DAX Ausblick: 25.000 Punkte, Hochtief im Leitindex | finanz360
DAX zwischen 25.000-Punkten und neuen Verschiebungen im Index
Frankfurt, 22. Juni 2026
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Kurzfassung
Der DAX startete am Montag über 25.000 Punkten, rutschte aber kurzzeitig ins Minus und notierte bei 24.970 Zählern. Derweil ersetzt Hochtief die Porsche SE im Leitindex, und Anleger blicken auf die Iran-Verhandlungen in der Schweiz sowie auf Impulse aus den USA.
Am Frankfurter Aktienmarkt hat der DAX am Montag einen erneuten Vorstoß über die Marke von 25.000 Punkten versucht, ist im Verlauf aber zwischenzeitlich leicht ins Minus gerutscht und notierte bei rund 24.970 Punkten.
Bereits am Freitag hatte der DAX mit zeitweise 25.173 Punkten erneut einen Vorstoß in Richtung Rekordhoch unternommen, war letztlich aber wieder unter die 25.000 Punkte zurückgekehrt. Am Montagvormittag pendelte der Leitindex um die psychologisch wichtige Marke, während Anleger zugleich auf Signale aus den USA und aus den Iran-Gesprächen in der Schweiz warteten.
Der Broker IG schätzt die Lage verhalten ein. Marktbeobachter Christian Henke verwies darauf, dass sich die Kurse in einem Umfeld großer Unsicherheit bewegten. Angesichts zahlreicher geopolitischer, konjunktureller und geldpolitischer Einflussfaktoren positionierten sich Investoren nur zögerlich neu.
Vorgaben aus Asien und Hoffnung auf Wall Street
Martin Utschneider, Chart-Experte bei Robomarkets, sprach in diesem Zusammenhang von einem „Hitzetest" aus Geopolitik, Geldpolitik und KI-Fantasie. Während die geopolitische Akte geöffnet bleibe und die Notenbanken den Anlegern weiterhin keine klare Orientierung böten, rücke zunehmend die Frage in den Fokus, wie lange die KI-Euphorie die hohen Bewertungen noch rechtfertigen könne.
Die Vorgaben aus Asien waren zunächst freundlich. Die als „Hitzetest" beschriebene Stimmung trieb die Aktien von SK Hynix und Taiwan Semiconductor in Fernost deutlich nach oben, was in Asien vor allem technologielastige Börsen wie etwa in Japan oder Taiwan stützte. Der japanische Nikkei übersprang dabei die Marke von 72.000 Punkten.
Auch an der Wall Street verlief der Handel am vorangegangenen Freitag ruhig, da US-Börsen geschlossen blieben. Investoren hofften daher zum Wochenstart auf frische Impulse aus New York. Zudem befeuerte der erfolgreiche Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX die KI-Euphorie an den internationalen Technologiemärkten.
Hochtief ersetzt Porsche SE im DAX
Im DAX sorgte die Indexumbesetzung für Aufmerksamkeit. Erstmals werden Hochtief als DAX-Aktie gehandelt, wofür im Gegenzug Porsche Automobil Holding im MDAX wiederzufinden ist. Auch in der zweiten und dritten Reihe, dem MDAX und dem SDAX, wurden diverse Änderungen umgesetzt. Hochtief stiegen zum Handelsstart um 0,4 Prozent, Porsche Holding gaben um 1,8 Prozent nach.
Der Baukonzern Hochtief profitiert nach Angaben von Marktbeobachtern von Großaufträgen für den Bau milliardenschwerer Rechenzentren, die den Kurs getrieben haben. Der aktuelle Börsenwert liegt bei rund 40 Milliarden Euro und hat sich damit binnen eines Jahres etwa verdreifacht.
Halbleiter und Windkraft im Fokus
Im Mittelpunkt standen zudem die Halbleitertitel. Infineon-Aktien bewegten sich im frühen Xetra-Handel mit fast vier Prozent im Plus und führten damit den Sektor an, gestützt durch die positiven Vorgaben aus Asien. Analysten bei Bernstein hatten das Kursziel für Infineon auf 102 von 74 Euro angehoben und sehen den Konzern als Hauptprofiteur von Leistungshalbleitern.
Daneben zogen BE Semiconductor, STMicroelectronics, ASML oder Aixtron um 0,9 bis 2,2 Prozent an. Bei Nordex legten die Papiere im frühen Handel um 2,7 Prozent zu. Seit dem Monatstief gewannen die Papiere des Herstellers von Windkraftanlagen inzwischen fast 31 Prozent auf gut 49 Euro; bei 51,70 Euro wartet das Jahreshoch.
Hintergrund sind erste größere US-Aufträge für Nordex. Ajay Patel von Goldman Sachs sieht in den Bestellungen Fortschritte der Hamburger in den USA. Sein Kursziel für Nordex liegt mit 53,20 Euro leicht über dem Jahreshoch. Patel sieht die gesamte Onshore-Branche weiter im Aufwind.
Eine deutlich schwächere Tendenz zeigten Softwarewerte. Anhaltende Sorgen über negative Auswirkungen von KI-Anwendungen auf das Softwaregeschäft belasteten SAP mit einem Minus von 0,8 Prozent, Capgemini mit minus 0,9 Prozent und Scout24 mit minus 0,7 Prozent.
