EZB stellt zehn Entwürfe für neue Euro-Banknoten vor und startet Bürgerbefragung
Frankfurt am Main, 23 Juli 2026
Thomas Wolf, www.foto-tw.de / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de
Kurzfassung
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag in Frankfurt zehn Designvorschläge für die nächste Euro-Banknotenserie präsentiert und eine öffentliche Online-Umfrage gestartet. Bürgerinnen und Bürger aus dem Euroraum können bis zum 21. September 2026 ihre Meinung zu den Motiven „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“ abgeben.
Frankfurt am Main, 23 Juli 2026
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag in Frankfurt am Main zehn Designvorschläge für die nächste Euro-Banknotenserie vorgestellt und parallel eine öffentliche Online-Umfrage gestartet, an der sich Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Euroraum bis zum 21. September 2026 beteiligen können.
Die Präsentation im Frankfurter Eurotower markiert den Auftakt zur ersten vollständigen Neugestaltung der Euro-Banknoten seit deren Einführung im Jahr 2002. EZB-Präsidentin Christine Lagarde präsentierte insgesamt 120 Entwürfe – 60 Vorder- und 60 Rückseiten –, die aus einem EU-weiten Gestaltungswettbewerb hervorgegangen sind. An dem Wettbewerb hatten sich nach Angaben der Notenbank mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und -designer beteiligt.
Hintergrund: Erste Neugestaltung seit 2002
Aus den eingereichten Arbeiten wählte eine unabhängige Jury aus 21 Fachleuten aus den Bereichen Grafikdesign, Kommunikation, Neurowissenschaften und Geschichte die zehn Vorschläge aus, die nun der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Jedes Jury-Mitglied war von einer Zentralbank des Euroraums nominiert worden. Die endgültige Entscheidung über das künftige Design der Banknoten wird der EZB-Rat voraussichtlich gegen Jahresende 2026 treffen.
Die Entwürfe verteilen sich auf zwei thematische Linien: „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“. Für jedes der beiden Motive liegen fünf Gestaltungsvorschläge vor, von denen am Ende nur eines tatsächlich umgesetzt wird. Die EZB hatte die beiden Themen bereits Anfang des Vorjahres in einer Vorauswahl festgelegt.
Zwei Motivlinien zur Auswahl
Im Motiv „Europäische Kultur“ sollen auf den Vorderseiten bekannte europäische Persönlichkeiten abgebildet werden. Vorgesehen sind unter anderem Komponist Ludwig van Beethoven auf dem Zehn-Euro-Schein, Wissenschaftlerin Marie Curie auf dem Zwanzig-Euro-Schein sowie Künstler Leonardo da Vinci auf dem Hundert-Euro-Schein. Auf dem Zweihundert-Euro-Schein ist die Schriftstellerin Bertha von Suttner vorgesehen. Die Rückseiten dieses Motivs zeigen Alltagsszenen wie Straßenkünstler oder ein Sängerfest mit einem Kinderchor.
Das zweite Motiv „Flüsse und Vögel“ stellt die „Resilienz und Vielfalt der natürlichen Ökosysteme Europas“ in den Mittelpunkt. Auf den Vorderseiten sind Naturlandschaften wie Gebirgsquellen, Wasserfälle oder Flusstäler mit typischen europäischen Vogelarten wie Mauersegler, Eisvogel oder Weißstorch abgebildet. Auf dem Hundert-Euro-Schein wäre in dieser Linie ein Säbelschnäbler zu sehen. Die Rückseiten zeigen europäische Institutionen, darunter das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die EZB.
Bruch mit abstrakter Tradition
Im Vergleich zu den aktuellen Banknoten, die seit fast 30 Jahren abstrakte Brücken, Tore und Fenster zeigen, würde die neue Serie mit der Tradition abstrakter Motive brechen. Die derzeitigen Motive gelten als eher nüchtern und zeigen Gebäude, die es in der Realität nicht gibt – anders als frühere nationale Währungen wie die Deutsche Mark. Die Form und Farbe der neuen Scheine soll jedoch unverändert bleiben: Der Fünf-Euro-Schein bleibt grau, der Zehn-Euro-Schein rot und der Zwanzig-Euro-Schein blau.
Die neuen Banknoten sollen zudem zahlreiche verbesserte Sicherheitsmerkmale erhalten, um Fälschern einen Schritt voraus zu sein. „Mit verbesserten und innovativen Sicherheitsmerkmalen wollen wir den Fälschern immer einen Schritt voraus sein“, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Darüber hinaus sollen die Noten leichter für Menschen mit Sehbehinderungen erkennbar sein. Auch die Haltbarkeit soll verbessert werden, um den ökologischen Fußabdruck der Produktion zu verringern.
Sicherheit und Nachhaltigkeit
Die EZB hatte den Prozess zur Neugestaltung der Banknoten Ende 2021 angestoßen. Die zweite Generation der Euro-Banknoten mit neuen Sicherheitsmerkmalen ist bereits seit Mai 2019 vollständig. Die geplante Einführung der neuen Serie ist für die Jahre nach der endgültigen Designentscheidung vorgesehen, mit einem Start ab Ende 2028 und einer vollständigen Ausgabe in den Jahren 2028 und 2029. Die alten Banknoten behalten ihren Wert und bleiben parallel im Umlauf.
