-Zeitung unterdessen positive Nachrichten aus dem Privatleben von Thomas Gottschalk. Demnach sagte Gottschalk der Zeitung, er sei nach Auskunft seiner Ärzte momentan krebsfrei. „Nach Auskunft der Ärzte bin ich momentan krebsfrei. Meine letzte Untersuchung im PET hat ergeben, dass ich keinerlei Krebszellen mehr im Körper habe." Gottschalk hatte seine Krebserkrankung im November 2025 öffentlich gemacht. Er ist ehemaliger Moderator der Sendung „Wetten, dass..?".
Im Rahmen seiner Behandlung erhielt Gottschalk nach eigenen Angaben 33 Bestrahlungen und zwei mehrstündige Operationen. „Ich bekomme eine Impfung gegen den Krebs. Achtmal habe ich diese Spritze bereits bekommen. Zwölf sind es insgesamt." Die Impfung werde im Abstand von 14 Tagen verabreicht, erklärte seine Frau Karina Gottschalk der „Bild". „Kinder haben diese böse Krebsart, die Thomas hat, ganz oft. Diese Impfung wurde speziell für Kinder entwickelt, sie erspart ihnen manchmal die Chemotherapie. Was Kindern hilft, hilft vielleicht auch Thomas. Deswegen probieren wir das aus." Gottschalk nehme derzeit keine Medikamente und absolviere ein Krafttraining mit Personal Trainer. „Ich muss die Zähne mit der linken Hand putzen, weil es gut für die Koordination des Hirns und des Stehvermögens ist. Ich folge den Ärzten und meinem Personal Trainer, wo es geht."
Kampf um eine Kapelle in Polenz
Derweil geht der Kampf um ein anderes Kulturerbe in Sachsen weiter: Im Dorf Polenz bei Meißen bemüht sich ein eigens gegründeter Verein um den Erhalt der denkmalgeschützten Kapelle. „Seit über 600 Jahren ist die kleine Kapelle mit dem kleinen Turm der Mittelpunkt von Polenz bei Meißen." Doch von den 230 Einwohnern sind kaum mehr als zehn christlich. „Bis die Glocke vor einem Jahr verstummte", erzählt Anwohner Steffen Nitsche, der sich nach eigenem Bekunden „als Nachbar habe man den Glockenschlag natürlich morgens, mittags und abends gehört" erinnert.
„Ende vergangenen Jahres entwidmete die evangelische Kirchgemeinde deshalb in einem Gottesdienst die Kapelle." Zusammen mit 23 Polenzern gründete die Bauingenieurin Patricia Hentschel Anfang des Jahres einen Verein, der das Gebäude übernehmen will. „Der Polenzer Verein würde die Kapelle gern von der Kirchgemeinde St. Afra Meißen mit einem Erbbaupachtvertrag übernehmen." „Die Verhandlungen darüber dauern noch an."
Bereits jetzt öffnen die Polenzer einmal im Monat ihre Kapelle: für Ausstellungen, Musik, Gespräche. „An einem Freitag im Juli treffen sich die Polenzer in der Kapelle – ein kühler Ort an einem Hitzetag. Auf großen Papierbögen halten sie ihre Ideen für das Gotteshaus fest." Der in Polenz aufgewachsene Architekt Tom Macht hat die Kapelle als 3D-Modell nachgebaut, um Nutzungsideen zu prüfen. „Man kann da viele verschiedene Nutzungen reinbringen. Es kommt jetzt ein bisschen darauf an, was das Dorf eigentlich braucht, was die Leute hier eigentlich wollen."
Ausblick: Musikfestival in Schleswig-Holstein
Die Bewohnerinnen und Bewohner haben dabei klare Vorstellungen. „Mein Wunsch für die Kapelle: Dass wir wirklich einen Begegnungsort im Dorf haben, dass sich die Rentner zum Kaffeeklatsch treffen können, gegebenenfalls ihre Enkel mitbringen, ihre Kinder mitbringen – dass wieder Leben ins Dorf kommt", sagt René Macht, der sich selbst als „bekennender Atheist" bezeichnet. Sabine Stollberg ergänzt: „Ein Raum für die Gemeinschaft und dass es erhalten wird als Gebäude, als Dorfmittelpunkt." Hintergrund ist nach Angaben des Beitrags ein Trend: „Viele Gemeinden in Mitteldeutschland stehen vor der Frage, wie sich ehemalige Kirchenräume umnutzen lassen."
Parallel dazu beginnt in Schleswig-Holstein die Konzertsaison: Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) 2026 präsentiert nach Angaben der Veranstalter ein „Buntes Programm auf Gut Emkendorf". Besucherinnen und Besucher können dort das „Konzert mit Picknick" erleben, „und in der Scheune Musik zu hören". „Das „Konzert mit Picknik" gibt Besuchern die Möglichkeit, im Freien mit Freunden zusammenzukommen."
Fragen & Antworten
Welche Angriffe ereigneten sich im Vorfeld des Frankfurter CSD 2026?
In der Nacht zum Samstag wurde ein 62-Jähriger im Allerheiligenviertel an einem Kiosk mit einer Glasflasche ins Gesicht geschlagen, als er mit seinem Partner Händchen haltend unterwegs war. Kurz darauf wurden mehrere Glasflaschen auf eine queere Bar in der Alten Gasse geworfen; ein 21-Jähriger wurde festgenommen, die Polizei prüft einen queerfeindlichen Hintergrund.
Wie fiel die Bilanz des Frankfurter CSD-Wochenendes aus?
Die Veranstalter hatten insgesamt mit 150.000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet; zur Parade am Samstag kamen nach Polizeiangaben 15.000 bis 17.000 Menschen und damit rund 5.000 mehr als erwartet. Am Sonntag endete das Fest mit einem Straßenfest am Main, die Polizei meldete die Parade als „ohne Zwischenfälle".
Wie will das Dorf Polenz seine denkmalgeschützte Kapelle retten?
Eine Bauingenieurin und 23 Mitstreiter haben einen Verein gegründet, der die Kapelle per Erbbaupachtvertrag von der Kirchgemeinde St. Afra Meißen übernehmen will. Ein in Polenz aufgewachsener Architekt hat ein 3D-Modell der Kapelle gebaut; die Bewohner wünschen sich einen Begegnungsort mit Café, Ausstellungen und Konzerten. Die Verhandlungen mit der Kirchgemeinde dauern nach Angaben des Berichts noch an.
Frankfurt CSD 2026: Angriffe, Parade und Fest am Main | finanz360