Geopolitik: Verhandlungen zwischen USA und Iran
Am Devisenmarkt notierte der Euro zum Dollar etwas niedriger mit 1,1448 Dollar. Bitcoin/USD stieg um 0,7 Prozent auf 64.193,25 Dollar. Bei den Edelmetallen legten Gold um 0,9 Prozent auf 4.195,39 Dollar, Silber um 2,2 Prozent auf 66,34 Dollar und Platin um 0,7 Prozent auf 1.675,15 Dollar zu.
Größeren Einfluss auf die Stimmung hatte die Geopolitik. In der Schweiz hatten am Wochenende Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung des Iran-Krieges im schweizerischen Luxusresort Bürgenstock begonnen. Das Thema Libanon hänge als Damoklesschwert über den Verhandlungen, hieß es aus Verhandlungskreisen.
Die US-Regierung hatte ursprünglich gewollt, dass sich die Gespräche auf das iranische Atomprogramm konzentrieren. Laut den Vermittlerstaaten Pakistan und Katar haben sich die USA und der Iran in der Schweiz auf die Schaffung eines Mechanismus geeinigt, der die Beendigung der Militäroperationen im Libanon gewährleisten soll.
In einer gemeinsamen Erklärung der Vermittler hieß es, es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche. Die Gespräche hätten in einer „positiven und konstruktiven Atmosphäre" stattgefunden. Ziel bleibe, wie im Rahmenabkommen vorgesehen, innerhalb von 60 Tagen ein „finales Abkommen" zu erreichen.
Ölpreis und Rohstoffe
Der Auftakt der Gespräche auf der Ebene der Verhandlungsführer wurde durch anhaltende israelische Angriffe im Libanon überschattet. Zuvor hatte der Iran die Straße von Hormus wieder gesperrt mit dem Verweis auf neuerliche Angriffe Israels auf die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon.
Der Schiffsverkehr durch die Meerenge bleibe bislang verhalten. Erst müssten Seeminen geräumt, die Produktion hochgefahren und Lager wieder aufgefüllt werden, bevor sich das Ölangebot normalisiere, hieß es. Die Ölpreise bleiben auf ihrem tiefsten Niveau seit Kriegsbeginn; das Barrel Brent verbilligte sich um rund 1 Prozent auf knapp unter 80 Dollar.
Easyjet: Dritte Übernahmeofferte abgelehnt
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, zeigte sich zurückhaltend: „Man darf nicht übermütig werden, es dürfte bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Ölpreis wieder sein Vorkriegsniveau von knapp 70 Dollar erreicht." Sein Haus sehe den DAX erst mittelfristig wieder klar über der 25.000-Punkte-Marke.
Am britischen Markt sorgte Easyjet für Schlagzeilen. Der britische Billigflieger lehnte laut Castlelake auch ein drittes unverbindliches Übernahmeangebot des US-Investors ab. Castlelake habe Easyjet am 20. Juni angeboten, alle Aktien für 625 Pence je Anteilsschein in bar zu übernehmen. Das jüngste Angebot entspreche einem Aufschlag von 59 Prozent zum Schlusskurs von 394,20 Pence vom 28. Mai.
Es beinhalte zudem ein zum Teil auf Aktien basierendes alternatives Angebot, mit der Anteilseigner an Easyjet beteiligt bleiben könnten. Castlelake hat nun bis zum 26. Juni Zeit, ein verbindliches Übernahmeangebot zu unterbreiten oder sein Angebot zurückzuziehen. Der Easyjet-Verwaltungsrat hatte zuvor bereits Offerten über 560 Pence und 600 Pence zurückgewiesen. Die Easyjet-Aktie notierte kurz nach Handelsbeginn 1,8 Prozent fester.
In Paris gaben Danone um 0,6 Prozent nach. Das Unternehmen verstärkt sich mit der Übernahme des in Australien ansässigen Herstellers von gesunden Lebensmitteln Made Group. Finanzielle Details wurden nicht bekanntgegeben. BMW legten um 0,3 Prozent zu, nachdem die Analysten der Bank of America ihr Votum für die Aktie auf Neutral erhöht hatten.
Das Raumfahrtunternehmen OHB bietet im Rahmen seiner geplanten Kapitalerhöhung neue Aktien zum Stückpreis von 300 Euro an. Der Bruttoerlös könnte sich damit auf bis zu 510,7 Millionen Euro belaufen. Zudem bietet der Investor KKR bis zu knapp 1,23 Millionen bestehende Aktien an. OHB gaben um 2,8 Prozent nach auf 394 Euro.
Fragen & Antworten
Warum hat Hochtief die Porsche SE im DAX ersetzt?
Der Baukonzern Hochtief profitiert von Großaufträgen für milliardenschwere Rechenzentren und wurde in den Leitindex aufgenommen; im Gegenzug wechselt die Porsche Automobil Holding zurück in den MDAX.
Welche Fortschritte haben die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gemacht?
Laut den Vermittlerstaaten Pakistan und Katar einigten sich beide Seiten auf einen Mechanismus zur Beendigung der Militäroperationen im Libanon und streben innerhalb von 60 Tagen ein finales Abkommen an.
Wie hat Easyjet auf das dritte Übernahmeangebot von Castlelake reagiert?
Der Verwaltungsrat von Easyjet lehnte das Angebot über 625 Pence je Aktie erneut ab, womit Castlelake bis zum 26. Juni Zeit hat, ein verbindliches Angebot vorzulegen oder zurückzuziehen.