Beisetzung von Irans früherem Oberhaupt Chamenei in Maschhad – Schweizer Flagge auf Bundeshaus auf Halbmast
Bern, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Mehr als vier Monate nach seiner Tötung bei einem Luftangriff ist Ajatollah Ali Chamenei in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran beigesetzt worden. Aus Anlass der Trauerfeier weht die Schweizer Flagge auf dem Westflügel des Bundeshauses auf Halbmast.
Ajatollah Ali Chamenei, das ehemalige geistliche Oberhaupt des Irans, ist am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran beigesetzt worden; aus diesem Anlass weht die Schweizer Flagge auf dem Westflügel des Bundeshauses auf Halbmast.
Die Trauerfeier in Maschhad
Die Beisetzung fand im Mausoleum des Imams Reza statt, dem wichtigsten schiitischen Heiligtum im Iran, wie iranische Medien übereinstimmend berichteten. Die Trauerfeier in Maschhad sollte den Abschluss der sechstägigen Trauerzeremonien in mehreren Städten im Iran und im Irak bilden. Die Zeremonie wurde vom Vormittag auf den Nachmittag verschoben, weil sich die Feierlichkeiten im Irak verzögert hatten; der Trauerzug traf kurz nach 14.00 Uhr Ortszeit in der heissesten Tageszeit ein.
Eine grosse, überwiegend in Schwarz gekleidete Menschenmenge hatte sich seit Donnerstagfrüh auf den Weg zum Mausoleum gemacht. Angesichts von Temperaturen von fast 40 Grad wurden die Trauernden von Feuerwehrwagen aus zur Abkühlung mit Wasser besprüht. Viele Trauergäste schwenkten iranische Flaggen und rote Flaggen, die als Symbol für Rache gelten.
Die Stimmung war von Trauer und Wut über neue schwere US-Angriffe geprägt. Auf Bannern nahe dem Beisetzungsort war unter anderem "Kill Trump" und "Blut wird fliessen" zu lesen. An einem Hotel mit dem Namen "Miami" war zudem ein riesiges Plakat zu sehen, auf dem ein Kopfgeld auf US-Präsident Trump ausgesetzt wurde.
Die Menge skandierte "Kein Kompromiss mit den Mördern" und richtete scharfe Worte gegen die USA und Israel. Eine 35-jährige Hausfrau sagte während der Trauerfeiern: "Nur der Tod von Trump und (dem israelischen Regierungschef Benjamin) Netanyahu wird unseren Schmerz lindern. Es sollte überhaupt keine Kompromisse geben" – mit Blick auf das im Juni geschlossene Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges. Dieselbe Frau sagte zudem: "Der Verlust unseres Führers ist schwerer als der unserer Eltern."
Wut, Rache und politische Botschaften
Der Ladenbesitzer Mohammed Afsharian erklärte: "Alle Menschen hier wollen Rache. Ich weiss nicht, wie das mit der Diplomatie weitergehen soll und welche Politik dahintersteckt, aber alle Menschen hier tragen rote Fahnen, weil sie Rache wollen." Afsharian forderte zugleich, Trump müsse, "wenn er ein Abkommen verhandeln wolle, uns Netanyahu ausliefern".
Die Beerdigung selbst sollte am Abend stattfinden, das Gebet sollte der 101 Jahre alte Ajatollah Hussein Nouri Hamedani sprechen. Chameneis Sarg war am Donnerstag mit einem Flugzeug nach Maschhad gebracht worden; angesichts der jüngsten Eskalation wurde die Maschine von einem iranischen Kampfjet begleitet. Das staatliche Fernsehen berichtete, dass der Sarg mit einem Hubschrauber die letzte Wegstrecke zurücklegen sollte, weil auf der Hauptstrasse kein Durchkommen mehr möglich war.
Mit Chamenei sollten auch mehrere bei dem Angriff am 28. Februar getötete Angehörige beigesetzt werden, darunter seine Tochter und seine 14 Monate alte Enkeltochter sowie die Frau seines Sohnes Mojtaba. Die Beisetzung selbst erfolgte nach Berichten mehrerer iranischer Medien über Nacht ohne öffentlichen Zugang.
Vom Luftangriff zur Machtübergabe
Chamenei war am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar bei einem Luftangriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Er hatte seit 1989 an der Spitze des Landes gestanden und galt als oberste religiöse Autorität des Staates als schiitischer Ajatollah. Als oberster Führer hatte er in der Islamischen Republik bei allen zentralen Fragen das letzte Wort. Unter Chamenei entwickelten sich die Revolutionsgarden zur führenden militärischen Kraft des Landes; intern setzte der Staat auf Kontrolle und Repression, Kritik wurde nicht geduldet.
Nach offiziellen iranischen Angaben hatten Millionen Menschen an den mehrtägigen Trauerfeiern teilgenommen. Der Gouverneur von Maschhad, Hassan Hosseini, wurde im staatlichen Fernsehen mit der Aussage zitiert, er erwarte 15 Millionen Teilnehmer zu den Feierlichkeiten. Schätzungen zufolge steht allerdings ein grosser Teil der Bevölkerung der staatlich verordneten Trauer gleichgültig oder ablehnend gegenüber.
