Christoph Baumgartner erleidet Muskelverletzung und verpasst die WM
Wien, 03. Juni 2026
Silesia711 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Christoph Baumgartner hat sich beim Aufwärmen vor dem Testspiel gegen Tunesien eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zugezogen und fällt für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada aus. Teamchef Ralf Rangnick sprach von einer sehr bitteren Nachricht für Spieler und Mannschaft.
Christoph Baumgartner (26) aus dem Waldviertel hat sich am Montagabend beim Aufwärmen vor dem Testspiel Österreichs gegen Tunesien in Wien eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zugezogen und wird der ÖFB-Auswahl bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada fehlen.
Verletzung beim Aufwärmen
Der Mittelfeldspieler von RB Leipzig verletzte sich am Montagabend im Ernst-Happel-Stadion, als er beim Aufwärmen einen Schuss ausführte und einen stechenden Schmerz im Bereich des Hüftbeugers verspürte. Wie sein Verein am Mittwoch mitteilte, wurde Baumgartner noch am Mittwoch operiert. „Unser Offensivspieler wird zeitnah mit der Reha beginnen und diese während der Vorbereitung auf die Saison 2026/27 größtenteils in Leipzig fortführen“, hieß es aus Leipzig.
Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hatte den Ausfall des 26-Jährigen am Dienstag, dem 2. Juni, offiziell bekanntgegeben. Teamchef Ralf Rangnick äußerte sich betroffen: „Das ist für Christoph und für uns als Team natürlich eine sehr bittere Nachricht. Er ist ein wichtiger Spieler und eine zentrale Persönlichkeit innerhalb unserer Mannschaft.“ Zudem sagte Rangnick mit Blick auf die Genesung: „Jetzt gilt unsere volle Unterstützung seiner Genesung“.
Entwarnung bei Alaba
Das Testspiel gegen Tunesien konnte Österreich am Ende mit 1:0 gewinnen, auch weil David Alaba trotz muskulärer Probleme durchhalten konnte. Alaba war während der Partie ausgewechselt worden, weil sein Oberschenkel zwickte. Nach einer Untersuchung gab es am Ende Entwarnung: „Es besteht kein Grund zur Sorge, Alaba kann damit planmäßig am Donnerstag, dem 4. (Juni)“, reisen. Baumgartner wurde unterdessen von Michael Gregoritsch in der Startformation ersetzt.
Für den ÖFB ist der Ausfall von Baumgartner ein schwerer Schlag. Der Offensivspieler, der bei RB Leipzig in der abgelaufenen Saison mit 17 Toren in 37 Pflichtspielen sowie 13 Treffern und neun Vorlagen in der Bundesliga glänzte, galt als fixer Bestandteil der Rangnick-Elf. Er verfügt über 58 Länderspieleinsätze, in denen er 19 Tore erzielte und 13 weitere vorbereitete. Im März 2024 hatte er mit einem Treffer nach 6,3 Sekunden gegen die Slowakei den Rekord für das schnellste Tor in der Geschichte der Herren-Länderspiele aufgestellt.
Reaktionen aus dem Team
In einem emotionalen Instagram-Post hatte Baumgartner selbst auf das Ende seines Traums reagiert. „Leider ist für mich der große Traum, eine WM zu spielen, geplatzt. Ich kann es bis jetzt nicht glauben. Das ist für mich der schwerste Tag meiner Karriere – und es wird sicher etwas dauern, bis ich diese Niederlage verarbeitet habe“, schrieb der Niederösterreicher. Erst in der Vorwoche hatte er erklärt, er fühle sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, nachdem er seine beste Saison im Trikot von RB Leipzig gespielt hatte.
Leipzigs Sportdirektor Marcel Schäfer würdigte den Charakter des verletzten Spielers. „Baumi ist für uns nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein wichtiger Charakter in unserer Mannschaft. Zudem ist er ein absoluter Kämpfer, und wir sind überzeugt, dass er diesen Rückschlag mit seiner positiven Art und großen Mentalität meistern wird“, sagte Schäfer. Auch ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel sprach von einem Schock: „Es ist eine Hiobsbotschaft, es ist ganz schlimm für die Mannschaft, für ganz Fußball-Österreich, aber natürlich für ihn selbst, weil er so viel investiert hat, großen Anteil an der WM-Teilnahme hat. Er ist schwierig zu ersetzen, weil er ein Schlüsselspieler ist. Wir sind alle geschockt.“
Gruppe J und Reisepläne
Österreich trifft bei der WM in Gruppe J auf Jordanien, den Titelverteidiger Argentinien und Algerien. Für die ÖFB-Auswahl ist es die erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren. Das Team sollte ursprünglich am Donnerstag in die USA aufbrechen, um sich auf das Turnier vorzubereiten. Die Auswahl um Rangnick steht nun vor der Aufgabe, einen Ersatz für den Ausnahmekönner zu finden.
