Ebola-Ausbruch DR Kongo: WHO fordert Waffenstillstand in | finanz360
Ebola-Ausbruch DR Kongo: WHO fordert Waffenstillstand in Ituri
Kinshasa, 30. Mai 2026
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Kurzfassung
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat die Konfliktparteien in der Demokratischen Republik Kongo zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen, um den Ebola-Ausbruch einzudämmen. In der Provinz Ituri wurden bereits über 1.000 Verdachtsfälle und rund 250 Todesfälle registriert, während die USA zusätzliche 80 Millionen Dollar für die Bekämpfung bereitstellen.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat nach einem Besuch in der am stärksten betroffenen Provinz Ituri einen sofortigen Waffenstillstand in der Demokratischen Republik Kongo gefordert, um die Ausbreitung des seltenen Bundibugyo-Ebolavirus zu stoppen.
Tedros Adhanom Ghebreyesus schrieb auf der Plattform X, die WHO könne weder das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen noch Kranke isolieren, während Bomben fielen. Er appellierte an die Kriegsparteien, das Überleben der Menschen über alles andere zu stellen.
Die Weltgesundheitsorganisation warnte vor einer, wie sie es nannte, „katastrophalen Kollision von Krankheit und Konflikt“ im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Die anhaltenden Kämpfe erschweren die Eindämmung des Ausbruchs massiv.
Ausmaß des Ausbruchs
Nach Angaben der kongolesischen Regierung wurden seit Beginn des Ausbruchs Mitte Mai mehr als 1.000 Ebola-Verdachtsfälle gemeldet. Rund 250 Menschen sind an der Krankheit gestorben.
In Uganda wurden laut WHO neun bestätigte Ebola-Fälle registriert, eine Infektion endete tödlich. Uganda schloss daraufhin mit sofortiger Wirkung seine Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, zunächst für vier Wochen.
Ausnahmen von der Grenzschließung gelten für medizinische Einsatzteams, humanitäre und sicherheitsrelevante Missionen sowie Lebensmittel- und Frachttransporte. Die leitende Gesundheitsbeamtin Diana Atwine erklärte, dass Personen, die dennoch eine Einreiseerlaubnis erhalten, eine 21-tägige häusliche Quarantäne absolvieren müssen.
Ursachen der raschen Ausbreitung
Das Epizentrum des Ausbruchs liegt in der kongolesischen Provinz Ituri. Die Bekämpfung wird dort durch schwache staatliche Präsenz in ländlichen Gebieten und Gewalt bewaffneter Gruppen behindert.
Millionen Vertriebene leben in Lagern, wo beengte Verhältnisse und mangelnde Hygiene die Ausbreitung des Virus begünstigen können. Durch die Kämpfe werden Menschen immer wieder vertrieben, und Kontaktpersonen von Infizierten können in überfüllten Flüchtlingslagern keinen Abstand halten.
Die Infektionskette kann nur durchbrochen werden, wenn Erkrankte unter höchsten Sicherheitsstandards behandelt werden und ihre Kontaktpersonen sich drei Wochen lang isolieren. Dies ist unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum umsetzbar.
Der aktuelle Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Virusvariante verursacht, für die es derzeit weder eine spezifische Behandlung noch einen zugelassenen Impfstoff gibt. Die WHO erklärte, ihre Beratungsgremien hätten klinische Studien für mehrere möglicherweise wirksame Impfstoffe und Behandlungen empfohlen.
Medizinische Herausforderungen
Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba sagte, man habe derzeit in den Lagern alles, was nötig sei, um den gesamten Bedarf an Schutzausrüstung, Medikamenten und Tests zu decken. Es sei eine Frage der Logistik, die nun geklärt werden müsse.
Kamba kündigte zudem an, dass sich eine vielversprechende Behandlung gegen die Bundibugyo-Variante in der Testphase befinde. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC rechnet mit einem verfügbaren Impfstoff bis zum Jahresende.
Die WHO betonte, die derzeitige Priorität sei es, die Übertragung mit jahrzehntelang erprobten Mitteln zu stoppen: Schnelltests, Kontaktverfolgung, Patientenisolation und -versorgung, Infektionsprävention, Gemeindearbeit sowie sichere und würdevolle Bestattungen.
Tedros Adhanom Ghebreyesus unterstrich die Bedeutung der lokalen Bevölkerung. Er schrieb: „Die lokale Bevölkerung ist am besten dazu in der Lage, ihre Bedürfnisse auszudrücken und wirksame Lösungen zur Eindämmung des Ausbruchs zu identifizieren.“
Skepsis in der Bevölkerung
In der betroffenen Region herrscht jedoch Skepsis gegenüber Präventionsmaßnahmen. Isolation, Trennung von Angehörigen und besondere Sicherheitsvorkehrungen bei Bestattungen stehen im Widerspruch zu lokalen sozialen Normen rund um Krankheit und Tod. Hilfsorganisationen berichten, dass viele Menschen in Ituri Ebola für einen Mythos halten.
Die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières erklärte, noch nie seien bei einer Ebola-Epidemie in den ersten Tagen nach ihrer Ausrufung so viele Fälle verzeichnet worden. Es seien nicht genügend medizinische Fachkräfte in der betroffenen Region im Einsatz.
Die WHO befürchtet, dass das tatsächliche Ausmaß der Epidemie deutlich größer sein könnte. Die Demokratische Republik Kongo verfügt nur über begrenzte Laborkapazitäten, um Infektionen zu bestätigen.
Internationale Reaktionen
Die Vereinigten Staaten stellen zusätzlich 80 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung des Ausbruchs bereit. Das teilte das US-Außenministerium mit. Die gesamte US-Hilfe seit Beginn des Ausbruchs beläuft sich damit auf 112 Millionen Dollar.
Die zusätzlichen Mittel sollen für Schutzausrüstung für medizinisches Personal, Tests, Grenzkontrollen in der Region, Kontaktverfolgung und Diagnosematerial verwendet werden. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA würden keinen Ebola-infizierten Patienten auf ihr Territorium lassen.
Washington plant die Einrichtung eines Quarantänezentrums in Kenia für Verdachts- und bestätigte Fälle, vorrangig für US-Bürger. Ein mit Ebola infizierter US-Bürger wird derzeit auf Ersuchen der USA in der Berliner Charité behandelt.
Oppositionsdemokraten und Hilfsorganisationen kritisierten die Reaktion der US-Regierung auf die Ebola-Krise. Sie warfen der Trump-Administration vor, nach dem Rückzug aus der WHO und der Zerschlagung der Entwicklungshilfeagentur USAID weitgehend im Alleingang zu handeln.
Fragen & Antworten
Warum fordert WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus einen Waffenstillstand in der DR Kongo?
Weil die anhaltenden Kämpfe in der Provinz Ituri die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs unmöglich machen – Kranke können nicht isoliert und Kontaktpersonen nicht verfolgt werden, während Bomben fallen.
Wie viele Ebola-Fälle gibt es derzeit in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda?
In der DR Kongo wurden über 1.000 Verdachtsfälle und rund 250 Todesfälle registriert; in Uganda gibt es neun bestätigte Infektionen und einen Todesfall.
Gibt es einen Impfstoff gegen die aktuelle Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus?
Nein, für die Bundibugyo-Variante existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff; klinische Studien laufen, und Africa CDC rechnet mit einem Impfstoff bis Ende des Jahres.