Iran-Raketen auf US-Basen: Feuerpause beendet – Angriffe im | finanz360
Feuerpause beendet: Iran feuert Raketen auf US-Basen, USA und Saudi-Arabien fliegen Vergeltungsschläge im Irak
Washington, 29. Juli 2026
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Kurzfassung
Nur wenige Tage nach einer brüchigen Waffenruhe haben iranische Revolutionsgarden den Angaben des US-Militärs zufolge Raketen auf US-Stellungen im Nahen Osten abgefeuert. Die USA und Saudi-Arabien reagierten mit gemeinsamen Luftschlägen auf mutmaßlich iranisch verbündete Milizen im Irak, während der Ölpreis um mehr als drei Prozent stieg.
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben am Dienstag iranische Raketen auf US-Stellungen im Nahen Osten abgefangen und gemeinsam mit Saudi-Arabien Vergeltungsschläge gegen pro-iranische Milizen im Irak geflogen, womit eine erst am Freitag zuvor erreichte brüchige Feuerpause endete.
Angriff und Abfangen der Raketen
Die Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hat nur wenige Tage gehalten. Wie das zuständige US-Regionalkommando CENTCOM am Dienstagabend mitteilte, hatten die iranischen Revolutionsgarden mehrere ballistische Raketen auf US-Stellungen im Nahen Osten abgefeuert. Die Raketen seien vollständig abgefangen worden, hieß es in der Erklärung, die das Kommando über die Plattform X verbreitete. CENTCOM sprach zugleich von einem "Überraschungsangriff auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte".
Die Raketen seien in Richtung einer US-Basis in Jordanien geflogen, berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf informierte Kreise. CENTCOM selbst äußerte sich zunächst nicht zum konkreten Ziel des Angriffs. Auch der genaue Startpunkt der Geschosse wurde von offizieller Seite zunächst nicht öffentlich gemacht. Die Regierung in Teheran äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Vorwürfen.
Hintergrund: Munitionssorgen und Warnungen aus Washington
Nach Informationen des Fernsehsenders CNN hatten sich US-Vizepräsident JD Vance und Generalstabschef Dan Caine besorgt über eine Eskalation des Konflikts gezeigt. Unter Berufung auf informierte Personen berichtete der Sender zudem, Caine habe auf schwindende Munitionsreserven der USA hingewiesen. Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, dass bei den Nachschubbedenken vor allem Flugabwehrraketen vom Typ Patriot eine Rolle spielten.
Präsident Donald Trump hatte die Angriffe auf den Iran nach eigenen Angaben gestoppt, um laufenden Verhandlungen mit Teheran eine weitere Chance zu geben. "Wir sind in sehr tiefgehenden Verhandlungen mit dem Iran", sagte Trump dem Portal Axios. Bereits am Montag hatte er eine "guten Chance" auf ein Abkommen mit Teheran beschrieben. In Washington war am Dienstag zugleich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zu einem hinter verschlossenen Türen stattfindenden Gespräch im Weißen Haus zu Gast. Medienberichten zufolge wollte Netanyahu bei dem Treffen unter anderem die Zustimmung der US-Regierung zu neuen israelischen Angriffen auf den Iran erreichen.
Diplomatie unter Druck: Trump, Netanyahu und der Verhandlungspfad
Der Iran-Experte Hamidreza Azizi von der CDU-nahen Stiftung Wissenschaft und Politik schrieb auf der Plattform X, es sei das erste Mal, dass der Iran angegriffen habe, ohne zuvor von den USA oder Israel attackiert worden zu sein. Azizi vermutete zugleich einen Zusammenhang mit dem Besuch Netanyahus im Weißen Haus. Der Angriff könne "ein Signal im Kontext des Netanjahu-Besuchs im Weißen Haus gewesen sein", schrieb er.
Noch am Dienstagabend reagierten die USA gemeinsam mit Saudi-Arabien mit Luftschlägen auf Ziele im Osten des Irak. Wie CENTCOM weiter mitteilte, hätten amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge mehrere Logistik- und Waffenlager einer nicht namentlich genannten Gruppierung angegriffen. Die Angriffe seien "Präzisionsschläge" gegen "mit dem Iran verbündete Terroristen" gewesen, teilte das Regionalkommando mit. Saudi-Arabien bezeichnete das gemeinsame Vorgehen als Akt der "Selbstverteidigung".