Der Machtapparat ordnet sich seit dem Tod Chameneis neu; Vertreter der mächtigen Revolutionsgarden rücken in wichtige politische Positionen auf. Nach iranischen Angaben wurde Mojtaba Khamenei, der Sohn Ali Chameneis, bei dem Angriff verletzt und ist seither nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden; er war zum Nachfolger als oberster Führer ernannt worden.
Neue Eskalation der Kämpfe
Parallel zur Trauerfeier flammten die Kämpfe wieder auf. Die US-Armee hatte in der Nacht auf Donnerstag in der zweiten Nacht in Folge nach eigenen Angaben Dutzende militärische Ziele im Iran ins Visier genommen. Laut US-Präsident Donald Trump erfolgten die Angriffe als Vergeltung für vorangegangene iranische Attacken auf Schiffe in der Strasse von Hormus; in dieser Meerenge gibt es nach der neuen Eskalation fast keinen Schiffsverkehr.
Iranische Stellen meldeten Angriffe auf einen US-Zerstörer vor Bahrain. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Militärbasen in der Region. Erstmals seit Wochen wurde zudem Jordanien wieder Ziel von iranischen Raketenangriffen; Jordanien meldete Raketenbeschuss aus dem Iran.
Symbolische Geste in Bern
Im Iran ist der Zugverkehr nach den nächtlichen US-Angriffen auf einer wichtigen Strecke unterbrochen worden. Ein Abschnitt der Bahnstrecke Teheran-Maschhad wurde bombardiert; auch die Ak-Takeh-Chan-Brücke wurde nach Berichten getroffen. Das iranische Aussenministerium verurteilte die Angriffe auf die Bahninfrastruktur als "offenkundiges Kriegsverbrechen" und kündigte an, der Iran werde seine territoriale Unversehrtheit, Souveränität und nationale Sicherheit verteidigen. Die iranische Eisenbahn sprach von einem "kriminellen Angriff des US-israelischen Feindes" auf die Strecke.
Trotz einer Anfang April vereinbarten Waffenruhe und eines Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges kam es immer wieder zu gegenseitigen Angriffen. Israel wies Berichte über eine humanitäre Krise im Gazastreifen zurück. Unabhängig davon sollen die Palästinenser erstmals seit 2006 wieder ein Parlament wählen.
In der Schweiz weht aus Anlass der Beisetzung des ehemaligen geistlichen Oberhaupts des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, die Schweizer Flagge auf dem Westflügel des Bundeshauses auf Halbmast. Die Schweiz pflegt in solchen Fällen eine Tradition der kondolierenden Bekundung gegenüber Staatsoberhäuptern und ranghohen Repräsentanten ausländischer Staaten, unabhängig von der politischen Bewertung der jeweiligen Regierung.
Spaltung der iranischen Gesellschaft
Der Iran hat rund 86 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Während vergangener Protestwellen hatten Demonstranten wiederholt "Tod dem Diktator" skandiert. Beobachter werten die parallele Mischung aus öffentlicher Trauer, Rache-Rufen und Angriffen als Zeichen der anhaltenden Spaltung der iranischen Gesellschaft.
Die endgültige Beisetzung mehr als vier Monate nach Chameneis Tod fiel damit in eine Phase, in der die Spannungen zwischen Iran, den USA und Israel erneut eskalierten – auch wenn ein formaler Rahmen für ein Ende des Konflikts bereits im Juni vereinbart worden war.
Die Schweizer Regierung hat sich bislang nicht inhaltlich zur Lage im Nahen Osten geäussert; die Beflaggung am Bundeshaus folgt ausschliesslich protokollarischen Gepflogenheiten.
Fragen & Antworten
Wer war Ajatollah Ali Chamenei und welche Rolle hatte er im Iran?
Ajatollah Ali Chamenei war seit 1989 das geistliche Oberhaupt und oberster Führer der Islamischen Republik Iran. Als höchste religiöse Autorität des Staates hatte er bei allen zentralen Fragen das letzte Wort, und unter seiner Führung entwickelten sich die Revolutionsgarden zur führenden militärischen Kraft des Landes.
Warum weht die Schweizer Flagge auf dem Bundeshaus auf Halbmast?
Die Schweizer Flagge auf dem Westflügel des Bundeshauses weht auf Halbmast, weil am Donnerstag die Beisetzung des ehemaligen geistlichen Oberhaupts des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, in seiner Heimatstadt Maschhad stattfand. Die Beflaggung folgt protokollarischen Gepflogenheiten.
Wie ist die aktuelle Sicherheitslage in der Region?
Trotz einer Anfang April vereinbarten Waffenruhe und eines im Juni geschlossenen Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges kommt es immer wieder zu gegenseitigen Angriffen zwischen Iran, den USA und Israel. Die US-Armee hat in zwei aufeinanderfolgenden Nächten Dutzende Ziele im Iran angegriffen, Iran hat mit Angriffen auf US-Militärbasen in der Region reagiert, und Jordanien wurde erneut Ziel iranischer Raketen.
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