Baumgartner verpasst WM 2026: OP in Finnland, Ausfallmonate | finanz360
Christoph Baumgartner fällt nach Muskel-OP monatelang aus und verpasst die WM 2026
Wien, 04. Juni 2026
Siegfried Weiß / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
ÖFB-Schlüsselspieler Christoph Baumgartner hat sich beim Aufwärmen vor dem Länderspiel gegen Tunesien einen schweren Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen und ist am Mittwoch in Finnland erfolgreich operiert worden. Der 26-Jährige vom Bundesligisten RB Leipzig fällt damit mehrere Monate aus und wird sowohl den Saisonstart mit seinem Verein als auch die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko verpassen.
Der österreichische Fußball-Nationalspieler Christoph Baumgartner ist am Mittwoch in einer Spezialklinik im finnischen Turku am rechten Oberschenkel operiert worden und fällt damit mehrere Monate aus.
Die Verletzung hatte sich am Montag beim Aufwärmen für das Testspiel der ÖFB-Auswahl gegen Tunesien im Wiener Ernst-Happel-Stadion ereignet. Wie der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) mitteilte, spürte der 26-Jährige beim Schussversuch einen Stich im Bereich des Hüftbeugers. Das Spiel selbst endete 1:0 für Österreich, doch die Partie wurde von der Hiobsbotschaft über den Ausfall des Offensivspielers überschattet.
Diagnose und Operation in Finnland
Nach der Diagnose am Dienstag reiste Baumgartner am Mittwochmorgen nach Finnland und wurde noch am Nachmittag in einer Spezialklinik in Turku operiert. Wie sein Verein RB Leipzig mitteilte, verlief der Eingriff erfolgreich. „Unser Offensivspieler wird zeitnah mit der Reha beginnen und diese während der Vorbereitung auf die Saison 2026/27 größtenteils in Leipzig fortführen“, hieß es in einer Stellungnahme des Klubs.
Der Ausfall wiegt für die ÖFB-Auswahl besonders schwer, da Baumgartner als zentraler Spielgestalter und Torschütze in der Offensive kaum zu ersetzen ist. In der abgelaufenen Saison erzielte er 17 Tore und bereitete neun weitere Treffer für RB Leipzig vor – womit er zugleich Toptorjäger des Klubs war. Auch im Nationalteam absolvierte er bereits 58 Länderspiele und galt als einer der Fixpunkte in den Überlegungen von Teamchef Ralf Rangnick.
Reaktionen bei Spieler und Verein
Auf Instagram wandte sich Baumgartner persönlich an die Öffentlichkeit und zeigte sich tief getroffen: „Leider ist für mich der große Traum, eine WM zu spielen, geplatzt. Ich kann es bis jetzt nicht glauben. Das ist für mich der schwerste Tag meiner Karriere – und es wird sicher etwas dauern, bis ich diese Niederlage verarbeitet habe.“
Der 26-Jährige aus Niederösterreich verpasst damit das Großereignis, an dem Österreich erstmals seit 28 Jahren wieder teilnimmt. Die WM 2026 wird in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen, der Auftaktgegner der ÖFB-Elf ist am 17. Juni (6:00 Uhr MESZ) Jordanien in Santa Clara. Neben Jordanien warten in der Gruppenphase Titelverteidiger Argentinien und Algerien als weitere Gegner.
Personelle Alternativen im ÖFB-Kader
Leipzigs Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer stärkte seinem Schützling in einer ersten Reaktion den Rücken: „Baumi ist für uns nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein wichtiger Charakter in unserer Mannschaft. Zudem ist er ein absoluter Kämpfer, und wir sind überzeugt, dass er diesen Rückschlag mit seiner positiven Art und großen Mentalität meistern wird.“
Teamchef Ralf Rangnick reagierte auf den Ausfall, indem er im Spiel gegen Tunesien Michael Gregoritsch in die Startformation beorderte. Als weitere Kandidaten für die offensive Schaltzentrale gelten Marcel Sabitzer, Carney Chukwuemeka, Paul Wanner und Stürmer Sasa Kalajdzic. Chukwuemeka und Wanner waren erst im Frühjahr zum ÖFB gewechselt.
Nachnominierung laut FIFA-Reglement möglich
Eine Nachnominierung für den verletzten Baumgartner ist laut FIFA-Reglement grundsätzlich möglich – und zwar bis 24 Stunden vor dem ersten Gruppenspiel am 17. Juni gegen Jordanien. Rangnick erklärte jedoch, vorerst keinen zusätzlichen Spieler nachzuberufen. „Aufgrund der Größe des Kaders ist der Trainingsbetrieb weiterhin bestens gewährleistet“, teilte der ÖFB mit. Der 25-köpfige Kader werde am Donnerstag mit Flugziel Goleta nahe Santa Barbara in die USA aufbrechen.