Wie der Kaderspieler ausfallen wird, ist noch offen. ORF-Experte Andreas Herzog brachte mehrere Optionen ins Spiel und nannte dabei Saša Kalajdžić, der gegen Tunesien überzeugte: „Aber so, wie Sasa Kalajdzic gegen Tunesien gespielt hat, wäre eine Option. Er kann Mittelstürmer spielen, aber auch Zehner, super die Bälle halten, hat eine gute Technik und ist extrem torgefährlich. Er hat gezeigt, dass man mit ihm rechnen muss.“ Auch Michael Gregoritsch und Marko Arnautović werden als Alternativen gehandelt.
Mögliche Nachfolger
Auch Carney Chukwuemeka und Paul Wanner, die im Test gegen Tunesien eingewechselt wurden, erhielten Lob von Rangnick. Der als Florian Klein für Servus TV tätige Reporter, der die Szene im Stadion beobachtet hatte, schlug Chukwuemeka als möglichen Ersatz vor, da dieser ähnliche Qualitäten in puncto Tempo und Ballbehandlung mitbringe. ORF-Experte Andreas Ivanschitz bezeichnete die Suche nach einem Ersatz als „Mammutaufgabe“ und nannte Baumgartner einen „Dreh- und Angelpunkt“ für das österreichische Spiel.
Herzog verwies zudem auf die besondere Symbolkraft der Verletzung. Der ehemalige ÖFB-Teamspieler erinnerte an seine eigene Zehenverletzung vor der WM 1998: „Das war meine größte Enttäuschung, aber ich war wenigstens dabei.“ Klein wiederum zog einen Vergleich zu Zlatko Junuzović, der Österreich bei der EM 2016 durch eine im ersten Gruppenspiel erlittene Verletzung nicht weiterhelfen konnte, aber beim Team geblieben war. Auch Junuzović sei seinerzeit kaum zu ersetzen gewesen, so Klein.
Baumgartners Rolle im Spielsystem
Baumgartners Stärken lagen laut Klein in dessen Spielweise: dem Gespür für Räume zwischen den gegnerischen Linien, der Fähigkeit, mit der ersten Ballberührung sofort zu drehen oder das Spiel zu beschleunigen, dem Torinstinkt im Strafraum sowie der Aggressivität im Gegenpressing. Zusammen mit Xaver Schlager und Nicolas Seiwald bildete er die zentrale Achse der Mannschaft, die aus gemeinsamen Zeiten bei RB Leipzig die Spielprinzipien von Rangnick verinnerlicht hatte.
Die österreichische Mannschaft reist am Donnerstag in die USA, wo sie am 4. (Juni) ihre WM-Vorbereitung fortsetzt. Noch ist nicht entschieden, wer nachnominiert wird. Als heiße Kandidaten gelten laut Herzog und Ivanschitz LASK-Kapitän Sascha Horvath sowie die bereits gegen Tunesien eingesetzten Joker Kalajdžić, Chukwuemeka und Wanner. Die endgültige Entscheidung liegt bei Teamchef Rangnick.
Mit dem Ausfall von Baumgartner verliert das österreichische Team einen seiner wichtigsten Unterschiedsspieler in der Offensive. Rangnick muss nun rasch eine Lösung finden, um die durch den Ausfall entstandene Lücke zu schließen. Der Schock im Lager der Mannschaft sitzt tief, doch die Verantwortlichen richteten den Blick bereits nach vorn – auf das, was beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada möglich sein wird.
Baumgartner selbst wird in den kommenden Monaten in Leipzig seine Rehabilitation absolvieren. Nach Angaben seines Vereins verlief die Operation am Mittwoch erfolgreich. Wann der Mittelfeldspieler ins Mannschaftstraining zurückkehren kann, ist derzeit noch offen. Klar ist: Das größte Spiel seines Lebens wird er vorerst nicht bestreiten können.
Fragen & Antworten
Wie hat sich Christoph Baumgartner verletzt?
Baumgartner verspürte beim Aufwärmen vor dem Testspiel gegen Tunesien am 1. Juni in Wien einen stechenden Schmerz im rechten Oberschenkel, als er einen Schuss ausführte, und wurde am Mittwoch operiert.
Wer könnte Baumgartner im WM-Kader ersetzen?
Als mögliche Optionen gelten Saša Kalajdžić, Michael Gregoritsch, Marko Arnautović, Carney Chukwuemeka, Paul Wanner und LASK-Kapitän Sascha Horvath. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen.
In welcher WM-Gruppe spielt Österreich?
Österreich ist in Gruppe J gesetzt und trifft bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada auf Jordanien, den Titelverteidiger Argentinien und Algerien.
Baumgartner fällt für WM 2026 aus – OP am Oberschenkel | finanz360