Vergeltungsschläge im Irak: USA und Saudi-Arabien greifen an
Die Angriffe waren nach Darstellung der US-Seite eine Reaktion auf "angeblich mehr als 30, von den iranischen Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden". Bereits am Montag hatte die Huthi-Miliz im Jemen Drohnenangriffe auf "sensible Knotenpunkte" für den Öltransport nach Yanbu gemeldet. Auch das saudi-arabische Verteidigungsministerium erklärte, "mit dem Iran in Verbindung stehende Milizen" hätten erneut vom Irak aus Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien geflogen. Die Drohnen seien abgefangen worden, hieß es.
Zugeschlagen wurde nach US-Angaben gegen Stellungen der Haschd al-Schaabi, einem Netzwerk ehemaliger Paramilitärs, das weitgehend in die regulären irakischen Streitkräfte integriert ist, dessen pro-iranische Untergruppen jedoch teilweise weiter eigenständig operieren. Die Miliz erklärte, bei dem Angriff seien mehrere Menschen getötet und weitere verletzt worden. Zudem seien "offizielle Hauptquartiere" der Gruppierung in mehreren Landesteilen getroffen worden. Die Haschd al-Schaabi sprach von "tückischen Terroranschlägen, die von US-amerikanischen und saudischen Streitkräften verübt wurden".
Die schiitische Milizallianz "Islamischer Widerstand im Irak" wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Anschuldigungen als "Erfindungen". Riad wolle damit lediglich seine Unfähigkeit rechtfertigen, auf die "schmerzhaften jemenitischen Angriffe" der Huthi zu reagieren, hieß es. Für den Fall eines weiteren saudischen Vorgehens im Irak drohte die Gruppe mit einer "harten" Antwort.
Huthi, Tanker und Seeblockade im Roten Meer
Die Lage an mehreren Fronten im Nahen Osten hatte sich bereits in den Tagen vor dem Zusammenbruch der Waffenruhe zugespitzt. Nach Angaben von CENTCOM hatten die Milizen in den vergangenen Tagen "mehr als zwei Dutzend Drohnenangriffe" ausgeführt. Auch im Jemen weiteten die Huthi ihre Angriffe aus: Die pro-iranische Miliz kündigte in der Vorwoche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an und beanspruchte am Dienstag, den Tanker "NCC Ghazal" unter Beschuss genommen zu haben. Das Schiff habe gegen die Blockade "verstoßen", Warnungen ignoriert und sei "gezwungen umzukehren, nachdem mehrere Raketen abgefeuert wurden", erklärte die Miliz über ihren Fernsehsender Almasirah. Nach Daten der Plattform MarineTraffic fährt die "Ghazal" unter saudi-arabischer Flagge. Ihr letzter bekannter Standort war der Hafen von Yanbu am Roten Meer.
Yanbu ist der Endpunkt der wichtigen Ost-West-Ölpipeline, über die Rohöl von den Förderstätten am Persischen Golf fließt. Mit ihrer Hilfe kann die vom Iran seit Kriegsbeginn de facto gesperrte Straße von Hormus umgangen werden. In Reaktion auf die neuen Kämpfe stieg der Ölpreis an asiatischen Börsen um mehr als drei Prozent pro Barrel. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition unterstützt seit 2015 die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthi. Seit einer von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 waren die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und der Miliz weitgehend zum Erliegen gekommen – doch die jüngsten gegenseitigen Angriffe drohen diese faktische Feuerpause zu kippen.
Die Eskalation folgt auf eine Phase beispiellos intensiver Luftkriegsführung. US-Angriffe auf iranische Ziele waren demnach fast zwei Wochen lang fast jede Nacht geflogen worden. Nach 13 aufeinanderfolgenden Nächten neuer US-Luftschläge auf den Iran und iranischen Vergeltungsangriffen hatten beide Seiten am Freitag vor den jüngsten Vorfällen keine gegenseitigen Angriffe mehr gemeldet. Die USA stellten die Operationen zeitweise ein, um den Verhandlungen mit Teheran Raum zu geben – ein taktisches Manöver, das der Iran-Experte Azizi als gescheitert betrachtet.
