Ende der Waffenruhe zwischen USA und Iran setzt Wall Street unter Druck und treibt Ölpreis
New York, 8. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Ende der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sind die Kurse an der Wall Street am Mittwoch deutlich gefallen. Gleichzeitig stieg der Ölpreis sprunghaft an, während Anleger mit neuen Unsicherheiten für die Weltwirtschaft rechnen.
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran für beendet zu erklären, hat am Mittwoch an den US-Börsen für breite Kursverluste gesorgt und den Ölpreis sprunghaft ansteigen lassen.
Kursverluste an der Wall Street
Der Dow-Jones-Index reduzierte sich um 1,4 Prozent auf 52.207 Punkte. Der S&P-500 fiel um 0,7 Prozent, für die Nasdaq-Indizes ging es ebenfalls um bis zu 0,7 Prozent nach unten. Damit schlugen die Aussagen des US-Präsidenten unmittelbar auf die Stimmung der Anleger durch, die zuvor noch auf eine Beruhigung des Nahost-Konflikts gesetzt hatten.
Auslöser waren neuerliche gegenseitige Angriffe zwischen den USA und dem Iran. Das US-Militär hatte in Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus Dutzende Ziele in Iran bombardiert. Darauf hatten die USA auch die Sanktionen gegen iranische Ölverkäufe wieder in Kraft gesetzt. Iran kritisiert das als „schwerwiegenden Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen und reagiert mit Luftangriffen.
Ölpreis springt auf fast 80 Dollar
Trump warnte zudem, die USA würden wahrscheinlich weitere Angriffe auf den Iran durchführen und erwägen eine erneute Seeblockade. Eigentlich hatten die USA und Iran eine Feuerpause vereinbart, doch Trump sagte am Mittwoch: „Ich denke, es ist vorbei“. Allerdings scheint Trump die Tür für weitere Verhandlungen mit dem Iran offen zu lassen.
An den Rohstoffmärkten schlug die Eskalation ebenfalls durch. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent legte um 8,4 Prozent auf 80,39 Dollar zu. Damit legte der Preis der globalen Referenzsorte auf knapp sechs Prozent zu. Laut US-Präsident Donald Trump kletterte ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August auf 78,50 US-Dollar. Anfang Juli kostete ein Fass Öl der Nordseesorte Brent noch rund 70 US-Dollar, zwischenzeitlich wird die gleiche Menge Öl für fast 80 US-Dollar gehandelt.
Anleihen, Dollar und Gold reagieren
An den Finanzmärkten stieg zudem die Nervosität. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten mit 4,59 Prozent, der Dollar-Index legte um 0,2 Prozent zu. Gold war angesichts dieses Marktumfeldes nicht gefragt, der Goldpreis ermäßigte sich um 1,6 Prozent je Feinunze auf 4.040 Dollar. Der Bitcoin-Kurs fiel um 2,9 Prozent auf 61.810,54 Dollar.
Unter den Einzelwerten gerieten Technologieaktien besonders unter Druck. Die Branche stehe etwas unter Druck durch indexgebundene Vermögensverwalter, die Platz in den Portfolios für den US-Börsengang am Freitag von SK Hynix an der Wall Street schaffen müssten. Selbst Rekordzahlen von Samsung Electronics und LG Electronics hatten den Sektor nicht zu stützen vermocht. Für die Intel-Aktie ging es um weitere 4,5 Prozent abwärts, AMD und Micron verloren bis zu 2,1 Prozent.
Einzelwerte: Tech unter Druck, Energieaktien legen zu
Begünstigt von den kräftig steigenden Ölpreisen zogen Chevron (+1,9 %) und Exxon Mobil (+0,2 %) an. Apple zeigte sich wenig verändert, während Broadcom um 4,5 Prozent zulegte, nachdem Apple angekündigt hatte, in den nächsten fünf Jahren mehr als 30 Milliarden Dollar in Broadcom-Produkte zu investieren. Der Nvidia-Kurs stieg um weitere 0,6 Prozent, nachdem das KI-Startup Perplexity angekündigt hatte, künftig die Vera-CPU von Nvidia einzusetzen.
Die Entwicklungen haben die Bedenken hinsichtlich der Energieversorgung und des geopolitischen Risikos neu entfacht. Die jüngste Eskalation stellt die bislang ernsthafteste Bewährungsprobe für die Waffenruhe dar, sagte Jim Reid, Marktstratege bei der Deutschen Bank. Die Risikostimmung falle schwach aus, aber nicht so ausgeprägt wie vielleicht angesichts der Angriffe zu erwarten sei.
Die Wiederaufnahme der Schiffspassagen durch die Straße von Hormus gerät mit der Entwicklung wieder in Gefahr, wodurch die globale Ölversorgung beeinträchtigt werden dürfte. Diese Meerenge ist ein wichtiges Nadelöhr – nicht nur für die großen Tanker, sondern auch für Schiffe, die andere Rohstoffe oder Vorprodukte für die Industrie an Bord haben.
An den europäischen Märkten spiegelte sich die Verunsicherung wider. Der DAX gab deutlich nach und rutschte unter die Marke von 25.000 Punkten, nachdem der wichtigste deutsche Aktienindex zu Wochenbeginn noch ein Rekordhoch von über 25.900 Punkten erreicht hatte.
Geldpolitik: Sorge vor Leitzinserhöhung
Auch die Sorge um die Geldpolitik wuchs. Laut CME FedWatch preisten die Märkte immer noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 38,5 Prozent eine Zinserhöhung bis zum Jahresende ein. Steigen die Ölpreise auf längere Sicht, könnte das die Inflation nach oben treiben. Notenbanker dürften hellhörig werden und bei einer der nächsten Sitzungen die Zinsen anheben, denn es gehört zu ihren Aufgaben, für Preisstabilität zu sorgen. Am Mittwoch sollen zudem die Minuten der jüngsten US-Notenbanksitzung veröffentlicht werden, das erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh.