„Euro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel - sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas“, sagte Lagarde. „Through designs that combine beauty and meaning, they will reinforce our shared identity.“ Die Präsidentin betonte zudem: „Die Banknoten gehören Ihnen.“ Die Notenbank wolle die Stimme der Bevölkerung hören, so Lagarde weiter: „Es sei der Notenbank wichtig, die Stimme des Volkes dazu zu hören.“
Stimmen aus dem Eurosystem
Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, erklärte: „The redesign of the euro banknotes is part of a long-term effort by the Eurosystem to ensure that cash remains a secure, efficient and relatable means of payment, preserving citizens' access to public money and their freedom to choose how to pay.“ Auch Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), hob die Bedeutung des Bargelds hervor: „Bargeld ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Zahlungsverkehrs. Wahlfreiheit bei der Bezahlung ist ein zentrales Anliegen des Eurosystems.“
Bundesbank-Präsident Nagel rief die Bevölkerung zur Teilnahme an der Umfrage auf: „Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Meinung einzubringen und die Zukunft des Euro mitzugestalten.“ Je mehr Menschen abstimmten, „desto besser spiegeln die Euro-Banknoten künftig die Vielfalt und die Werte Europas wider“, sagte Nagel weiter. Die Online-Umfrage ist über die Website der EZB zugänglich und läuft bis zum 21. September 2026.
Parallel zur öffentlichen Befragung führt ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine zweite Umfrage mit denselben Fragen unter einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung des Euroraums durch. Die Entscheidung des EZB-Rats wird sich auf eine Kombination von Eingaben stützen, darunter die Schlussfolgerungen der Designwettbewerbs-Jury, eine technische Bewertung sowie die Ergebnisse der beiden Umfragen. Die EZB wird einen Bericht zu den Ergebnissen veröffentlichen, sobald das endgültige Designkonzept ausgewählt wurde.
Zeitplan und weitere Schritte
Der Euro ist die gemeinsame Währung von rund 358 Millionen Menschen in 21 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und gilt als die zweitwichtigste Währung der Welt. Die Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 war nicht nur ein bloßer Währungswechsel, wie OeNB-Direktor Thomas Steiner betonte. Die neuen Banknoten werden weiterhin sechs Stückelungen umfassen, vom Fünf-Euro- bis zum Zweihundert-Euro-Schein.
Die aktuellen Euro-Banknoten wurden vom österreichischen Grafiker Robert Kalina entworfen, der zum Zeitpunkt der Einführung Chefdesigner der Oesterreichischen Nationalbank war und zuvor zahlreiche Serien des österreichischen Schillings gestaltet hatte. Kalina äußerte sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisch über die neuen Motive: Vögel und Flüsse gehörten auf eine Briefmarke und nicht auf die wichtigste Währung des Kontinents. Er fürchte, dass konkrete Personen und Gebäude den Stolz und die Rivalitäten der Nationalstaaten neu entfachen könnten. „Es täte mir leid, wenn der Euro künftig anders aussähe“, sagte der 71-Jährige.
Die EZB hatte bereits vor fünf Jahren neue Banknoten angekündigt. Mit der Vorstellung der zehn Entwürfe und dem Start der Bürgerbefragung geht der Prozess nun in eine entscheidende Phase. Die neuen Scheine sollen voraussichtlich in den darauffolgenden Jahren in Umlauf gebracht werden.
Medienkontakte der EZB sind Alessandro Speciale (Tel.: +49 69 172 1670791) und Benoit Deeg (Tel.: +49 69 1344 95686). Die Generaldirektion Kommunikation der EZB befindet sich in der Sonnemannstraße 20, 60314 Frankfurt am Main. Die offizielle Pressemitteilung wurde am 23. Juli 2026 um 16:32 Uhr von der Oesterreichischen Nationalbank über APA-ots veröffentlicht.
Fragen & Antworten
Welche Motive schlägt die EZB für die neuen Euro-Banknoten vor?
Die EZB hat zwei Motivlinien vorgestellt: „Europäische Kultur“ mit Persönlichkeiten wie Ludwig van Beethoven, Marie Curie, Leonardo da Vinci und Bertha von Suttner sowie „Flüsse und Vögel“ mit Naturlandschaften und Vogelarten wie Eisvogel, Weißstorch und Säbelschnäbler.
Bis wann können Bürgerinnen und Bürger an der Umfrage teilnehmen?
Die öffentliche Online-Umfrage auf der Website der EZB läuft bis zum 21. September 2026. Parallel führt ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine zweite Befragung unter einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung des Euroraums durch.
Wann wird die endgültige Designentscheidung getroffen?
Der EZB-Rat wird voraussichtlich gegen Jahresende 2026 eine endgültige Entscheidung über das Design treffen. Die neuen Banknoten sollen dann in den Folgejahren, voraussichtlich ab Ende 2028, in Umlauf gebracht werden.
EZB neue Euro-Banknoten: Zehn Entwürfe und Bürgerbefragung | finanz360