Eskalation in Nahost: Iran und Israel tauschen Raketen aus, Huthis drohen mit Eingreifen
Berlin, 08. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem iranischen Raketenangriff auf Israel und israelischen Vergeltungsschlägen im Iran wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts. Die Huthis im Jemen kündigten Raketen auf Israel und ein Blockieren der Schifffahrt im Roten Meer an. US-Präsident Trump forderte beide Seiten zum sofortigen Einstellen der Angriffe auf.
Nachdem der Iran Israel am Sonntag mit ballistischen Raketen angegriffen hatte, flog Israel Vergeltungsschläge gegen iranische Militäranlagen und Petrochemie, während die jemenitischen Huthis mit Raketenangriffen auf Israel drohten und die Schifffahrt im Roten Meer behindern wollten.
Israels Vergeltungsschläge gegen Luftabwehr und Petrochemie
Der Iran hatte am Sonntag wieder Israel angegriffen - erstmals seit Inkrafttreten der zwischen Washington und Teheran vereinbarten Waffenruhe im Krieg, den USA und Israel am 28. Februar begonnen hatten. Nach Angaben israelischer Militärs wurden seit Sonntagabend mehr als 20 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert; die israelische Luftabwehr habe die Geschosse abgefangen. Über Jerusalem heulten Luftalarmsirenen, wie AFP-Reporter berichteten.
Israels Armee erklärte, sie habe sich auf einen mehrtägigen Konflikt mit dem Iran eingerichtet und sei zugleich auch auf einen längeren Krieg vorbereitet. Die israelische Luftwaffe griff am Montagmorgen „militärische Ziele des iranischen Terrorregimes im Westen und Zentrum des Iran“ an. Nach Armeeangaben zerstörte sie dabei neun Luftverteidigungs- und Radarsysteme sowie eine petrochemische Anlage, in der Materialien für die Raketenproduktion hergestellt worden sein sollen.
Das iranische Staatsfernsehen meldete „mehrere“ Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Täbris und Isfahan. Die Flughäfen in Teheran, Kermanschah und Maschhad stellten den Betrieb bis auf Weiteres ein. Die irannahe Nachrichtenagentur Mehr berichtete, in der zentraliranischen Provinz Yazd seien feindliche Ziele abgefangen und über Teheran eine Drohne abgeschossen worden.
Beirut als Auslöser: Hisbollah-Hochburg im Visier
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) kündigten Vergeltung an und begründeten die Angriffe mit israelischen Luftschlägen auf die südlichen Vororte Beiruts, die als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten. Die Hisbollah werde vom Iran als wichtigster nicht-staatlicher Verbündeter bezeichnet. Der Iran habe Israel als „schmerzhafte Antwort“ zur Unterstützung des Libanon eine schmerzhafte Antwort erteilt.
Israels Luftwaffe bombardierte nach Militärangaben einen Komplex in Mahschahr im Südwesten des Iran, in dem sich nach iranischen Angaben der Nachrichtenagentur Fars Teile einer Produktionsanlage beschädigt wurden. Israel habe strategische Verteidigungssysteme im Iran angegriffen, um die nach den US-israelischen Angriffen wiederaufgebaute Luftabwehr zu eliminieren.
Die im Jemen aktiven Huthis, die vom Iran unterstützt werden, bekannten sich zu einem Raketenangriff auf Israel – dem ersten direkten Huthi-Angriff auf Israel seit Anfang April. Ein Huthi-Sprecher erklärte, man habe mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Gleichzeitig kündigte die Miliz ein „vollständiges Verbot der israelischen Schifffahrt im Roten Meer“ an und drohte, die Meerenge Bab al-Mandab, den Zugang zum Roten Meer und zum Sueskanal, für alle Schiffe mit Verbindungen zu Israel zu blockieren.
Huthis kündigen Raketen und Seeblockade an
Die Huthis sind Teil dessen, was der Iran als „Achse des Widerstands“ gegen Israel bezeichnet, neben der Hamas im Gazastreifen, der Hisbollah im Libanon und schiitischen Milizen im Irak. Sie kündigten an, auf Eskalation mit Eskalation zu reagieren und militärische Operationen im Verbund der „Achse des Widerstands“ auszuweiten. Seit 2023 hat die Huthi-Miliz Hunderte Angriffe auf Frachtschiffe im Roten Meer verübt und den Welthandel massiv gestört.
