EU-Strafe gegen Google: 890 Mio. Euro wegen DMA-Verstößen
Brüssel, 23. Juli 2026
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Kurzfassung
Die EU-Kommission hat gegen Google eine Strafe von insgesamt 890 Millionen Euro verhängt, weil der US-Konzern eigene Dienste in der Suchmaschine bevorzugt und App-Entwickler bei Google Play behindert haben soll. Google kündigte an, die Entscheidung vor Gericht anzufechten, US-Präsident Donald Trump drohte erneut mit Zöllen.
Die EU-Kommission hat am Donnerstag in zwei Verfahren gegen Google wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act (DMA) Strafen von insgesamt 890 Millionen Euro verhängt.
Zwei Verfahren, zwei Bußgelder
Die Bußgelder von 460 Millionen Euro und 430 Millionen Euro – zusammen rund 1,02 Milliarden US-Dollar – sind nach Angaben der Brüsseler Behörde die ersten Geldstrafen, die auf Basis des 2022 in Kraft getretenen DMA gegen Google verhängt wurden. Google ist der dritte Digitalkonzern, der unter dem DMA eine deutliche Strafe erhält; zuvor waren bereits Meta mit 200 Millionen Euro und Apple mit 500 Millionen Euro belangt worden.
Die EU-Kommission wirft dem US-Konzern vor, in seiner Suchmaschine eigene Angebote wie Sportergebnisse, Hotelsuchen, Flug- und Restaurantverfügbarkeit systematisch bevorzugt anzuzeigen. Drittanbieterdienste, die ähnliche Informationen bereitstellen, erhielten hingegen nicht die gleiche Sichtbarkeit, wie die Kommission mit Blick auf visuell hervorgehobene Boxen – etwa farbige Felder mit WM-Spielpaarungen – erläuterte.
Vorwürfe gegen Google Search und Google Play
Ein zweites Verfahren betrifft den App-Marktplatz Google Play. Dort habe Google App-Entwickler daran gehindert, Nutzer kostenlos auf günstigere Angebote außerhalb des Play Stores hinzuweisen – etwa auf Webseiten oder in alternativen App-Stores. Auch die Höhe der Vermittlungsgebühr für die Erstakquise eines neuen Kunden und die Dauer des Abrechnungszeitraums seien nicht mit den EU-Regeln vereinbar gewesen.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera begründete das Vorgehen mit dem Ziel, faire Wettbewerbsbedingungen auf digitalen Märkten zu sichern. „Die besten Produkte sollten erfolgreich sein, weil sie besser sind, nicht weil sie dem Unternehmen gehören, das die Suchmaschine betreibt“, sagte sie. Man habe „entscheidende, aber ausgewogene Zwangsmaßnahmen“ ergriffen, um die Verstöße zu ahnden.
Google-Sprecher Kent Walker, Präsident für globale Angelegenheiten und Chefjustiziar des Konzerns, kritisierte die Entscheidung scharf. „Regulierung sollte Produkte verbessern, nicht verschlechtern“, sagte er. Zugleich verwies er darauf, dass die Vorgaben zur Folge hätten, dass Echtzeit-Suchfunktionen wie sofortige Preisangebote und die direkte Verfügbarkeit von Hotels, Flügen und Restaurants entfernt werden müssten. Zudem müssten Sicherheitsfunktionen bei Google Play abgebaut werden. „Das ist kein fairer Wettbewerb“, sagte Walker. Leidtragende seien europäische Unternehmen und Verbraucher.
Google wehrt sich: Echtzeitfunktionen und Sicherheit in Gefahr?
Die Kommission hat Google eine Frist von 60 Tagen gesetzt, um die geforderten Änderungen umzusetzen. Andernfalls drohen dem Konzern regelmäßige Zwangsgelder in Höhe von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen täglichen weltweiten Umsatzes. Google kündigte an, die Entscheidung gerichtlich anzufechten. Ähnliche Verfahren der EU-Kommission hatten in der Vergangenheit teils jahrelange Gerichtsprozesse zur Folge.
Der DMA verpflichtet sogenannte Gatekeeper-Plattformen – zu denen neben Alphabet auch Amazon und Microsoft zählen – zu besonderen Wettbewerbsregeln. Verstöße können mit Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, bei Wiederholungstätern bis zu 20 Prozent. Damit hätte das Bußgeld im Fall Google theoretisch bis zu 40 Milliarden Euro betragen können.
Trump droht mit neuen Zöllen
US-Präsident Donald Trump hatte bereits nach einer Milliardenstrafe gegen Google im vergangenen Jahr mit Zöllen gedroht und die EU-Entscheidung als „nächsten Schlag gegen ein großartiges amerikanisches Unternehmen“ bezeichnet. Auf seiner Online-Plattform Truth Social kündigte er an, sich gezwungen zu sehen, ein Verfahren für neue Zölle einzuleiten, falls US-Konzerne weiter zur Kasse gebeten würden. Die Frist für die bereits zuvor verhängten US-Importzölle lief am Freitag, den 24. Juli, aus.