Zusätzlich zum langfristigen Ausfall Baumgartners plagen den ÖFB weitere personelle Sorgen: Auch Florian Grillitsch und Patrick Wimmer standen gegen Tunesien verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Nach ÖFB-Angaben sollen beide jedoch bis zum WM-Auftakt wieder fit sein. Am Donnerstagvormittag wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Mannschaft am Flughafen Wien-Schwechat verabschieden, bevor der Charterflug in die Vereinigten Staaten startet.
Ausblick: Nations League und Rückkehr in den Verein
Der ÖFB-Kader absolviert vor Ort seine finale WM-Vorbereitung; das eigene Teambewerbs-Turnier des Verbandes beginnt am 11. Juni. Sollte sich in den kommenden Tagen herausstellen, dass der Kader doch Verstärkung benötigt, bleibt das Zeitfenster für eine Nachnominierung laut FIFA bis 24 Stunden vor dem Anpfiff am 17. Juni offen. Rangnick und sein Trainerteam beobachten die Entwicklung der angeschlagenen Spieler genau.
Der Blick richtet sich aber nicht nur auf die WM, sondern bereits auf die kommenden Aufgaben nach dem Turnier: In der NationsLeague steht am 24. September in Linz das Heimspiel gegen Israel auf dem Programm, ehe am 27. September Kosovo in Wien empfangen wird. Am 1. Oktober reist die ÖFB-Auswahl dann auswärts nach Irland. Baumgartner wird voraussichtlich auch diese ersten Länderspiele nach der WM verpassen und erst im Laufe der neuen Bundesliga-Spielzeit 2026/27 wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.
Beobachtungen am Spielfeldrand
Der Vorfall im Wiener Ernst-Happel-Stadion wurde auch von Reportern unmittelbar beobachtet. Florian Klein, der für den Sender Servus TV arbeitete, schilderte, wie er während einer Werbeunterbrechung zufällig auf den Platz blickte und Baumgartner nach einem Schussversuch am Hüftbeuger greifen sah. Klein alarmierte seinen Kollegen Martin Harnik, kurz darauf kamen auch Mitspieler und Teamchef Rangnick zu dem verletzten Spieler. Michael Gregoritsch, der als enger Freund Baumgartners gilt, berichtete Klein, der Niederösterreicher sei „sehr niedergeschlagen“ gewesen.
In der Diskussion um die Nachfolge in der zentralen Offensivrolle verweisen Beobachter auf die Achse Baumgartner, Nicolas Seiwald und Xaver Schlager, die bei der ÖFB Auswahl und allesamt auch bei RB Leipzig unter Vertrag steht. Diese Achse habe für die Spielidee Rangnicks eine wichtige Rolle gespielt. David Alaba und Marko Arnautovic werden in der Mannschaft weiterhin als Führungsfiguren gesehen, während Gregoritsch, Arnautovic und Kalajdzic körperliche Präsenz in der Sturmzentrale bieten sollen.
Insgesamt verdeutlicht der Ausfall, wie dünn die Personaldecke des ÖFB in der Schlüsselposition besetzt ist. Mit Wanner und Chukwuemeka stehen zwar junge, talentierte Alternativen bereit, beide sind aber noch unerfahren auf internationalem Top-Niveau. Die kommenden Tage bis zum Abflug werden zeigen, ob Rangnick an seiner Linie festhält oder doch noch die Nachnominierungsmöglichkeit zieht, um den Kader für das erste WM-Spiel gegen Jordanien bestmöglich aufzustellen.
Fragen & Antworten
Wie hat sich Christoph Baumgartner verletzt?
Baumgartner spürte beim Aufwärmen vor dem Testspiel gegen Tunesien am Montag im Wiener Ernst-Happel-Stadion einen Stich im Bereich des Hüftbeugers, als er einen Schussversuch machte. Es stellte sich heraus, dass er sich einen schweren Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen hatte.
Warum wurde Baumgartner in Finnland operiert?
Nach der Diagnose am Dienstag reiste der 26-Jährige am Mittwochmorgen nach Turku, wo er noch am Nachmittag in einer Spezialklinik am rechten Oberschenkel operiert wurde. Der Eingriff verlief nach Angaben von RB Leipzig erfolgreich.
Welche Spieler könnten Baumgartners Rolle bei der WM übernehmen?
Als Alternativen für die offensive Schaltzentrale gelten laut ÖFB-Angaben Marcel Sabitzer, Michael Gregoritsch, Carney Chukwuemeka, Paul Wanner und Sasa Kalajdzic. Eine Nachnominierung ist laut FIFA-Reglement bis 24 Stunden vor dem ersten Gruppenspiel gegen Jordanien am 17. Juni möglich, wird von Teamchef Ralf Rangnick derzeit aber nicht angestrebt.