Im Irak erklärte die Iran-treue Miliz Kataib Hezbollah, sie werde Angriffe auf US-Militärstützpunkte in der Region verüben, falls die USA sich direkt an der neuen Eskalation zwischen Iran und Israel beteiligten. Eine weitere schiitische Miliz im Irak, die mit dem Iran verbündet ist, erklärte ihre Bereitschaft zum Kampf an der Seite Teherans. Die Hisbollah feuerte ihrerseits Raketen auf Nordisrael; der libanesisch-israelische Krieg dauerte trotz der Waffenruhe an der Golf-Front an.
Die Hisbollah ist auch als politische Partei im Parlament vertreten und hatte die Waffenruhe nicht ausgehandelt und hält sich nicht an sie. Der libanesische Ministerpräsident Nauaf Salam appellierte an den Iran, den Stellvertreterkrieg auf libanesischem Boden zu beenden: „Habt Erbarmen mit unserem Süden und hört auf, ihn und seine Menschen als bloße Verhandlungsmasse zu behandeln, um eure Verhandlungspositionen zu verbessern.“ Der Iran beharrt darauf, dass der Libanon in eine Friedens- und Waffenruhevereinbarung einbezogen wird, obwohl die libanesische Regierung nicht Partei des Konflikts ist.
Trump widerspricht Netanjahu öffentlich
US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag versucht, den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu von einem Vergeltungsschlag abzuhalten, und ihm nach Angaben des US-Nachrichtenportals Axios telefonisch mitgeteilt, er werde „Bibi“ umgehend anrufen, um ihm zu sagen, er solle nicht zurückschlagen. Israel griff dennoch Ziele im Iran an. Gegenüber der Financial Times erklärte Trump: „Ich habe das Sagen“ ... „Er hat nicht das Sagen“.
Über seine Plattform Truth Social schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, Israel und Iran müssten unverzüglich aufhören zu „schießen“. Zudem erklärte Trump, die Blockade (der für den Ölhandel wichtigen Seestraße von Hormuz) bleibt bis zum Abschluss eines endgültigen Abkommens in vollem Umfang bestehen. Gegenüber NBC sagte er: „Wir stehen sehr kurz vor einer Einigung, oder ich werde sie in Grund und Boden bomben“.
In einem Fox News-Interview forderte Trump den Iran auf: „Ihr habt eure Raketen abgefeuert, es reicht jetzt, kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schließt ein Abkommen.“ Trump koppelt die Waffenruhe an die Wiederöffnung der Straße von Hormuz. Nach Angaben von Axios verlangte Trump, dass beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren; demnach könnte eine mögliche Einigung mit dem Iran „am Montag, Dienstag oder Mittwoch der nächsten Woche“ erzielt werden, wie Fox News berichtete.
Das iranische Außenministerium erklärte, die israelischen Angriffe und iranischen Gegenschläge belasteten den ohnehin chaotischen diplomatischen Prozess mit den Vereinigten Staaten weiter. Außenamtssprecher Esmail Baghaei sagte, niemand glaube, dass Israel solche Angriffe ohne Koordination mit den Vereinigten Staaten durchführen könne. Der Iran macht die USA für die jüngsten Verletzungen der Waffenruhe verantwortlich und sieht darin das Teheraner Misstrauen gegen Washington bestärkt.
Straße von Hormuz unter Druck – Folgen für den Ölmarkt
Der iranische Botschafter in Russland, Kazem Dschalali, sagte der Zeitung Iswestija, die Meerenge werde geöffnet, aber unter neuen Bedingungen, wobei Iran und Oman Gebühren für Dienstleistungen in der Region erheben würden. Der Iran blockiert weiterhin den Großteil des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormuz; die USA blockieren ihrerseits iranische Häfen. Über die Meerenge werden rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert; das Rote Meer ist derzeit die einzige Alternativroute für Ölexporte aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien.
