Kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara hat die türkische Polizei in mehreren Provinzen dutzende Menschen festgenommen, darunter Journalistinnen, Anwältinnen und Mitglieder linker Gruppen; Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Einsätze als Einschüchterung der Opposition.

Die türkische Regierung hat vor dem NATO-Gipfel in Ankara ihre Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu nahm die Polizei bei Razzien in acht Provinzen 39 Verdächtige fest. Menschenrechtsgruppen sprechen insgesamt von mehr als 200 Festnahmen im Vorfeld des Treffens, darunter Wissenschaftler, Juristen, Gewerkschafter, Studierende, Journalistinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft.

Die Festnahmen trafen auch bekannte Medienschaffende. Buse Sötüglü, Leiterin der Auslandsredaktion des Senders T24, und Ceren Erdogdu, Journalistin bei Oda TV, wurden nach Angaben ihrer Umgebung zu Hause festgenommen und in Polizeigewahrsam gebracht. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung hatte die Polizei keine Gründe für die Festnahmen der beiden Journalistinnen öffentlich genannt. Auch der Online-Petitionsaufruf „Nato'ya Hayir“ („Nein zur NATO“) und die Website „NatoDefol“ waren aus der Türkei nicht mehr abrufbar.