Beobachter erwarten, dass die neuerliche Strafe die Spannungen zwischen Brüssel und Washington verschärfen könnte. Handelsbeauftragter Jamieson Greer erklärte am Donnerstag, die EU-Maßnahmen schüfen „massive Unsicherheit für US-Exporte von Waren und Dienstleistungen nach Europa“. Washington kritisiert den DMA als diskriminierend, da überwiegend US-Konzerne betroffen seien.
Reaktionen aus dem Europäischen Parlament
Aus dem Europäischen Parlament kam Zustimmung zu dem Bußgeld. Die Grünen-Digitalpolitikerin Alexandra Geese nannte die Strafe allerdings enttäuschend und nicht proportional zum Schaden für die europäische Wirtschaft und forderte konsequente tägliche Zwangsgelder. SPÖ-Europaabgeordnete Elisabeth Grossmann warnte: „Auch wenn von US-Seite Druck aufgebaut wird, darf Europa hier nicht einknicken.“ NEOS-EU-Mandatarin Anna Stürgkh begrüßte das Vorgehen ausdrücklich.
Die Suchmaschinenkonkurrenz äußerte sich ebenfalls. Christian Kroll, Chef der Berliner Suchmaschine Ecosia, sagte: „Seit 2017 hat die Kommission Bußgelder von über elf Milliarden Euro verhängt – Bußgelder, gegen die das Unternehmen stets in Revision gegangen ist und teilweise erst nach Jahren bezahlt hat. Googles Marktanteil bei der Internetsuche in Europa? In der Zwischenzeit auf rund 90 Prozent weiter gestiegen. 890 Millionen Euro Strafen für ein Unternehmen mit 400 Milliarden Dollar Jahresumsatz sind kein Abschreckungsmittel. Sie sind kalkulierter Teil eines Geschäftsmodells.“
Hintergrund: Chronik der Google-Strafen
Der Druck auf EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war in den vergangenen Wochen aus den eigenen Reihen gewachsen, im Umgang mit Trump mehr Härte zu zeigen. Ein ranghoher EU-Vertreter betonte, die EU habe das souveräne Recht, US-Technologiekonzerne in ihrem Hoheitsgebiet zu regulieren; der Zeitpunkt der Strafe stehe in keinem Zusammenhang mit den US-Zöllen.
Insgesamt summieren sich die Strafen gegen Google damit auf mehr als zehn Milliarden Euro. Allein im September 2025 waren 2,95 Milliarden Euro wegen Wettbewerbsverstößen im Werbegeschäft (Adtech) hinzugekommen; Anfang Juli 2026 hatte der Europäische Gerichtshof zudem eine Rekordstrafe von 4,1 Milliarden Euro aus dem Jahr 2018 wegen des Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung beim Mobilbetriebssystem Android in leicht reduzierter Höhe bestätigt. Google und Alphabet müssen diese Summe nun zahlen.
Hintergrund der aktuellen Verfahren: Die EU hatte die Untersuchungen zur Google-Suche und zu Google Play im März 2024 parallel zu Verfahren gegen Apple und Meta eröffnet. Im März 2025 übermittelte die Kommission ihre vorläufigen Ergebnisse im Suchverfahren. Im November 2025 wurde ein weiteres Verfahren wegen der Herabstufung von Nachrichtenverlagen in den Suchergebnissen eröffnet. Bis Ende Juli muss die Kommission zudem eine bindende Entscheidung treffen, wie Google Suchdaten mit Konkurrenten teilen und Android für KI-Assistenten von Drittanbietern öffnen muss.
Nichtregierungsorganisationen wie LobbyControl sehen trotz der Strafe ein Umsetzungsproblem. Katharina Nocun von LobbyControl warf der EU vor, sich beim Vollzug des DMA schwerzutun. Johannes Reck, Chef der Buchungsplattform GetYourGuide, monierte, dass Google Strafen offenbar als kalkulierbaren Kostenfaktor behandle, solange sie günstiger seien als die nötigen Anpassungen.
Fragen & Antworten
Worauf stützt die EU-Kommission ihre Entscheidung gegen Google?
Die Kommission wirft Google vor, in seiner Suchmaschine eigene Dienste wie Sport- und Hotelsuchen bevorzugt anzuzeigen und App-Entwickler auf Google Play daran zu hindern, Nutzer auf günstigere Angebote außerhalb des Stores hinzuweisen.
Welche Fristen und Strafen muss Google nun beachten?
Google hat 60 Tage Zeit, die geforderten Änderungen umzusetzen. Andernfalls drohen regelmäßige Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen täglichen weltweiten Umsatzes.
Welche Reaktionen kamen aus den USA und von Google?
Google kündigte an, die Entscheidung gerichtlich anzufechten und warnte vor dem Verlust von Echtzeit-Suchfunktionen und Sicherheitsmerkmalen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Strafe als Schlag gegen ein großartiges amerikanisches Unternehmen und drohte mit neuen Zöllen.
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