Israels Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, verteidigte das Vorgehen seines Landes und schrieb auf X: „Jeder hat genug von diesem wahnsinnigen iranischen Regime“.
Der ARD-Hörfunkkorrespondent Julio Segador sagte im Deutschlandfunk, von einer Waffenruhe könne nicht mehr die Rede sein. Die Lage sei extrem kritisch; die israelischen Angriffe auf Ziele in Beirut seien für den Iran eine rote Linie gewesen. Genau diese Situation habe man vermeiden wollen, da sie das Risiko einer unkontrollierten Eskalation berge. Der Bericht wurde am 08.06.2026 im Deutschlandfunk gesendet.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte die jüngsten Kämpfe und sagte: „Ich denke, die Region braucht keine weitere Eskalation“. Auch die britische Außenministerin Cooper warnte vor einer Eskalation und rief zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. China appellierte über einen Sprecher des Außenministeriums, alle Seiten sollten zur Waffenruhe zurückkehren und eine diplomatische Lösung anstreben.
Internationale Appelle zur Deeskalation
Der indische Ölminister Singh Puri warnte vor den Folgen einer weiteren Eskalation für den internationalen Energiemarkt. Die Golfstaaten hatten in den Monaten Februar und März unter massivem iranischen Beschuss gestanden; in den vergangenen Tagen kam es erneut zu Angriffen auf Golfstaaten wie Kuwait und Bahrain. Bei einem Angriff auf den Flughafen Kuwaits wurde ein Mensch getötet und mehr als 60 verletzt.
Die arabischen Nachbarstaaten beobachteten die erneute Eskalation zwischen Israel und dem Iran mit Sorge, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Jordanien erklärte, man werde nicht zulassen, dass Hoheitsgebiet oder Luftraum zum Schlachtfeld würden; im Norden des Landes, in Irbid, seien große Trümmerteile eingeschlagen. Katar verwies auf eine NOTAM (Notice to Airmen), die Piloten alternative Flugrouten zur Passagiersicherheit empfahl. Der Irak und Syrien schlossen vorübergehend ihren Luftraum.
Die Sorge vor einer Einmischung der Huthis, aber auch der Milizen im Irak, wuchs damit ebenso wie die Sorge vor einem Übergreifen auf die Straße von Hormuz. Trump steht wegen der anstehenden Kongresswahlen im November unter innenpolitischem Druck, hält aber trotz der iranischen Angriffe an den Verhandlungen fest. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein dauerhaftes Kriegsende haben bislang kein Ergebnis gebracht.
Der Ölpreis stieg am Montag unmittelbar auf die Entwicklungen in Nahost. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete am Montagmorgen rund 97 US-Dollar; der Preis lag damit mehr als fünf Prozent über dem Niveau vom Ende der Vorwoche. Die iranischen Streitkräfte erklärten ihre Angriffe auf Israel zwischenzeitlich für beendet; Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben. Die Heeresleitung warnte jedoch vor härteren Angriffen, sollte Israel seine Attacken im Libanon fortsetzen.
Fragen & Antworten
Wer hat die jüngste Eskalation zwischen Iran und Israel ausgelöst?
Den Anlass bildeten israelische Luftschläge auf die südlichen Vororte Beiruts, Hochburg der pro-iranischen Hisbollah, auf die der Iran am Sonntag mit ballistischen Raketen auf Israel reagierte.
Welche Rolle spielen die Huthis im aktuellen Konflikt?
Die vom Iran unterstützten Huthis im Jemen bekannten sich zu einem Raketenangriff auf Israel, dem ersten direkten Angriff seit Anfang April, und kündigten ein „vollständiges Verbot der israelischen Schifffahrt im Roten Meer“ an.
Wie reagiert US-Präsident Trump auf die Angriffe?
Trump forderte Israel und Iran auf, sofort die Angriffe einzustellen, versuchte Netanjahu telefonisch von Vergeltung abzuhalten und drohte dem Iran gleichzeitig: „Wir stehen sehr kurz vor einer Einigung, oder ich werde sie in Grund und Boden bomben“.