Warnungen, Vorgeschichte und mögliche Folgen
Die US-Regierung hatte die Revolutionsgarden wiederholt scharf gewarnt. Die "Revolutionsgarde und ihre terroristischen Stellvertreter müssen diese Angriffe einstellen, um weitere militärische Reaktionen der USA zu vermeiden", hieß es in einer früheren Stellungnahme. Auch die iranischen Revolutionsgarden sollen demnach "Terroristen" zu Angriffen auf in Saudi-Arabien stationierte US-Truppen und Energieinfrastruktur in dem Land angestiftet haben, wie CENTCOM erklärte. Im Irak existieren Dutzende bewaffneter Gruppen, die von Teheran unterstützt werden und großteils im Kontext der US-geführten Invasion im Jahr 2003 entstanden sind.
US-Präsident Trump hatte am 6. März erklärt, nur eine "bedingungslose" iranische Kapitulation werde den Krieg beenden. In der Folge waren die wechselseitigen Angriffe in der Golfregion nach einigen Tagen relativer Ruhe wieder aufgeflammt. Die jüngste Eskalation verschärft die Sorge in Washington, dass die ohnehin begrenzten Munitionsvorräte bei einer weiteren Intensivierung der Kampfhandlungen schneller als geplant schrumpfen könnten. Beobachter werten das Verhalten Teherans auch als Signal an die US-Regierung, dass Verhandlungen aus iranischer Sicht nicht mit einer Drosselung der militärischen Antworten gleichgesetzt werden.
Die Bundesregierung und die Europäische Union waren am Dienstagabend zunächst nicht offiziell Stellung nehmend zu erreichen. Diplomatische Kreise in Brüssel verwiesen auf laufende Abstimmungen mit Washington und den Golfstaaten über mögliche Vermittlungsformate. Unklar blieb zunächst, ob die für die kommenden Tage angesetzten Gespräche zwischen US-Vertretern und iranischen Unterhändlern trotz der neuen Gewalt fortgesetzt werden sollen.
Ungeachtet der jüngsten Eskalation stellten die USA den Luftkrieg nach eigener Darstellung nicht vollständig ein. CENTCOM sprach von einer "vorübergehend" ausgesetzten Operation, ohne ein Enddatum zu nennen. Trump hatte in Interviews mehrfach betont, militärischer Druck und Diplomatie schlössen sich nicht aus. Mit Blick auf die parallel laufenden Verhandlungen erklärte er, eine Einigung bleibe "möglich, aber nicht garantiert".
Die Entwicklungen zeigen zugleich, wie fragil die seit 2022 geltende Waffenruhe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi ist. Sollte die iranische Führung den Konflikt weiter eskalieren, droht nach Einschätzung von Regionalexpertinnen und Regionalexperten eine gleichzeitige Aktivierung mehrerer Fronten – von der irakisch-syrischen Grenzregion über die saudische Ost-West-Pipeline bis zu den Schifffahrtsrouten im Roten Meer. Damit würde sich der ohnehin angespannte Energiemarkt weiter zu Ungunsten der importabhängigen Volkswirtschaften in Europa und Asien verteuern.
Die kommenden Tage gelten als entscheidend dafür, ob die diplomatischen Kanäle offen bleiben oder ob der Konflikt in eine offene militärische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran mündet. Trump hatte wiederholt betont, er wolle einen "großen, gewinnenden Deal" mit Teheran – eine Formulierung, die Beobachterinnen und Beobachter als Druckmittel ebenso wie als Verhandlungsangebot lesen.
Fragen & Antworten
Welche Folgen hat die Eskalation für die Energiepreise und die Region?
Der Ölpreis stieg an asiatischen Börsen unmittelbar um mehr als drei Prozent pro Barrel. Analysten befürchten, dass die seit 2022 zwischen Saudi-Arabien und den Huthi bestehende Waffenruhe sowie die Ost-West-Pipeline in Yanbu in den Konflikt hineingezogen werden.