Eine Recherche des Recherchebüros Correctiv wirft Fragen zur EU-Badegewässerbewertung auf: Demnach gelten EU-weit mindestens 7866 Badestellen als sauber, obwohl die zugrunde liegenden Gewässer nachweislich mit chemischen Schadstoffen belastet sind.

Die Analyse kombiniert offizielle Gewässerdaten der Europäischen Umweltagentur (EEA) – derselben Behörde, die den jährlichen Badegewässerbericht erstellt – mit chemischen Belastungsdaten. Das Ergebnis: Rund 7866 Badestellen in der EU, in Albanien und der Schweiz gelten nach den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als sauber, obwohl die jeweiligen Gewässer den guten chemischen Zustand gemäß der Wasserrahmenrichtlinie nicht erreicht haben.

„Ein Gewässer kann die Grenzwerte von chemischen Stoffen sprengen und dennoch als exzellent eingestuft werden", heißt es in dem Correctiv-Bericht. Die offizielle EU-Bewertung stütze sich bislang ausschließlich auf zwei Fäkalbakterien, nicht auf chemische Parameter wie PFAS oder Schwermetalle. Die EEA bestätigte auf Anfrage, dass Grundlage für die Bewertung die EU-Badegewässerrichtlinie sei – und diese sehe nur die zwei Fäkalbakterien vor.

Was die Analyse zeigt

Insgesamt wurden laut der Analyse rund 85 Prozent der mehr als 22.000 Badestellen in den 27 EU-Staaten sowie Albanien und der Schweiz als „exzellent" eingestuft, 96 Prozent erfüllten die EU-Mindeststandards. In Österreich etwa wurden 96,5 Prozent der untersuchten 260 Badegewässer als „ausgezeichnet" beurteilt – gleichzeitig aber gelten in Österreich alle in der Analyse erfassten Badestellen als an Gewässern liegend, die den guten chemischen Zustand nicht erreichen.