Die US-Inflation liegt bereits deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve, getrieben von höheren Energiepreisen. Höhere Energiepreise haben die US-Inflation bereits deutlich über das Zwei-Prozent-Ziel der Fed getrieben. Der IWF warnte: „The possibility of renewed Middle East conflict looms large and could extend commodity price volatility, further threaten supply chains, raise prices, and weigh on financial conditions.“ Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass die Weltwirtschaft 2026 um drei Prozent wächst, nach 3,5 Prozent im Vorjahr.
In den USA war am Mittwoch zudem die Trump-Administration mit Vorbereitungen für eine neue Runde globaler Zölle beschäftigt, die im zweiten Halbjahr zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Importpreise ausüben könnten. Dass sich die wöchentlichen Rohöllagerbestände in den USA wider Erwarten ausgeweitet haben, spielte in diesem Umfeld keine Rolle.
Auswirkungen auf deutsche Zapfsäulen
Die Reaktion an den Zapfsäulen blieb zunächst verhalten. In den USA stiegen die Einzelhandelspreise für Benzin laut AAA über Nacht um weniger als einen Cent pro Gallone. In Deutschland lag der Liter Super E5 am Mittwoch um 11.39 Uhr bei 2,03 Euro, Super E10 bei 1,98 Euro und Diesel bei 1,90 Euro. Grund ist das offizielle Ende des Tankrabatts zum 30. Juni. Durch den Wegfall der Steuersenkung gab es Preissprünge von etwa 10 bis 15 Cent pro Liter.
Der ADAC führt den aktuellen Anstieg der Spritpreise auf das Ende des Tankrabatts vor einer Woche zurück, nicht auf steigende Ölpreise. In welchem Ausmaß sich jedoch die Verteuerung bei den Kraftstoffpreisen niederschlägt, kann der ADAC aktuell nicht beurteilen. Sollte sich die Lage wieder beruhigen, müsste es laut ADAC auch auf dem Kraftstoffmarkt wieder eine Preisdämpfung geben. Der Rohölpreis sei zu volatil und die Folgen von Krisen und Kriegen auf den Preis seien meist erheblich. Das habe man auch in den vergangenen Monaten nach Ausbruch des Irankriegs gesehen.
Auch sind die Rohölpreise von über 100 Dollar pro Fass zwischenzeitlich auf etwa 70 Dollar gefallen. Dies hätten die Tankstellenbetreiber nur zum Teil an die Kunden weitergegeben, kritisierte WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer. Ueckerseifer schließt steigende Spritpreise nicht aus, allerdings würden sie vermutlich nicht mehr so stark nach oben schnellen wie in den vergangenen Monaten, denn die Märkte passten sich zunehmend an. Sollten bereits aktuell die Spritpreise in die Höhe schnellen, wäre dies eine „Frechheit“ seitens der Tankstellenbetreiber. Denn der Sprit, den sie aktuell verkauften, sei ihnen längst geliefert worden.
Volkswirtschaftliche Abhängigkeit von Ölimporten
Volkswirte sehen die Abhängigkeit westlicher Volkswirtschaften von Rohstoffimporten mit Sorge. „Rohöl ist und bleibt das Schmiermittel der Weltwirtschaft“, sagte Gabriele Widmann, Rohstoffexpertin bei DekaBank. Denn Öl wird nicht nur für die Energieversorgung oder als wichtigen Treibstoff gebraucht, sondern auch für die Herstellung von Kunststoffen und Verpackungsmaterial. Es ist Grundlage für zahlreiche Medikamente und Salben, wird bei der Kosmetikproduktion eingesetzt oder bei der Herstellung von Kleidung.
Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment, betonte: „Beispielsweise versuchen Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate über Pipelines ihre Abhängigkeit von Transporten durch die Straße von Hormus zu reduzieren“. Europa importiert immer noch große Mengen an fossilen Energierohstoffen und versucht, die Importbasis zu diversifizieren, also aus verschiedenen Ländern Öl und Gas zu beziehen, sowie über erneuerbare Energien alternative Energieträger zu nutzen. Eine Blockade oder kriegerische Auseinandersetzungen in der Golfregion haben unmittelbare Auswirkungen auf die Energieversorgung und auf die globalen Handelsbeziehungen. „Das ist ein kritischer Punkt. Das heißt, ein Land, das es schafft, seine Energieversorgung, den Rohstoff selbst zu produzieren, ist natürlich viel unabhängiger gegenüber solchen Konflikten“, sagte Expertin Widmann.
Fragen & Antworten
Warum hat US-Präsident Trump die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt?
Trump erklärte die Waffenruhe am Mittwoch für beendet, nachdem iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus erfolgt waren und die USA daraufhin Dutzende Ziele im Iran bombardiert hatten.
Welche Auswirkungen hatte das Ende der Waffenruhe auf den Ölpreis?
Der Preis für ein Barrel Brent-Öl stieg um 8,4 Prozent auf 80,39 Dollar, nachdem er Anfang Juli noch bei rund 70 Dollar gelegen hatte.
Wie reagierten die US-Börsen auf die Eskalation?
Der Dow Jones fiel um 1,4 Prozent auf 52.207 Punkte, der S&P-500 um 0,7 Prozent und die Nasdaq-Indizes um bis zu 0,7 Prozent.
USA-Iran-Konflikt: Wall Street unter Druck, Ölpreis steigt | finanz360