Vor der für 2027 geplanten französischen Präsidentschaftswahl wächst die Aufmerksamkeit auf Jordan Bardella, den 30-jährigen Vorsitzenden des Rassemblement National (RN), der als möglicher Spitzenkandidat seiner Partei gehandelt wird.

Bardella, der nach Angaben aus dem Umfeld der Partei bereits mit 21 Jahren zum Parteisprecher aufstieg, führt das Rassemblement National seit vergleichsweise kurzer Zeit. Aktuelle Umfragen sehen die Partei zwischen 31 und 36 Prozent. Marine Le Pen hatte den damaligen 27-jährigen Berater einst selbst zum Parteivorsitzenden bestimmt, offenbar als Absicherung für den Fall, dass sie selbst nicht antreten könnte.

Programmatische Akzente und wirtschaftspolitische Neuaufstellung

Diese Absicherung könnte nun Bedeutung gewinnen. Ein Pariser Berufungsgericht entscheidet am 7. Juli über die Rechtmäßigkeit ihrer Verurteilung wegen Veruntreuung von EU-Mitteln, die mit einer Geldstrafe, einer Haftstrafe von vier Jahren – davon zwei Jahre mit elektronischer Fußfessel – sowie einem Ausschluss von öffentlichen Ämtern bis 2030 einherging. Wird das Urteil bestätigt, wäre Le Pen 2027 von der Wahl ausgeschlossen; ihre Strafe muss allerdings erst nach Ausschöpfung aller Rechtsmittel angetreten werden, ihr Sitz in der Nationalversammlung bleibt bis dahin bestehen.

Sollte Le Pen nicht antreten können, gilt Bardella als wahrscheinlicher Ersatzkandidat. Beobachter wie Blanche Leridon, Leiterin des Bereichs Frankreich-Studien am Institut Montaigne, sehen darin eine bewusste Strategie: „Er wird den Eckpfeiler ihrer Kampagne bilden, als ihr designierter künftiger Ministerpräsident. Beide würden als Team kandidieren, so ähnlich wie in den Vereinigten Staaten; eine Dynamik, die es in Frankreich noch nicht gab. Damit könnten sie zu einer deutlich stärkeren Kraft werden“, so Leridon.